Wirtschaft
13.06.2017

15 Hektar Äcker werden jeden Tag verbaut

Bodenversiegelung in Österreich: Experten warnen vor sorglosem Umgang mit unserer Umwelt.

In den vergangenen zehn Jahren wurden in Österreich jeden Tag durchschnittlich 20 Hektar Äcker und Wiesen, verbaut, das entspricht etwa 30 Fußballfelder. Heute sind es knapp 15 Hektar bzw. 24 Fußballfelder. Doch das ist immer noch zu viel.

Hält diese negative Entwicklung weiter an, stehen in 200 Jahren keine unverbauten, für andere Zwecke nutzbaren Agrarböden mehr zur Verfügung, warnen Experten. Die Konsequenzen wären laut Kurt Weinberger von der Österreichischen Hagelversicherung dramatisch. Nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln wäre gefährdet, sondern auch rund 500.000 Arbeitsplätze in der "agrarischen Wertschöpfungskette".

"Damit stünde jedenfalls die Zukunft nachfolgender Generationen, sprich unserer Kinder zur Disposition", heißt es in einem gemeinsamen Appell des Umweltbundesamt, der Statistik Austria, der Hagelversicherung und der Salzburger Umwelt-Landesrätin Astrid Rössler.

Dabei liegen in Österreich sogar 40.000 Hektar an Industrieflächen brach, das entspricht der Größe der Bundeshauptstadt Wien. Diese Flächen sollten durch finanzielle Anreize wieder einer Nutzung zugeführt werden.

Lebensstandard

"Seit dem Jahr 2001 nahm die verbaute Fläche um 24 Prozent zu", sagt Österreichs oberster Statistiker Konrad Pesendorfer. "Ein folgenschweres Umweltproblem ist dabei die fortschreitende Bodenversiegelung, sprich die Abdeckung des Bodens durch wasserundurchlässige Schichten wie Asphalt." Die zunehmende Beanspruchung von Flächen sei ein Zeichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels. So führt der höhere Lebensstandard auch zu einer Steigerung der Wohnnutzfläche pro Kopf – von 86,3 auf 99,3 Quadratmeter.

Indes bilden Äcker und Wiesen eine ganz wichtige Lebensgrundlage. "Wir müssen mit unseren Böden sorgsamer umgehen. Nachhaltiges Flächenmanagement ist für die Erhaltung der Bodenleistung unerlässlich", sagt Karl Kienzl vom Umweltbundesamt. Durch die Verbauung gehen wichtige Funktionen des Bodens verloren. So speichern Äcker und Wiesen Wasser und Kohlendioxid. Kienzl: "Der Wegfall der Versickerungsflächen erhöht die Hochwassergefahr."