Wirtschaft
27.09.2017

Bawag geht noch heuer an die Wiener Börse

Erstmals seit 2014 bekommt die Wiener Börse starken Zuwachs: Die Bawag/PSK will einen Teil ihrer Aktien verkaufen.

Genau zehn Jahre nach der Übernahme der Bawag macht "der Höllenhund" Kasse: Der US-Hedge Fonds Cerberus (der Höllenhund in der griechischen Mythologie) und der später eingestiegene Fonds Golden Tree bringen einen Teil ihrer Bawag-Aktien an die Wiener Börse.

"Der Börsegang soll abhängig vom Marktumfeld im vierten Quartal stattfinden", lautet die karge Mitteilung der Bank zur geplanten Aktienemission. Verkauft werden Anteile der Bawag Group. Das ist die Holding, die die Bawag/PSK zur Gänze hält. Das Angebot richte sich an Privatanleger und institutionelle Investoren in Österreich. Ein Teil soll als Privatplatzierung, also nicht über die Börse, nur an institutionelle Anleger hierzulande und in den USA gehen. Details über das Volumen, das tatsächlich an die Wiener Börse kommen soll, blieben offen. Gerüchteweise wollen sich die bisherigen Eigner von 20 bis 30 Prozent der Bawag trennen. Für die Wiener Börse ist die Nachricht der Bawag auf jeden Fall erfreulich. Nach einer Reihe von Abgängen von der Börse kam mit Ausnahme einer Mini-Emission von Cleen Energy kein Neuling auf den Kurszettel.

Als große Bereicherung für die Börse sieht Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbandes für Anleger, die geplante Aktienemission der Bank. " Wien ist ausgehungert", sagt er mit Blick darauf, dass der letzte wirkliche Börsengang, jener der FACC, schon Jahre zurückliegt (siehe Grafik). Er rät potenziellen Aktionären, sich die Unterlagen genau anzuschauen. Das Institut habe derzeit hervorragende Ergebnisse, es gebe aber Themen, die aufzuarbeiten sind. Dazu zählt der Swap-Streit mit der Stadt Linz und das künftige Verhältnis zur Post. Interessant ist für ihn auch, ob man im Emissionsprospekt sehen wird können, wo die Bawag Geld verdient. Im ganz normalen Brotgeschäft mit Konten und Sparern sei nicht viel zu verdienen.

Spannende Preisfrage

Über den Wert der Bawag, nach dem sich der Kurs der Aktien richten wird, wird nun heftig spekuliert. Fünf Milliarden soll die Bank als Ganzes kosten, schätzen Experten. Cerberus hatte 2003 rund 3,3 Milliarden Euro bezahlt. Die aktuellen Schätzungen wären 1,5 Mal das Eigenkapital der Bank. "Das wäre schon ein guter Preis im aktuellen westeuropäischen Bankenumfeld", heißt es aus Analystenkreisen. Erste Group und Raiffeisen Bank International notieren bei 1,2 bzw. ein Mal Eigenkapital.

Die Bawag hatte zuletzt allerdings eine Wachstums-Geschichte präsentiert, die für Anleger durchaus spannend werden könnte, "falls der Trend anhält", wie Experten betonen. 14 Prozent Rendite auf das Eigenkapital erwirtschaftete die Bawag im ersten Halbjahr 2017. Fünf Zukäufe – zuletzt die deutsche Südwestbank – hat sie in den vergangenen drei Jahren abgeschlossen. Und weitere sollten folgen, deutete Bawag-Chef Anas Abuzaakouk an. Geplant ist auch eine Expansion der Internet-Tochter easybank nach Deutschland.

Post-Partner

Profitieren vom Bawag-Börsegang wird auch die Post, die knapp ein Prozent an der Bawag hält. Spekulationen, wonach die Partnerschaft zwischen Bawag und Post aufgekündigt werden könnte, wollte am Mittwoch niemand bestätigen. Die Bawag zahlt der Post rund 50 Millionen Euro für die Nutzung der Post-Filialen für den Bankvertrieb. Der Kooperationsvertrag kann erstmals zu Ende dieses Jahres unter Einhaltung einer dreijährigen Kündigungsfrist beendet werden. Die Partnerschaft würde damit 2020 enden. "Dass das passiert, ist unwahrscheinlich. Die Kündigung müsste ja während des Börsengangs erfolgen", meint ein Analyst.