Wirtschaft
05.12.2011

Bieter-Wettkampf um VBI zeichnet sich ab

Volksbank International: Neben der russischen Sberbank zeigt auch die ungarische OTP Interesse. Möglicherweise will sie nur die Rumänien-Tochter.

Wird die Sberbank noch knapp vor der Ziellinie ausgebremst? Oder wird es gar zwei Käufer geben? Einiges deutet darauf hin, dass der Kauf der Volksbank International (VBI) für Chef Herman Gref noch nicht in trockenen Tüchern ist. Erst am Mittwoch verkündete er, die Kaufverhandlungen bis Ende Juli abschließen zu wollen. Doch nur einen Tag später signalisierte auch OTP-Chef Sandor Csanyi Interesse: "Die VBI ist auch deshalb interessant, weil sie genau in jenen Regionen präsent ist, in die OTP expandieren will."

Dies sind vor allem Serbien, die Slowakei und Rumänien. Insbesondere in Rumänien ist die OTP dünn aufgestellt. Mittlerweile seit sieben Jahren am Markt, hält sie nur bei einem bescheidenen Marktanteil von 1,2 Prozent. Die VBI wiederum ist in Rumänien stark vertreten. Mit rund 185 Filialen und mehr als 250.000 Kunden ist sie die drittgrößte Bank des Landes. Allerdings läuft es in Rumänien für die VBI alles andere als rund. Hohe Wertberichtigungen für faule Kredite führten alleine im Vorjahr zu einem Verlust von 36 Millionen Euro. Die Sberbank, die derzeit außerhalb Russlands nur in Kasachstan, der Ukraine und Weißrussland Töchter besitzt, will die VBI exklusive des Rumänien-Ablegers.

Dieser könnte aber durchaus für die OTP eine Option sein. "Ein Extra-Verkauf an die OTP ist gut möglich", bestätigt RCB-Analyst Stefan Maxian. Passend dazu wäre auch, dass sich die Ungarn laut Medienberichten nicht auf einen Bieterkampf einlassen wollen. Finanzkreisen zufolge ist die OTP aber noch nicht bei der VBI-Mutter ÖVAG in Wien vorstellig geworden.

Preis

Den Kaufpreis von rund 400 Millionen Euro für das Rumänien-Geschäft wäre seiner Meinung nach für die OTP kein Problem. "Sie ist sehr stark kapitalisiert." Der Gewinn der größten ungarischen Bank betrug im Vorjahr 450 Millionen Euro, die Kernkapitalquote 14,8 Prozent.

Die OTP ist in neun Ländern tätig und betreut in über 1500 Filialen an die zwölf Millionen Kunden. Die 1949 gegründete Bank wurde 1995 mit dem Gang an die Budapester Börse privatisiert. Der Staat hält nur noch eine "goldene" Aktie, die besondere Rechte verleiht.
Auch die OTP wurde von der Krise nicht verschont. Sie musste im Vorjahr Risikovorsorgen in Rekordhöhe und massive Abschreibungen auf die Tochter in Montenegro vornehmen. Zudem wird sie von der ungarischen Bankensteuer belastet.

Für die Sberbank wäre der Kaufpreis für die VBI von etwas mehr als 750 Millionen Euro (exklusive Rumänien) ebenfalls kein Problem. Alleine im ersten Quartal 2011 erzielte das größte russische Institut, an dem der Staat noch 60 Prozent hält, 2,16 Milliarden Euro Gewinn.