Der Patchbox-Kampf

Patchbox Sepp Hofstätter  Alexander Geng Start-Up …
Foto: KURIER/Katharina Salzer Das Patchbox-Team

Nie wieder Kabelsalat in Netzwerkschränken: Zwei junge Männer entwickelten neues System.


Am Anfang war das Chaos. Und das nervte Alexander Geng gewaltig. Er musste auf einer Baustelle Kabel ordnen. Stunde um Stunde verging. Da kam dem IT-Techniker die Idee: Ein System, mit dem der Kabelsalat in Netzwerkschränken der Vergangenheit angehört. Die Patchbox. Das war im Jahr 2011.

Heute haben Geng, 33, und sein Partner Josef Hofstätter, 32, ein gleichnamiges Start-up in Wien. Das Büro ist im Frequentis-Gründerzentrum im vierten Bezirk zu finden. Das Prinzip der Patchbox: Die Kabellänge wird durch Ziehen am Kabel in der benötigten Länge zur Verfügung gestellt. Überlängen werden automatisch wieder eingezogen und verstaut.

Was einfach klingt, brauchte eine Menge Prototypen, Spezialanfertigungen und Versuche bis es gut funktionierte. "Wir haben vieles probiert. Nach dem Prinzip ’trial and error’", sagt Geng. Hofstätter kramt einzelne Teile – Federn, Schienen aus Metall und Kunststoff – aus einer Kiste und zeigt sie her. An den Wänden des Patchbox-Offices hängen Kabel in allen Farben. Auch hier machten sich Geng und Hofstätter auf die Suche nach dem optimalen Produkt.

Zeitfrage

Das Duo – kennengelernt haben sich die beiden beim Longboarden – entwickelt die Patchbox laufend weiter, präsentiert sie, verkauft sie. Teilweise ist es ein Kampf. Denn beide dachten die Entwicklung geht schneller voran. Alleine die Herstellung einer Spritzgußform benötigt ihre Zeit. Nicht nur das: Gerade eben verhandelt das Team mit einem großen Schrankhersteller. "Die Gespräche haben eineinhalb Jahre gedauert", sagt Hofstätter. Für die große Firma kein Problem, für die kleine eine Herausforderung.

Um sich auf dem Markt zu etablieren , braucht es nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Patente verschlingen es etwa. Geng und Hofstätter holten sich Unterstützung, wo auch immer möglich. Etwa bei INiTs (Innovation into Business). Das Unternehmen der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Wirtschaftsagentur Wien will Start-ups am Weg zum Erfolg beschleunigen.

Einfach zu verstehen

Investoren haben sie in Thomas Leitgebs Firma PROact und Partnern gefunden. Warum fiel seine Entscheidung gerade auf die Patchbox? Das Projekt erfülle zwei wesentliche Punkte, erklärt Leitgeb. "Es steht ein sehr gutes Gründerteam dahinter und es wird eine Problemlösung geboten, die einfach zu verstehen ist." Vergangenen Juni erhielten die Jungunternehmer übrigens den "Born Global Champion"-Award der Wirtschaftskammer

Geng und Hofstätter werden dranbleiben. Ende März ist Patchbox auf der Messe CeBIT in Hannover vertreten. Und gerade eben ist wieder ein neues Produkt im Werden. Ein so genannter "Installation Helper". Eine Schiene, die rasch am Netzwerkschrank fixiert werden kann. Auf ihr wird der Laptop abgestellt werden. Bisher hielten die Techniker die Computer in der Hand.

Vom Erfolg der Patchbox sind die beiden überzeugt. Sie sehen die Notwendigkeit dafür. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie langwierig sauberes Verkabeln sein kann", sagt Geng. Noch schlimmer sei es die Fehler von anderen in der Unordnung zu beheben.

Ausfallzeiten würden durch das Produkt drastisch verkürzt. "Installation und sogar Wartungen können zehn Mal so schnell durchgeführt werden im Vergleich zu allen anderen Systemen", sagt Hofstätter.

Denn am Ende soll die Ordnung sein. www.patchbox.at

(kurier) Erstellt am
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