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Wirtschaft
02/14/2020

Bieterschlacht um ThyssenKrupp: Stahlharte Bandagen im Aufzug

Konkurrent Kone greift nach ThyssenKrupp. Eine Fusion würde den Wettbewerb in der überschaubaren Aufzugsbranche weiter schmälern.

von Anita Staudacher

Ende des Monats fällt eine Entscheidung von großer Tragweite in einer sehr überschaubaren Branche: Wer übernimmt die Aufzugssparte von ThyssenKrupp? Deutschlands größter Stahlkonzern steckt tief in der Krise und braucht dringend Geld. Die profitable Aufzugssparte mit 53.000 Mitarbeitern und einem Firmenwert von 15 Milliarden Euro gilt als Filetstück im Konzern und soll entweder verkauft oder an die Börse gebracht werden. Letzteres gilt als unwahrscheinlich, zumal im Hintergrund längst eine aggressive Bieterschlacht geführt wird.

Die Angebotsfrist läuft diese Woche ab. Interessenten gibt es zuhauf, doch just der finnische Hauptkonkurrent stach zuletzt mit seinem Angebot alle aus: Kone legte laut Bloomberg eine unverbindliche Offerte über 17 Milliarden Euro auf den Tisch und übertrumpfte damit die übrigen drei Bieterkonsortien aus Finanzinvestoren, die zwischen 15 und 16 Milliarden Euro bieten sollen. Mit Kone im Boot sitzt die Beteiligungsfirma CVC.

Die beiden anderen Branchengrößen Otis und Schindler sind aufgeschreckt. Durch eine Fusion der Aufzugsgeschäfte von ThyssenKrupp und Kone könnte der zum US-Konzern United Technologies gehörende Weltmarktführer Otis von der Spitze verdrängt werden. Zumindest in einigen Regionen.

Klagsdrohung

Der Schweizer Schindler-Konzern kündigt daher bereits an, Kone im Falle einer ThyssenKrupp-Übernahme mit Kartellklagen überziehen zu wollen. "Otis ist seit rund 100 Jahren die Nummer Eins. Wir sind seit über 30 Jahren die Nummer Zwei", sagt Mehrheitseigentümer Alfred Schindler. "Man darf ruhig davon ausgehen, dass weder Otis noch Schindler sich damit abfinden, verdrängt zu werden." Ein Zusammenschluss wäre zu groß, "da können wir kein Auge zudrücken". Schindler selbst winkte als Kaufinteressent schon frühzeitig ab. Eine Fusion würde "gigantische Schwierigkeiten in der gesamten Wertschöpfungskette verursachen".

Eine Fusion zwischen Kone und ThyssenKrupp würde sicher auf kartellrechtliche Hürden stoßen, glaubt auch Raoul Hoffer, Wettbewerbs- und Kartellrechtsexperte bei der Kanzlei Binder Grösswang. "Ich gehe davon aus, dass die EU-Kommission eine Übernahme prüfen wird, was den Zusammenschluss um einiges verzögern könnte." Das Argument, einen europäischen Gegenpol zu einem US-Riesen bilden zu wollen, lässt er nicht gelten. "Alle Unternehmen, auch Otis, sind ohnedies entsprechend in Europa mit Niederlassungen und einem Vertriebsnetz präsent."

Oligopol

Auch in Österreich kämen die "großen Vier" auf einen geschätzten Marktanteil von rund 80 Prozent. Bei einem gemeinsamen Marktanteil ab dieser Höhe spricht man im Kartellrecht von Oligopol.

Wegen Preisabsprachen verurteilte die EU Thyssenkrupp, Otis, Kone und Schindler 2007 zu einer Strafe von 992 Mio. Euro. Aus dem "Aufzugskartell" sind immer noch Schadenersatzforderungen anhängig. Erst im Dezember bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Klage der Stadt Linz. Jetzt muss der OGH in Wien die Sache endgültig klären.