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Wirtschaft
07/13/2021

Bargeld oder digitaler Euro? Wie wir in Zukunft bezahlen

Die Europäische Zentralbank wird am Mittwoch wahrscheinlich ihr Okay für den digitalen Euro geben. Die Bürger sollen damit noch rascher zahlen können. Das Bargeld ist laut Experten nicht in Gefahr.

von Wolfgang Unterhuber

Wie erklärt man Kindern den digitalen Euro? Hier ein Versuch. Man nehme ein Monopoly-Spiel. Aber ohne die ganzen bunten Geldscheine. Stattdessen verwenden wir eine App. Das ist unsere elektronische Geldbörse. Ein Abakus ginge auch. Aber das wäre antik. Kinder können besser mit Handys umgehen. Die elektronische Geldbörse ist gefüllt mit einem bestimmten Startkapital. Nun kaufen wir von unserem Monopoly-Mitspieler ein Hotel. Das Geld dafür überweisen wir ihm via elektronischer Geldbörse. Wir geben den Codenamen unseres Mitspielers ein und den Betrag und drücken auf "Senden". Eine Sekunde später hat unser Mitspieler den Betrag in seiner elektronischen Geldbörse. Geht also schneller als das ganze Nachzählen der Geldscheine (obwohl gerade das irgendwie ganz nett ist).

Damit hat man die grundsätzliche Systematik des digitalen Euro auch schon erklärt. Der digitale Euro entspricht Euro-Scheinen und -Münzen, nur eben digital. Er liegt auf einem speziellen Konto. Und passend zum Konto gibt es für die Bürger eine elektronische Geldbörse, ein sogenanntes Wallet.

Das geht so wie beim "Grünen Pass" mittels Handy-Signatur. Für alle, die heute schon mit dem Handy via Bluecode bezahlen, also nicht wirklich etwas Neues (Bluecode ist die mobile Bezahl-Lösung, die etwa beim Händler berührungsloses Bezahlen per Smartphone ermöglicht).

Sekundenüberweisung

Beim digitalen Euro findet aber keine klassische Überweisung mehr über eine Bank statt wie das bei den heute üblichen Bezahlsystemen der Fall ist, etwa bei Zahlungen mit Kreditkarte. Es gibt auch kein Warten mehr auf die Überweisung von einem Konto auf das andere.

Beim Bezahlen wird der geschuldete Betrag direkt vom Wallet abgebucht. Genau um diesen Betrag sinkt der Kontostand. Die Transaktionen passieren dann sofort. Es ist eigentlich wie beim Monopoly. Das Geschäft verläuft direkt zwischen den zwei Kunden. Digital halt. Der Bürger kann sein digitales Euro-Konto jederzeit wieder auffüllen, wenn er von seinem Konto neues Guthaben auf das Wallet lädt.

3.000-Euro-Grenze

Geplant ist ein Grenzbetrag, wie Franz Rudorfer, Chef der Bundessparte Bank und Versicherung bei der Wirtschaftskammer erläutert. „Der Plan sieht derzeit so aus, dass man maximal 3.000 Euro von seinem Konto in digitale Euros umwandeln kann.“ Und für das digitale Konto gibt es auch keine Zinsen, also auch keine Negativzinsen, so Rudorfer. Bei den Monopoly-Summen würde das also bedeuten, dass man doch noch Bargeld braucht.

Apropos Bargeld: Derzeit werden in Österreich Unterstützungserklärungen für ein Volksbegehren „für die uneingeschränkte Bargeldzahlung“ gesammelt. Hintergrund ist eine von der EU geplante Begrenzung der Bargeldzahlungen. Dahinter vermuten viele Menschen den Versuch, das Bargeld abzuschaffen. Der digitale Euro ein Vorbote? Rudorfer: „Das Bargeld wird nicht abgeschafft. Die Bankkunden in Österreich werden immer die Wahlfreiheit haben. Ob sie via E-Banking bezahlen, mit Bargeld oder dann auch via Wallet.“ Übrigens: Sechs von zehn Bankkunden in Österreich wickeln ihre Geldgeschäfte heute schon digital bzw. elektronisch ab.

Bis der digitale Euro auf den Markt kommt, wird es nach einer geplanten Testphase noch dauern. Laut EZB fünf Jahre. Es geht natürlich auch um Sicherheit und Datenschutz. Die könnte beispielsweise durch einen Blockchain-Ansatz gewährleistet werden. Aber das ist noch offen.

Und wozu eigentlich?

Und warum eigentlich der ganze Spaß? Da wäre der politökonomische Grund. Die Europäische Zentralbank (EZB) möchte laut ihrer Chefin Christine Lagarde den digitalen Euro einführen, damit die Europäer eines Tages nicht mit anderen digitalen Währungen wie der geplanten Facebook-Währung „Diem“ (ursprünglich Libra) zahlen. Es geht also um die „fiskalpolitische Stabilität“ des Euroraums.

Für Zocker ist der digitale Euro nichts. Er ist kein Zocker-Objekt wie Bitcoin, sondern eben ein reines Zahlungsmittel, wie Rudorfer betont. Der „Spaß“ beim digitalen Euro besteht darin, dass man sekundenschnell überweisen kann. Wahrscheinlich nicht beim Wirt, aber im Onlinehandel, sagt Rudorfer. „Wer die Ware schnell haben will, wird hier die Vorteile des sekundenschnellen Zahlungsverkehrs nützen.

Wer unter bestimmten Bedingungen und Obergrenzen auch vom digitalen Euro profitieren wird, ist die Wirtschaft. Unter anderem beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. So wären Geldüberweisungen in andere Länder, die aktuell noch mehrere Tage in Anspruch nehmen, innerhalb weniger Sekunden möglich. Überweisungen nach China benötigen häufig länger als der eigentliche Warentransport.

Am Ende steht eine Vision. So könnten vernetzte Maschinen und Geräte im sogenannten Internet der Dinge untereinander selbstständig Waren oder Services buchen und bezahlen. In Zukunft könnte also Ihr Kühlschrank bemerken, dass die Milch-Packung leer ist. Das mit dem Internet verbundene Gerät bestellt deshalb neue Milch beim Logistikcomputer im Lebensmittelgeschäft. Der sorgt dafür, dass Sie die Milch mit einer Drohne geliefert bekommen, wenn Sie zu Hause sind (wann, das weiß Ihr Kühlschrank aufgrund Ihrer Anwesenheitsdaten). Bezahlt wird auch vom Kühlschrank: mit dem e-Euro. Sie haben dann mehr Zeit, um Monopoly zu spielen.

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