Sand, Drohnen und große Pläne: Österreichs Unternehmen in Saudi-Arabien
Achmed blickt besorgt, die Stadt am Horizont versinkt langsam unter einer gigantischen Staubglocke.
Wie bei sehr dichtem Nebel, aber nicht weiß bis hellgrau, sondern immer dunkler, fast schwarz verfärbt sich der Himmel. Die Hochhäuser in der Ferne sind kaum noch zu erkennen. Ist das Smog über der Skyline von Riad?
Der Fahrer des Mini-Vans, der uns vom Flughafen ins Zentrum der saudischen Hauptstadt bringt, klärt uns auf: ein Sandsturm zieht auf. Soeben haben die Behörden die eindringliche Warnung heraus gegeben.
Doch wir haben Glück. Nach einem langen Stau aufgrund der unzähligen Baustellen rund um die Acht-Millionen-Stadt kommen wir wohlbehalten an. Der Sturm hat abgedreht, alle atmen auf.
Der Sand, auch ohne die lebensbedrohlichen Stürme in dem trockenen Wüstenklima, ist ein alltägliches Ärgernis in Saudi Arabien. Er greift den Lack der Autos an, er dringt in Wohnungen und Häuser ein, Fenster und Türen sind oft doppelt gedichtet. Auch die Maschinen in den Betrieben müssen geschützt werden, der Sand ist einfach überall.
Hanna Gansch möchte daraus ein Geschäft machen.
Sie hat ursprünglich mit einem Partner aus einer Schneefräse eine Multifunktionsfräse für Anwendungen etwa auch in der Landwirtschaft entwickelt, doch nach dem plötzlichen Tod ihres Geschäftspartners musste sie das Projekt 2024 aufgeben.
Vorbild Terminator
Jetzt will Gansch unter dem Namen „Fräsinator“ in Saudi Arabien neu durchstarten, wie sie dem KURIER erzählt. „Wenn bei uns in Österreich jemand groß rauskommt, sagen wir ja auch Herminator oder Terminator, so sind wir auf Fräsinator gekommen. Das gefällt den Saudis“, schmunzelt Gansch.
Sie hat die ursprüngliche Schneefräse in eine wesentlich robustere Sandfräse umgebaut. Das Gerät wäre nun zum Stückpreis von 60.000 Euro einsatzbereit für den Kampf gegen Sandverwehungen etwa auf Autobahnen.
Dafür sucht Gansch in Riad einen strategischen Partner und ist auch im Gespräch mit dem saudischen Transportministerium.
Bisher hat freilich noch kein Investor so richtig angebissen, dabei müsste ein Fräsinator im Wüstenstaat doch ein Selbstläufer sein. Gansch sagt: „Am Geld dürfte es hier wirklich nicht scheitern, glaubt man. Aber die Saudis kommen gerne mit dem Argument, die Chinesen könnten alles um den halben Preis. Daher ziehen sich die Gespräche in die Länge“, schildert die junge Unternehmerin aus dem niederösterreichischen Pielachtal. Sie ist wie andere Unternehmer Teil der mehrtägigen Wirtschaftsmission von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in der Golf-Region.
Aus Innsbruck mit dabei ist Alexander Lena. Bei ihm geht es um ein gänzlich anderes Geschäft, nämlich um Drohnen. Aber nicht um die Fluggeräte für den Kampfeinsatz, sondern um Renndrohnen für die global aufgestellte „Drone Champions League“, kurz DCL, die ihm und zwei Partnern aus Tirol gehört und die er nun auch in Saudi Arabien etabliert.
Türöffner
Als Türöffnerin geholfen hat ihm dabei Ex-VP-Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, die seit 2023 in Riad für den staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco und als Beraterin tätig ist, um Unternehmen beim Markteintritt zu unterstützen.
Teams aus aller Welt treten bei den Rennen gegeneinander an. „Japaner, Franzosen und Amerikaner sind die besten Piloten“, erzählt Lena. Er vermarktet die Rennen, er produziert die Renndrohnen, verkauft die fürs Training nötigen Simulatoren und hatte 2025 bereits 307 Millionen Zuschauer („unique views“) bei Drohnenrennen in den sozialen Medien von Youtube bis Instagram.
Der neueste Schlager im Drohnen-Rennsport heißt „AI versus Human“. Dabei treten – wie der Name schon sagt – KI-gelenkte Drohnen gegen von Menschen gesteuerte Fluggeräte an. „Noch gewinnen die menschlichen Piloten. Das wird noch fünf bis sechs Jahre dauern, dann hat uns die KI“, sagt Lena.
An der Universität in Riad entsteht nun in Kooperation mit der DCL ein spezieller „Innovationshub“, wo das Bauen, Programmieren und Fliegen von Drohnen gelehrt und gelernt wird. Die ersten 60 saudischen Piloten und Pilotinnen werden ausgebildet. Ob daraus in Wahrheit eine militärische Anwendung werden soll? Lena: „Damit haben wir nichts zu tun. Wir bleiben fix im Rennsport.“
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