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Nach dem Stresstest
10/27/2014

Börsianer erleichtert – Aufwind für Österreichs Großbanken

Aktien von Erste und RBI führten die Liste der Banken an. Italienische Krisenbank mit 20 Prozent Minus.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Die Spreu vom Weizen trennen: Gemessen an den Börsen-Reaktionen ist das der EZB gelungen. Nach dem Stresstest überwog zunächst die Erleichterung. Der Euro-Stoxx-Bankenindex startete mit 2,1 Prozent Plus in den Handel. Ein Signal, dass die Überprüfung ernst genommen wurde und das Vertrauen in Europas Bankensektor gesteigert hat. Im Laufe des Tages ging es mit den Wertpapieren jedoch wieder bergab: Das war der Sorge um die deutsche Konjunktur zuzuschreiben.

Besonders große Erleichterung ließen die Anleger bei den österreichischen Großbanken erkennen. Davon profitierte vor allem das Papier der Erste Group, der falsche Gerüchte in der Vorwoche sehr geschadet hatten: Die Aktie lag um 17.25 Uhr bei schwachem Umfeld rund 3,7 Prozent im Plus. Auch die Raiffeisen Bank International profitierte vom positiven Abschneiden im Test, die Aktie stieg um 1,8 Prozent.

Handel ausgesetzt

Heftig geprügelt wurden die "Durchfaller". Besonders an der Mailänder Börse ging es rund. Die Aktie des ältesten bestehenden Geldhauses, der Banca Monte dei Paschi di Siena, verlor bis zu 21 Prozent an Wert. Die Börse musste den Handel aussetzen und die Spekulation auf fallende Kurse (Leerverkäufe) verbieten. Die Banca Carige aus Genua lag 15 Prozent im Minus. In Athen ging es mit der National Bank of Greece (minus 9 Prozent) und Eurobank (minus 4 Prozent) bergab. Mit dem Stresstest wurde zwar ein Grundstein gelegt, dennoch ist nicht alles paletti. Experten sehen für Banken viele Herausforderungen:

Schwache Konjunktur Ohne Wachstum verdienen Banken auf Dauer kein Geld.

Zinstief Viele Sparer glauben, Banken verdienen sich eine goldene Nase, weil sie für Sparbuch und Konto praktisch keine Zinsen zahlen. Das Gegenteil ist der Fall: Bei Niedrigstzinsen stoßen traditionelle Geschäftsmodelle an ihre Grenzen, die Banken arbeiten kaum noch profitabel.

Kapitalbedarf Abgehakt ist das Thema noch immer nicht. Künftig gelten nämlich strengere Vorgaben ("Basel III"). Somit wird schrittweise bis 2022 Kapital wegfallen, das bisher eingerechnet werden durfte. Eine "Was wäre wenn"- Rechnung der EZB nahm das vorweg und ortete bei ÖVAG, Bawag/ PSK und RZB noch Kapitalbedarf. Stimmt nicht, heißt es bei Raiffeisen: Wären die Kapitalaufstockung von Anfang 2014 und der Konzernumbau berücksichtigt worden, wäre alles okay.

Kosten Filialenschließungen und Personalabbau kommen nicht von ungefähr. Die Banken wollen ihre Kosten reduzieren. Denn auch die Regulierung verursacht Aufwand: Bei RBI und RZB kamen allein für den Stresstest 18.000 Arbeitstage zustande.

In den Banken dreht sich das Personal-Karussell

Frauen sind in Führungspositionen bei Österreichs Banken stark unterrepräsentiert. Ab Jänner gibt es mit Claudia Höller im Vorstand der Erste Bank einen Neuzugang. Die 46-jährige gebürtige Tirolerin wird die Führung (bisher Thomas Uher und Peter Bosek) wegen der „zunehmenden regulatorischen Anforderungen“ ergänzen. Bosek wird zusätzlich in der Gruppe für Privatkunden zuständig. Uher wird als Vorstandsvorsitzender klare Nummer eins der Ersten in Österreich und gibt seine Agenden für Finanz- und Risikomanagement an Höller ab. Sie war seit Jänner 2010 Bereichsleiterin Group Strategy bzw. später auch für Group Controlling.

Nach Abschluss des Tourismuskollegs Innsbruck begann Höller in der CA, 1998 wechselte sie zur Ersten. Zunächst war sie im Team zur Einführung von Basel II und eines Risikomanagements, später Abteilungsleiterin bei der Integration der rumänischen Banca Comerciala. Nebenbei machte sie den Master of Business Administration. Höller gilt als Vertraute von Erste Group-Chef Andreas Treichl und wird als tough, aber sympathisch beschrieben.

Eine Personalrochade gibt es auch bei Raiffeisen: Martin Strobl, bisher als Risikomanager auch für die RZB zuständig, wird künftig nur noch im Vorstand der RBI sitzen. Diese muss nämlich künftig nach Vorgabe der Aufsicht als eigenes Institut dargestellt werden. Dafür darf sich die RZB im Gegenzug überschüssiges Kapital der RBI anrechnen lassen. Die Nachfolge Strobls bei der RZB ist offen. Für das Gesamtjahr hielt RBI-Chef Karl Sevelda am Ausblick von bis zu 500 Mio. Euro Verlust fest. Schuld sind hohe Risikovorsorgen in Ungarn und Ukraine sowie Abschreibungen in Polen.

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