Wirtschaft
17.08.2017

Betriebsratschef von Niki: "Wir hängen in dem ganzen Schlamassel drinnen"

Eine gefährliche Abhängigkeit: Nur solange die insolvente Air Berlin Zahlungen an ihre Österreich-Tochter leistet, kann Niki weiter abheben.

Die 850 Mitarbeiter der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki sind schon länger Turbulenzen gewohnt – jetzt geht es aber ans Eingemachte. Der Ferienflieger mit österreichischer Lizenz ist zwar selbst nicht insolvent, aber operativ von der maroden Mutter abhängig. "Wir hängen jetzt in dem ganzen Schlamassel drinnen", sagt Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits zum KURIER. "Es werden viele Services von Air Berlin abgewickelt, die Buchungen sind eines davon." Das heißt aber auch: Nur solange Air Berlin Zahlungen an ihre Österreich-Tochter leistet, kann Niki weiter abheben.

Dabei sollte die kleine Airline (22 Flugzeuge) längst vom Luftfahrtkonzern Etihad aus Abu Dhabi, dem größten Einzelaktionär von Air Berlin, herausgekauft werden. So zahlten die Araber zu Jahresbeginn 300 Millionen Euro an die Berliner, um 49,8 Prozent der Niki-Anteile zu übernehmen. Angeblich wollten die Araber Niki ganz schlucken. Doch der Deal wurde nicht auf den Boden gebracht. Etihad hat offenbar die Reißleine gezogen, nachdem ein Gemeinschaftsprojekt in Sachen Billigflieger mit dem TUI-Konzern geplatzt war.

"Die Übernahme ist nicht vollzogen worden. Wir sind nach wie vor Teil von Air Berlin", bestätigt Tankovits im Gespräch mit dem KURIER. "Etihad hat sich bei Air Berlin zurückgezogen und ich gehe davon aus, dass das auch bei Niki passieren wird. Ich glaube nicht, dass Etihad weiter interessiert ist." Nachsatz: "Wir haben uns gefragt, welches Interesse Etihad an einer Touristik-Fluglinie wie Niki hat."

Rettung der Arbeitsplätze?

Jetzt hofft die Belegschaft, dass Niki als (noch) lebendiges Unternehmen an einen Mitbewerber wie Eurowings oder Easyjet verkauft wird. "Es muss mit Niki irgendwie weitergehen. Unser oberstes Ziel ist die Erhaltung der Arbeitsplätze", sagt der Personalvertreter. "Daher ist für uns die Erhaltung der Flottenstärke ganz wichtig, die Verkehrsrechte, die Slots, sind eher sekundär." Er hofft auch, dass der Flughafen Wien wieder das Drehkreuz für Niki wird. Air Berlin hat 17 der 22 Niki-Flugzeuge von Wien abgezogen.