Die Produktion der Mercedes-Benz-G-Klasse läuft in Graz rund. Bei anderen Aufträgen ist Sand ins Getriebe gekommen.

© APA/INGRID KORNBERGER

Wirtschaft
11/11/2019

Bei Magna Steyr in Graz droht der Abbau von 1.800 Jobs

Im steirischen Werk dürften schon bald alle Leiharbeiter gehen müssen. Verkündet werden soll dies erst nach den Landtagswahlen Ende November.

von Kid Möchel, Robert Kleedorfer

Die Krise in der Automobilbranche kommt nun nach und nach direkt bei den Unternehmen an. Und es trifft auch durchaus prominente Namen. Nach Bosch und Continental in Deutschland ist bald Magna an der Reihe. Laut einem Insider plant der austro-kanadische Konzern die Streichung von 1.800 Mitarbeitern am Standort Graz. Damit daraus keine politischen Wellen im Vorfeld der steirischen Landtagswahlen am 23. November entstehen, sei geplant, diese Maßnahme erst danach in die Tat umzusetzen, sagt der Insider im Gespräch mit dem KURIER.

Dass etwas im Busch ist, kann kaum noch geleugnet werden. Schon Mitte September berichtete die Kronen Zeitung über einen Abbau von 700 Mitarbeitern. Magna wollte dies damals nicht kommentieren, ebenso wie jetzt. „Zur Zeit kursieren viele Spekulationen und Gerüchte am Markt, die wir nicht kommentieren“, lautet die knappe Stellungnahme eines Sprechers. Dementiert wurde die Anfrage nicht. Der Betriebsrat verweist auf die Geschäftsführung.

Ende Oktober, also vor knapp zwei Wochen, gab Magna-Europa-Chef Günther Apfalter immerhin einen kleinen Einblick in die aktuelle Situation. Ein Abbau von Leiharbeitern, so Apfalter gegenüber dem ORF, sei derzeit bereits im Gang. Im September lag der Mitarbeiterstand in Graz noch bei 10.000, in der ganzen Steiermark bei 16.000. Wie viele davon Leiharbeiter sind, gibt Magna traditionell nicht preis. Es ist aber durchaus denkbar, dass mit Umsetzung des Personalpakets sämtliche Leiharbeiter abgebaut werden. Gut möglich, dass zudem ein kleiner Teil der Stammbelegschaft Opfer der aktuellen Lage in der Branche wird.

Anstieg flacht sich ab

Bei der Fahrzeug-Komplettfertigung in Graz lief es für den Konzern heuer bis dato nicht schlecht. Die Gesamtzahl von 124.500 produzierten Autos in den ersten drei Quartalen des Jahres lag um 15 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Zuletzt, im dritten Quartal, betrug der Anstieg im Jahresvergleich aber nur noch 6 Prozent auf 35.600 Stück. In den neun Monaten legten die Grazer Umsätze von 4,33 auf 5,25 Milliarden Dollar (4,74 Mrd. Euro) zu. Im Gesamtjahr sollen es 6,6 bis 6,8 Mrd. Dollar sein. Im August ging man noch von 6,8 bis 7,2 Mrd. Dollar aus.

Vor allem die Produktion des 5er-BMW lahmt. Heuer sollen um 25.000 Stück weniger vom Band laufen. Auch beim Jaguar E-Pace sind die Montagemengen rückläufig.

Verlustzone

Gestiegen ist die Zahl an Komplettfahrzeugen heuer durch das Anfang 2018 gestartete Jaguar-I-Pace-Programm, das seit dem Schlussquartal 2018 laufende BMW-Z4-Programm, das seit Frühjahr 2018 bestehende Mercedes-Benz-G-Klasse-Programm und das Anfang 2019 initiierte Toyota-Supra-Programm.

Der gesamte Magna-Konzern erzielte heuer wie im zweiten auch im dritten Quartal etwas weniger Verkaufserlöse und ein geringeres operatives Ergebnis und rutschte unterm Strich im dritten Quartal sogar in die Verlustzone. Das Nettoergebnis lag von Juli bis September mit 233 Millionen Dollar im Minus, nach 554 Mio. Dollar Nettogewinn ein Jahr davor. In den ersten neun Monaten zusammen erzielte Magna 1,33 Milliarden Dollar Nettogewinn nach 1,84 Mrd. Dollar im Vorjahresvergleich.

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