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Wirtschaft
11/19/2020

Brisanter Namensstreit um die Austrian Limited

Die Regierung plant für Start-ups eine neue Gesellschaftsform, die so heißen könnte wie eine Plattform für regionale Produkte.

von Wolfgang Unterhuber

Wirtschafts- und Justizministerium planen derzeit eine neue Kapitalgesellschaft. Das Thema ist wegen der Krise brisant. Mit der neuen Kapitalgesellschaft will man die Gründung von sogenannten Start-ups erleichtern.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will die Limited lieber früher als später. Unterstützung erhält sie aus der Start-up-Szene. Billig, schnell und digital soll die Gründung der neuen Gesellschaft gehen. 

Die Führung des Themas liegt  bei Justizministerin Alma Zadic (Grüne). Dort wird „mit Hochdruck“ an der neuen Gesellschaft gearbeitet, so ein Sprecher zum KURIER.

 

Es gibt bereits eine „Austrian Limited“

Bislang hatte die neue Gesellschaftsform in der Start-up-Szene und Politik auch schon einen Projektnamen: „Austrian Limited“. Oder auch „Austria Limited“. Was offenbar übersehen wurde: Es gibt bereits eine „Austrian Limited“. Laut Firmenbuch in Form der „Austrian Limited E-Commerce GmbH“.

Dabei handelt es sich um eine digitale Produkt-, Werbe- und Verkaufsplattform für rund 250 österreichische Manufakturen und Betriebe.

Die Palette der namhaften Unternehmen reicht von R. Horn’s (Taschen, Wien) über Frauenschuh (Mode, Tirol) und Vulcano (Schinken, Steiermark) bis zur Winzer-Domäne Wachau. Gegründet wurde die Firma 2016.

Unternehmer stark verunsichert

Gründer und Chef Peter Syrch ist irritiert, dass die neue Gesellschaftsform für Start-ups so heißen könnte wie sein Unternehmen. „Dabei würde es keinen Unterschied machen, ob die Gesellschaft dann Austria oder Austrian Limited heißt.“

Den Wert seiner „Austrian Limited“ beziffert Syrch mit „mehreren Millionen“, was von externen Prüfern geprüft worden sei. Syrch betont, dass er nichts gegen eine neue Gesellschaftsform habe. „Aber die Verunsicherung bei den Unternehmen ist groß.“

Und einen finanziellen Schaden könne man auch schon ausmachen. Wer jetzt auf Google nach seiner „Austrian Limited“ sucht, findet nämlich viele Berichte über die neue Gesellschaftsform aber oft kaum noch seine Firma.

Anwälte angeheuert

Vorsichtshalber hat Syrch die Anwaltskanzlei Cabjolsky+Partner engagiert. Gegenüber seinen Anwälten erklärte eine Abteilungsleiterin aus dem Wirtschaftsministerium inzwischen schriftlich „dass die genaue Bezeichnung der geplanten, neuen Gesellschaftsform noch nicht endgültig feststeht“.

Und aus dem Justizministerium heißt es gegenüber dem KURIER, dass die Entwicklung der neuen Gesellschaftsform nun unter dem Titel „Neue Gesellschaftsform“ laufe. „Eine endgültige Bezeichnung steht noch nicht fest.“

Kein Gespräch

Ein Gespräch mit Peter Syrch haben die beiden Ministerinnen trotz dessen Anfrage bislang nicht geführt.  Syrch und seine Partner-Unternehmen fühlen sich im Unklaren gelassen.

Unklar ist auch noch, was die neue Gesellschaftsform für die Start-ups können wird. Notare und Rechtsanwälte sehen nämlich nicht wirklich einen Sinn dahinter (der KURIER berichtete mehrfach).

Denn billig, rasch und digital kann man mittlerweile auch eine GmbH gründen. Auch die von Start-ups geforderte rasche Übertragung der Gesellschafter-Anteile an mögliche Investoren ist bei einer GmbH etwa über den digitalen Notariatsakt längst möglich.

Patentrechtlich geschützt

Heuer wird es laut Justizministerium die neue Gesellschaftsform jedenfalls noch geben. Schließlich seien Begutachtungsverfahren einzuhalten. Bis dahin muss der Name für die neue Gesellschaftsform stehen.

Sollte die Start-up-Gesellschaft irgendwie so heißen wie sein Unternehmen, ist Syrch gerüstet.

Die Marke „Austrian Limited“ ist seit 14.10.2016 beim Österreichischen Patentamt unter der Registrierungsnummer 289928  geschützt. Die Domain www.austrian-limited.at ist ebenfalls geschützt.

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