Wirtschaft
24.02.2018

Bitcoins: Wenn Freunde und Bekannte die Abzocker sind

Bitclub Network, OneCoin, Cryp Trade Capital (CTC), Lions Trade Capital (LTC) oder Optioment - auch ein Steuerberater ging in die Falle.

Bitclub Network, OneCoin, Cryp Trade Capital (CTC), Lions Trade Capital (LTC) oder Optioment – auf der Suche nach alternativen Veranlagungsmöglichkeiten sind viele Österreicher gewieften Geschäftemachern auf den Leim gegangen, die mit hypermodernen Investments in Bitcoins und anderen "Kryptowährungen" das Blaue vom Himmel und Gewinne ohne Ende versprachen. So erging es einem Steuerberater, der im April 2017 von einem Freund, der eine Kfz-Werkstätte betreibt, auf Cryp Trade Capital und Optioment aufmerksam gemacht wurde.

Zwei Prozent Zinsen pro Woche klangen mehr als verlockend. "Er sagte, ich soll mitmachen. Ich probierte es aus und sah, dass man damit Geld machen kann", sagt der Steuerberater zum KURIER. "Das habe ich dann auch in einer Information meinen Klienten mitgeteilt." 25.000 Euro butterte er in die scheinbar erfolgversprechende Bitcoin-Systeme Cryp Trade Capital und Optioment. "Die ganze Wirtschaft basiert auf Vertrauen und ich habe einem Freund, den ich mehr als 20 Jahre kenne, vertraut", sagt der Steuerexperte. "Er hat mir das System plausibel erklären können." Ein teurer Irrtum.

Schwerer Fehler

Im vergangenen Oktober hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) nicht nur Lions Trade Capital, sondern auch Cryp Trade Capital die weitere Tätigkeit untersagt, weil sie unerlaubt Einlagengeschäfte betrieben. Es fehlte die Bankkonzession. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat die Rückabwicklung der Geschäfte angeordnet. "Eine Rückzahlung hat nicht stattgefunden", sagt der Steuerberater. Und Optioment hat sich als mutmaßliches Betrugskonstrukt entpuppt. Das Geld des Steuerberaters ist futsch, genauso wie das vieler anderer Betroffener. Die tollen Zinsgewinne gab nämlich nur auf dem Papier.

Sammelklage-Aktion

Er hat nun seinen Wiener Anwalt Wolfgang Haslinger von der Kanzlei Neumayer Walter & Haslinger beauftragt, Strafanzeige zu erstatten. Haslinger vertritt mehrere geschädigte "Anleger" und plant eine Sammelklage-Aktion. Er will prüfen, ob ein Behördenversagen vorliegt. "Es stellt sich dabei die Frage, ob nicht ein konzessionspflichtiges Wertpapiergeschäft vorliegt", sagt Haslinger. "Wenn es eine Wertpapier-Dienstleistung ist, ist die FMA zuständig." Diese hat vor den genannten Bitcoin-Abzockern nicht nur gewarnt, sondern zum Teil auch Anzeigen erstattet.

Aktuelle Überprüfung

Indessen prüft die FMA derzeit, ob die Wiener Firma xtbrocket.com, die Bitcoin-Mining-Pakete verkauft, ein ‘unerlaubtes Geschäft’ betreibt. Aber das ist eine andere Geschichte.