GW Cosmetics ist bei Wimpernfarben die Nummer 1

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Porträt
01/23/2017

Mit Wimpernfarben an die Weltspitze

Wie die niederösterreichische Kosmetikfirma GW Cosmetics aus einer Hinterhofwerkstatt zum Global Player wurde

von Anita Staudacher

Egal ob im fernen Kanada, Brasilien oder auf Island: Wenn Friseure und Stylisten Farbe auf die Wimpern oder Augenbrauen ihrer Kundinnen auftragen, verwenden sie ein Produkt "Made in Austria". Sechs Millionen Tuben der Marke "RefectoCil" füllt GW Cosmetcis jährlich in Leopoldsdorf bei Wien ab und exportiert sie in 65 Länder.

Damit sind die Niederösterreicher der weltgrößte Anbieter von Wimpernfarben für den professionellen Bereich. "Grußen Kosmetikherstellern ist die Nische zu klein, daher gibt es weltweit nur drei bis fünf ernsthafte Mitbewerber. Und die sind kleinere Firmen wie wir", erläutert GW-Cosmetics-Chef Rainer Deisenhammer.

Die Firmengeschichte reicht weit zurück. Schon in den 1930-er Jahren, als das Färben von Augenbrauen erstmals in Mode kam, gründete der Wiener Friseur Josef Gschwentner eine kleine Hinterhofwerkstatt im 9. Bezirk, wo er an diversen Farbkombinationen tüftelte und sie patentieren ließ. Deisenhammer, der in der Autobranche arbeitete, die Matura nachholte und an der WU studierte, stieß als Steuerberater zur Firma. Als Gründersohn Gerhard Gschwentner keinen Nachfolger fand, sprang Deisenhammer ein und übernahm 2004 die Gschwentner Haarkosmetik. "Die Firma war kein Sanierungsfall, aber ziemlich rückständig, es gab keinen Vertrieb, kein Marketing und nicht einmal einen Internet-Anschluss", erzählt Deisenhammer.

Wachstumsmarkt

Seither ging es steil bergauf. Aus den 20 Mitarbeitern sind inzwischen 86 geworden, heuer dürfte die Zahl auf über 100 steigen. Im Vorjahr wurden 19 Millionen Euro umgesetzt, das operative Ergebnis (Ebit) betrug 5 Millionen Euro.

Um nicht nur von einem Produkt abhängig zu sein, wurde 2007 die Wiener Kosmetikfirma Weinzierl erworben. Gemeinsam werden eigene Kosmetiklinien entwickelt und vertrieben. 2010 übersiedelte das Unternehmen nach Leopoldsdorf. In neuen Abfüllanlagen können 200 Kilo Farben in nur zwei Stunden abgefüllt werden. Eine Tube reicht für etwa 30 Anwendungen, es gibt neun verschiedene Farben. Unter der Marke "Beautylash" vertreibt das Unternehmen inzwischen u.a. über Bipa Augenbrauen- und Wimpernpflege-Produkte für die Anwendung zu Hause.

Nachholbedarf

Der Markt für Wimpernfarben ist noch lange nicht gesättigt. "In Österreich lassen sich nur fünf Prozent der Frauen beim Friseur auch die Wimpern färben, in Island sind es 80 Prozent", weiß Deisenhammer. Das liege nicht nur an den Frauen, sondern auch an den Friseuren, die das Thema hier zu Lande noch zu wenig aufgreifen. 80 Prozent der Produktion geht daher in den Export. Wichtige Auslandsmärkte sind Deutschland, Russland, Großbritannien, Brasilien und die USA.

Ganz dem Öko-Trend in der Kosmetik folgend entwickelte GW Cosmetics auch Wimpernfarben mit pflanzlichen statt chemischen Rohstoffen. Auch die Männer werden als Zielgruppe immer wichtiger: "Bartfarben sind in einigen Ländern total angesagt", meint Deisenhammer.

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