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Wirtschaft
09/06/2021

Bundesforste-Vorstand: „Wir haben der Versuchung widerstanden“

Die Österreichischen Bundesforste haben trotz der hohen Immobilienpreise keine Grundstücke abverkauft.

von Andreas Anzenberger

Im Vorjahr waren die Holzpreise noch im Keller. Doch die Nachfrage ist gestiegen. Mittlerweile klagt die Bauindustrie über Lieferengpässe und massive Preissteigerungen bei Schnittholz. Die beiden Vorstände der Österreichischen Bundesforste, (ÖBf) Rudolf Freidhager (Forstwirtschaft und Naturschutz) und Georg Schöppl (Finanzen und Immobilien) erklären, warum sie von den sehr hohen Holzpreisen deutlich weniger profitieren als die Sägeindustrie.

KURIER: Wie ist die aktuelle Lage in den Wäldern der Österreichischen Bundesforste?

Rudolf Freidhager: Bisher sind wir von größeren Kalamitäten verschont geblieben. Der Regen freut uns Forstleute. Im Vorjahr hatten wir in Summe etwa 500.000 Festmeter Käferholz. Heuer ist es ähnlich. Es gibt aber regionale Unterschiede. In Tirol gibt es kaum Schäden, in der Steiermark deutlich mehr. Allerdings hat es wegen der schweren Niederschläge die Infrastruktur erwischt.

Georg Schöppl: Das gilt vor allem für die Forststraßen. Die Schadenssumme beläuft sich auf rund vier Millionen Euro. Es gab Forststraßen die mussten zweimal wieder hergerichtet werden. Wir haben fast jedes Jahr Schäden, die über die Jahre größer geworden sind. Mal ist es das Hochwasser dann der Käfer oder die Trockenheit oder der Sturm.

Freidhager: Früher hatten wir 20 bis 30 Prozent Schadholz. Heute sind 50 Prozent normal. Im vergangenen Jahr hatten wir 81 Prozent.

Die Holzpreis sind heuer deutlich gestiegen. In welchem Ausmaß können die Bundesforste daran profitieren?

Schöppl: Wir können nicht nur dann verkaufen, wenn die Preise steigen. Wir brauchen einen geregelten Holzabsatz. Wenn man hört, die Preise haben sich beim Fichte-Sägeholz um 50 Prozent erhöht, dann klingt das sehr gut. Man muss aber Bedenken, von welcher Ausgangsbasis wir reden. Wegen der hohen Schadholzmengen sind die Preise gesunken.

Freidhager: Im Vorjahr betrug der Durchschnittspreis pro Festmeter über alle Holzarten gerechnet ab Forststraße 57 Euro. 2014 waren es 79 Euro. Derzeit sind wir bei 65,79 Euro.

Wer hat dann aber von der Entwicklung am Holzmarkt am meisten profitiert?

Freidhager: Den Konflikt, den es zwischen Holzbau und Sägeindustrie gegeben hat, bezog sich auf das Schnittholz und nicht auf das Rundholz. Ein Teil der Schnittholzproduktion kommt nicht auf den Markt. Die großen Schnittholzproduzenten verarbeiten es selbst weiter. Das Ergebnis war eine Unterversorgung. Den Hype gab es beim Schnittholzpreis. Die vergangenen fünf Jahre gehören für die Sägewirtschaft zu den besten Jahren.

Schöppl: Niemand hat damit gerechnet, dass der Aufschwung vor allem in den USA so schnell kommt. Wir müssen das Schadholz aus dem Wald holen, auch wenn die Preise ganz unten sind, und können es nicht einfach liegen lassen. Der Forstschutz hat Vorrang.

Was passiert mit dem Schadholz, das die Bundesforste aus dem Wald holen müssen?

Freidhager: Der Anteil des Industrieholzes beträgt in Zeiten mit viel Schadholz ungefähr ein Drittel. Sonst ist es ein Fünftel. Aus Faserholz werden Zellstoff, Papier und Platten hergestellt. Es gibt nicht viele Kunden als Abnehmer für Schadholz. Die Hoffnung ist, dass die chemische Aufschließung von Holz wie etwa Biogas oder Biodiesel für zusätzliche Nachfrage sorgt. Sonst kommen wir beim Faserholz nicht wirklich weiter. Zumal ja auch in den Sägewerken Hackgut und Späne anfallen, die auch in die Zellstofffabriken gehen.

