Billa stoppt Hauszustellung: Welche Mitbewerber die Lücke füllen
„Schuster, bleib bei deinem Leisten“ - ein Sprichwort, das sich nun auch Billa zu Herzen nimmt. Als letzte große heimische Supermarktkette zieht sich das Unternehmen aus dem Geschäft mit Lebensmittelzustellungen zurück.
Bereits Ende 2024 hatte die Rewe-Tochter nach neun Jahren die Zustellung außerhalb des Großraumes Wien aus wirtschaftlichen Gründen beendet. Auch Mitbewerber Spar stellte die Hauszustellung im Vorjahr komplett ein. Die Tiroler Supermarktkette MPreis und der oberösterreichische Nahversorger Unimarkt haben sich 2024 aus dem Online-Geschäft zurückgezogen.
"Ein blödes Zeichen für den Markt"
Als im Herbst auch Billa das Aus für die Hauszustellung verkündete, ging erst ein Raunen durch die Branche. „Ein blödes Zeichen für den Markt", nannte die Sprecherin des Online-Lebensmittelhändlers Gurkerl den Rückzug der Supermarktkette damals.
Doch die Sorge scheint bisher unbegründet, denn das Unternehmen, das zur tschechischen Rohlik-Gruppe gehört, verzeichnet seit Wochen eine „deutliche zusätzliche Nachfrage“, heißt es. Um noch mehr Kunden anzusprechen, setzt das Unternehmen seit Kurzem verstärkt auf günstige Eigenmarken und einen eigenen KI-Chatbot, der beim Einkauf helfen soll.
Auch beim Mitbewerber Alfies nahmen das Bestellaufkommen in den vergangenen Wochen deutlich zu. Das Wiener Unternehmen verzeichnete im Vorjahr einen Umsatz von 33 Millionen Euro und damit ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich.
Für heuer kündigte der Händler, der auch in der Schweiz tätig ist, eine Ausweitung des Liefergebiets auf größere Teile Niederösterreichs und der Steiermark an. Vor allem durch den Rückzug von Billa erwartet Mitbegründer und Geschäftsführer Gunther Michl nun, „dass die Bestellungen mit Ende Jänner noch einmal mehr werden“.
Gunther Michl, Alfies-Mitbegründer und Geschäftsführer
Bestellungen bei Billa waren schon seit Wochen nicht mehr möglich
Laut Billa-Ankündigung sollte die Hauszustellung mit 31. Jänner enden und die Lieferoption dann auf der Website deaktiviert werden. Tatsächlich war es bei der Supermarktkette schon Wochen vor dem angekündigten Ende vielerorts keine Vorbestellung von Lebensmitteln mehr möglich. Billa teilt mit, dass bereits alle verfügbaren Zeitfenster vollständig ausgebucht waren und kurz vor Schluss "keine weiteren Lieferkapazitäten aufgeschaltet" wurden.
Kunden, die Lebensmittel vorbestellen oder etwa ihre gesammelten Jö-Punkte digital einlösen wollen, werden seither auf die Möglichkeit des Click-and-Collect verwiesen. Dabei werden Lebensmittel zuerst im Onlineshop ausgewählt und die Bestellung dann innerhalb eines festgelegten Zeitfensters im Supermarkt abgeholt. Diese Möglichkeit bleibt weiterhin bestehen.
Für die rund 250 Mitarbeiter der hauseigenen Lagerstandorte für die Lebensmittellieferung in Wien solle es Billa zufolge konkrete Jobangebote innerhalb des Unternehmens und Unterstützung beim Jobwechsel geben.
Hintergrund, warum sich die Hauszustellung für die Supermarktketten kaum rentiert, ist häufig die teure Lieferinfrastruktur. Hofer lagert diese etwa aus. Die Diskonter-Kette setzt auf den Dienstleister Roksh, dessen Mitarbeiter Bestellungen als persönliche Einkäufer einsammeln und zustellen.
Der Diskonter Penny setzt etwa auf die Lieferinfrastruktur des Essens-Lieferservice Foodora.
Rewe setzt auf den Essens-Lieferdienst Foodora
Auch die Rewe-Ketten bieten künftig nur noch die „Sofortlieferungen“ durch den Lieferdienst Foodora. Man sei dabei "sehr zufrieden mit dem Bestellaufkommen", teilt Rewe mit.
Für den Essenszusteller Foodora Österreich stellen die Lebensmittellieferungen einen „strategischen Schwerpunkt“ dar, sagt Quick-Commerce-Leiter Dragan Milovanovic. Aus diesem Grund würde man auch laufend versuchen, Angebot und Liefergebiete zu erweitern.
So stellt das Unternehmen etwa seit Kurzem Lebensmittel des Diskonters Penny auch jenseits von Großstädten zu. Zum bestehenden Liefergebiet hinzu kamen etwa Leoben, Kapfenberg, Parndorf oder Korneuburg. Damit beliefere Foodora rund sechs Prozent der Gesamtfläche Österreichs, sagt Alexander Gaied, Chef von Foodora Österreich.
Und auch die Auswahl an Produkten wurde in den vergangenen Monaten erweitert, zuletzt etwa durch eine Partnerschaft mit dem Delikatessenhändler Wein & Co in den Städten Wien, Graz, Linz und Bregenz.
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