Wirtschaft
04.04.2017

Bedrohlich: Globale Schulden 202.000.000.000.000 Euro

Schuldenberg ist seit 2006 um 50 Prozent gestiegen. Zinsanstieg stellt Schwellenländer vor Probleme.

Der Weltbankenverband IIF sieht "wachsenden Grund zur Sorge". Ein kräftiger Anstieg der Schulden (noch dazu vor allem in Fremdwährungen) in den Schwellenländern, der starke Dollar und die weltweit allmählich steigenden Zinsen sind eine gefährliche Mischung. Von den Auswirkungen können österreichische Häuslbauer, die sich in Schweizer Franken verschuldet hatten, ein Lied singen: Der Schuldenberg wird ohne Zutun immer höher, das Bedienen der Zinsen schwieriger.

Global ist die Verschuldung im abgelaufenen Jahr abermals gestiegen, zeigen die IIF-Zahlen. Konkret: 2016 sind die weltweiten Schulden um 7600 Milliarden auf 215.000 Milliarden Dollar gestiegen (202 Billionen Euro). Das entspricht 325 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Besonders in den Schwellenländern habe es einen "spektakulären Anstieg" auf nunmehr 55 Billionen Dollar gegeben, weil vor allem Unternehmen außerhalb der Finanzbranche die noch niedrigen Zinsen nutzten, um Kredite aufzunehmen.

Seit 2006 haben die aufstrebenden Staaten somit ganze 39 Billionen angehäuft. "Höhere Zinsen und der starke US-Dollar bedeuten für viele Länder Gegenwind", kommentieren die IIF-Experten ihre Befürchtungen.

Sorgenfaktor Fremdwährung

Zwar gewinnen Kredite in lokaler Währung in diesen Ländern an Bedeutung, weil die Kapitalmärkte zusehends professioneller werden. Allerdings ist ein Grund zur Sorge, dass immer noch knapp die Hälfte der Schulden der Schwellenländer in Fremdwährungen, vor allem US-Dollar, aufgenommen wird. Dadurch machen sich diese Staaten von Währungs- und Zinsrisiken abhängig. Was in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Finanzkrisen geführt hat.

Besonders stark angewachsen sind diese Fremdschulden seit Sommer 2014 in Argentinien (das nach seiner Pleite aber erstmals nach eineinhalb Jahrzehnten wieder die Finanzmärkte anzapfen konnte), Kolumbien, Mexiko sowie Türkei und Südafrika. Die beiden letztgenannten sind schwergewichtige Volkswirtschaften, die ökonomisch und politisch ohnehin schon turbulente Zeiten durchleben.

In Ungarn gab es den stärksten Rückgang - das hängt mit der Umschuldung von Fremdwährungskrediten zusammen, die österreichische Banken vor der Krise in Osteuropa üppig vergeben hatten.

Abtausch Banken-Staat

In den Industriestaaten war der Zuwachs seit der Krise hingegen vor allem durch die steigenden Staatsschulden getrieben - die allerdings einen Teil der Verbindlichkeiten aus dem Finanzsektor schultern mussten, wie die langfristige Entwicklung zeigt.

In den USA und Großbritannien hat sich die Staatsschuld seit 2006 mehr als verdoppelt. In den westeuropäischen Ländern und Japan sei diese um etwa 50 Prozent gestiegen. In Österreich machten die Staatsschulden laut jüngsten Angaben der Statistik Austria 296 Milliarden Euro aus.

Im abgelaufenen Jahr sind Österreichs Staatsschulden etwa im selben Ausmaß gestiegen, wie die Banken ihre Verbindlichkeiten zurückgefahren haben(siehe Grafik). Den stärksten Anstieg an Gesamtverschuldung verzeichnete einmal mehr Japan, gefolgt von (auf niedrigem Niveau) Kanada, Frankreich, Norwegen und Großbritannien. Am stärksten entschuldet haben sich die Privatsektoren in den Eurokrisenländern Portugal, Spanien und Italien - gefolgt von Schweden, wo (so wie in Deutschland) der Staat die Schulden zurückfahren konnte.

Aufstieg

Allerdings gibt es auch Stimmen, die die Schwellenländer-Schulden weniger dramatisch sehen. Zum einen hätten die vergangenen Wochen gezeigt, dass ein weiterhin steigender Dollarkurs keinesfalls garantiert sei. Und der steigende Verschuldungsgrad gehe einfach einher mit den wachsenden Gewicht der Schwellenländer in der Weltwirtschaft. So waren diese laut Goldman-Sachs-Zahlen Ende 2016 für 47 Prozent der Weltwirtschaftsleistung verantwortlich.

Österreich profitiert von Negativzinsen

Investoren bezahlen wieder einmal eine Art Prämie dafür, dass sie der dem Staat Geld leihen dürfen, weil sie einen „sicheren Hafen“ für ihr Geld suchen: Die Republik Österreich konnte am Dienstag 650 Mio. Euro vom Kapitalmarkt mit negativen Zinssatz aufnehmen. Für die Aufstockung einer bis 2023 laufenden Staatsanleihe lag die akzeptierte Durchschnittrendite bei minus 0,095 Prozent. Die Anleihe erzielte bereits im Oktober des Vorjahres eine negative Rendite von minus 0,191 Prozent.

Bei der zweiten Anleihenaufstockung am Dienstag (bis 2027) in Höhe von 550 Mio. Euro belief sich die akzeptierte Durchschnittrendite auf 0,398 Prozent. Insgesamt nahm die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) somit für die Republik Österreich am Dienstag 1,2 Mrd. Euro am Kapitalmarkt auf.

Risiko steigender Zinsen

Die Finanzagentur sei „bestens gewappnet für steigende Zinsen“, sagte OeBFA-Geschäftsführer Markus Stix am Dienstag nach der Anleihenauktion zur APA. Generell würden die Märkte von steigenden Zinsen ausgeben. Derzeit gebe es aber noch einen Seitwärtstrend. Die durchschnittliche Restlaufzeit des Finanzschuldportfolios des Bundes liegt aktuell bei (im internationalen Vergleich relativ langen) 8,98 Jahren. Dadurch ist Österreich weniger anfällig für Zinsschwankungen.

Die OeBFA hat nach eigenen Angaben rund 30 Prozent ihrer geplanten Schuldenaufnahme für das Jahr 2017 abgearbeitet. Das geplante Finanzierungsvolumen von 30 bis 33 Mrd. Euro ist heuer genauso hoch wie im Vorjahr. 2016 musste für die Abwicklung der Hypo-Abbaugesellschaft mehr aufgenommen werden, heuer gibt es mehr Fälligkeiten bei Staatspapieren.

Bis zu 100 Jahre

Österreich hat kürzlich die maximale Laufzeit von Staatsanleihen von 70 auf 100 Jahre verlängert. Das entsprechende Gesetz muss aber noch verlautbart werden um in Kraft zu treten. Im Herbst 2016 hatte Österreich erstmals eine 70-jährige Staatsanleihe am Kapitalmarkt platziert. Eine Aufstockung der 70-jährigen Staatsanleihe sei „definitiv eine Option“, so der OeBFA-Geschäftsführer.