Schöppl: Wir jammern nicht. Das ist der Markt. Es gab von uns keine Rufe nach Regulierung. Zuerst wollten die einen ein Importverbot und dann die anderen ein Exportverbot. Das geht so nicht. Wir wollen keine Eingriffe. Neben dem Kerngeschäft haben wir neue Standbeine wie Immobilien oder Energie aufgebaut. Wir rechnen in diesem Geschäftsjahr mit einem besseren Ergebnis als im vergangenen Geschäftsjahr. Das Ergebnis war bisher immer positiv. Wir haben in den vergangenen Jahren Rekordinvestitionen durchgeführt.

Welche Baumarten werden angesichts des Klimawandels bei den Neupflanzungen der Bundesforste verwendet?

Freidhager: Früher wurden von den Bundesforsten pro Jahr acht bis 10 Millionen Jungbäume eingepflanzt. Davon waren neuneinhalb Millionen Fichten. Das waren die Zeiten der Kahlschlagwirtschaft. Heuer werden wir 1,4 Millionen Bäumchen versetzt. Der Anteil der Fichte beträgt weniger als 50 Prozent. Der Anteil an Lärchen, und Tannen ist deutlich gestiegen. Es gibt einen klaren Trend zur nachhaltigen Waldwirtschaft, die auf Naturverjüngung setzt.

Ist die Nachfrage nach Immobilien in Corona-Zeiten auch bei den Bundesforsten gestiegen?

Schöppl: Die Leute haben Sehnsucht nach der Natur und nach mehr Platz. Die Preise sind gestiegen. Wir profitieren indirekt, denn wir verkaufen nicht, sondern schließen Baurechtsverträge ab, die bis zu 99 Jahre laufen. Wir bauen auch selbst und vermieten. Unser größtes Projekt ist im Zentrum von Gablitz (Niederösterreich) gebaut. Im Jahr 2023 wollen wir den Spatenstich setzen.

Sie könnten mit dem Verkauf von Grundstücken derzeit sehr viel Geld verdienen. Die Nachfrage ist stark gestiegen.

Freidhager: Wir haben der Versuchung, an diesem Hype teilzunehmen, immer widerstanden.

Schöppl: Das Thema ist im Aufsichtsrat diskutiert worden. 99 Prozent unserer Flächen von insgesamt 850.000 Hektar bleiben frei von Versiegelung. Wir sind ein nachhaltiges Unternehmen.

Die Bundesforste investieren ja auch verstärkt in erneuerbare Energieträger.

Schöppl: Energie ist mittlerweile unserer drittwichtigstes Standbein. In der Biomasse sind wir mit dem Kraftwerk Wien Simmering schon länger erfolgreich. Wasserkraft und Windkraft sind stark gewachsen. Wir haben derzeit einen Windpark und acht Wasserkraftwerke und haben Ausbaupläne .

Gibt es auch neue Geschäftsideen der Bundesforste?

Freidhager: Einer unserer Förster hatte die Idee für eine transportable Jagdhütte. Für den Fall, wenn einer unserer Jagdkunden in ein anderes Revier wechselt. Wir haben einen Prototypen mit sieben Quadratmeter Nutzfläche und Sonnenenergie gebaut.

Schöppl: Zu unserer Überraschung gibt es für die Jagdhütte viele Anfrage. Manche kommen sogar aus Norddeutschland.

Rechtsform
Die Österreichischen Bundesforste sind eine Aktiengesellschaft im Besitz der Republik. Die Vorstände sind Georg Schöppl (links) und Rudolf Freidhager.

227Millionen Euro
betrug der Umsatz der Bundesforste im Geschäftsjahr 2020. Der Gewinn vor Steuern belief sich auf 17,3 Millionen Euro, obwohl das Holzgeschäft negativ war. Der durch den Klimawandel verursachte Schaden erreichte mit 48 Millionen Euro einen  Rekordwert.

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