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Börsen auf Rekordjagd – doch die Warnsignale mehren sich

Die Aktienkurse legten in den vergangenen Monaten vielfach zu. Doch Risiken wie der Irankrieg oder eine mögliche KI-Blase werden oft ausgeblendet.
FILE PHOTO: A Wall Street plate is seen on a street vendor stall outside the New York Stock Exchange (NYSE) in New York City

Nichts für schwache Nerven war das erste Halbjahr 2026 an den internationalen Börsen. Nach einem guten Jahresbeginn sorgte der Iran-Krieg für veritable Jahrestiefs im März. Doch seit dem geht es wieder steil nach oben bis hin zu Rekordständen. „Die Märkte haben schon lange vor den Friedensverhandlungen darauf spekuliert, dass sich US-Präsident Trump nicht in einen Feuersturm hineinziehen lassen würde“, sagt Christian Röhl, Chief Economist beim Broker Scalable Capital im KURIER-Gespräch. Sie sollten recht behalten.

Letztendlich handle es sich um eine Wiederaufführung des Stücks „TACO“, das für „Trump Always Chickens Out“ (zu Deutsch: „Trump macht immer einen Rückzieher“) steht und das bisher für viele Zollandrohungen gestanden sei. „Am Ende setzt er nur Nadelstiche, auch um den Aktienmarkt zu stützen, so Röhl. Dieses Mal auch in Hinblick auf die Midterm-Wahlen im Herbst.

Risiken

Nun würden die Märkte davon ausgehen, dass alles gut laufe. Aber es gebe Rückschlagsrisiken. Alle Konfliktparteien könnten zur Disruption neigen, ob Mullahs, Israelis oder die USA selbst, wie erst vor wenigen Tagen mit dem erneuten Beschuss von Schiffen und Gegenschlägen sich zeigte. „Und wir wissen immer noch nicht, ob die Straße von Hormus wirklich völlig offen ist“, sagt Röhl. „Lieferketten können sehr schnell reißen.“

Nichtsdestotrotz hätten sich die Märkte wieder ihrem Lieblingsthema, der Künstlichen Intelligenz, zugewandt. „Das KI-Narrativ ist viel breiter geworden“, so Röhl. Auch andere Branchen wie etwa Energie oder Bau würden nun davon profitieren. „Die Unternehmensgewinne haben sich allgemein gut entwickelt.“

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Die KI-Werte selbst hätten noch keinen wirklichen Stresstest erlebt. Der Halbleiterindex etwa habe alleine heuer schon weitere 72 Prozent zugelegt. Dabei wäre eine Korrektur gesund. In der Tat verlor der US-Techindex Nasdaq 100 knapp fünf Prozent. Ist das schon die Trendwende?

In der Börsengeschichte habe es immer ein Abebben eines Booms gegeben – „warum soll es bei KI anders sein“, so der Fachmann. Wann es so weit ist? „Das Ende eines Booms zu prognostizieren, kann nur schiefgehen“, warnt Röhl. „Es kann lange dauern.“ Ein mögliches Indiz, dass der Höhepunkt bald erreicht sei, könnte die aktuelle Anzahl an Megadeals sein. 

„Das war in den Jahren 2000 mit der Fusion von Vodafone und Mannesmann als Highlight so und 2007 mit den großen Börsegängen von Blackstone und Petrochina.“ Allerdings, 2014 mit dem Börsegang von Alibaba als Höhepunkt oder 2019 mit Saudi Aramco sei danach kein Crash erfolgt.

Begrenzte Macht

Bezüglich KI kämen noch weitere Risiken für Anleger dazu: So habe sich ein KI-Ökosystem entwickelt. Das heißt, es würden zunehmend Kreislaufgeschäfte innerhalb der Branche getätigt. Das birgt die Gefahr einer künstlichen Aufblähung der Branche. Und, so warnt Röhl weiters, könnten Investoren irgendwann auch Dividenden sehen wollen. Bleiben diese aus, wären Kursstürze vorprogrammiert.

Die für Herbst prognostizierte Anhebung der Leitzinsen wiederum wäre ebenfalls eine „Bewährungsprobe“. Zwar sei diese in den Kursen bereits eingepreist, aber mit dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh kündige sich generell eine Zeitenwende an. Das zeige seine Aussage „Die Inflation ist seit Jahren nicht unter Kontrolle“. Angesichts ähnlich hoher Zahlen wie in Europa und einer allmählich überhitzten US-Wirtschaft könnte das Zinsrad öfters nach oben gedreht werden, als es Anlegern lieb ist.y

Zudem hätten Investoren bei den großen Technologiewerten nur begrenzte Macht. „Nur wenige Menschen entscheiden in den Konzernen“ und nennt als Beispiele Elon Musk (SpaceX), Mark Zuckerberg (Meta) oder Larry Paige (Alphabet). Sie würden weiterhin über die Stimmenmehrheit verfügen. 

Und das jüngste Warnsignal: Die mögliche Verschiebung des Börsegang des ChatGPT-Entwicklers Open AI. 

Röhl folgert aus all dem, nicht nur Tech- oder US-Werte zu kaufen. Märkte, die günstiger seien, wie etwa Europa oder Lateinamerika, seien eine interessante Beimischung. Oder man setzt stärker auf qualitativ hochwertige Dividendentitel.

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