© OMV Solutions GmbH/OMV/Lois Lammerhuber

wirtschaft von innen
10/30/2021

Aus OMV sollen zwei Unternehmen werden

Plan: Aufspaltung in Energy und Chemicals, 6 bis 8 Milliarden Euro frisches Kapital durch Investoren, Energie wird von Börse genommen

von Andrea Hodoschek

In Österreichs größtem börsenotierten Konzern dürfte kein Stein auf dem anderen bleiben. Jetzt werden immer mehr Details über die mögliche Aufspaltung der teilstaatlichen OMV in zwei Unternehmen bekannt, über die der KURIER als erstes Medium bereits berichtete.

Seit vier Wochen tüftelt ein Projektteam daran, wie die wertvollste Unternehmensbeteiligung der Republik zukunftsfit aufgestellt werden soll. Fix ist noch nichts. Da muss erst der Aufsichtsrat, der allerdings schon vorinformiert wurde, zustimmen bzw. die beiden Hauptaktionäre Mubadala (Abu Dhabi) und die Staatsholding ÖBAG.

OMV-Chef Alfred Stern ließ bei der Präsentation des Rekordergebnisses (siehe Bericht rechts) durchblicken, dass die Transformation in Richtung Petrochemie und Materials sowie Kreislaufwirtschaft geht. Die 75-Prozent-Beteiligung an der Chemie- und Kunststoff-Gruppe Borealis (war mit vier Milliarden die größte Übernahme in Österreich) ist der Wachstumstreiber des Konzerns.

Borealis dürfte samt den drei Raffinerien und den Tankstellen (Downstream) als „OMV Chemicals“ das Herz der neuen OMV bleiben.

Das Energiegeschäft, die Bereiche Exploration und Produktion sowie Projekte mit Erneuerbaren Energien, würde in eine eigene Gesellschaft abgespalten. Der Hintergrund: Es wäre trotz aller Green Deals wirtschaftlicher Schwachsinn, würde die OMV das Energiegeschäft hinunter fahren. Denn die Realität sieht anders aus, als es sich Greenpeace & Co. wünschen. Weltweit steigt der Energiebedarf nach wie vor. Erneuerbare Energien werden nicht einmal die Zuwachsraten abdecken können. Zwar wird die Bedeutung von Öl zurückgehen, doch Gas wird die nächsten 30 Jahre der weltweit wichtigste Energieträger bleiben.

An der neu gegründeten „New Energy Company“ sollen sich Investoren mehrheitlich beteiligen. Gedacht ist an große Private-Equity-Gesellschaften wie beispielsweise Carlyle, die nach wie vor in Energie-Unternehmen veranlagen. Die für die Öl- und Gasförderung notwendigen laufenden, hohen Investitionen sollen künftig nicht mehr von der OMV kommen, sondern von den neuen Eigentümern. Ob die OMV und/oder die Staatsholding ÖBAG Minderheitsanteile halten werden, ist noch nicht ausgemacht.

Sechs bis acht Milliarden Euro könnte die OMV an frischem Kapital für New Energy lukrieren, wird kalkuliert. Dieses Kapital soll in die Petrochemie investiert werden, die somit schneller expandieren kann als aus eigener Kraft. Möglich, dass Mubadala die restlichen 25 Prozent an Borealis abgekauft werden, der Kaufpreis wird auf 3 bis 4 Milliarden Euro geschätzt.

Delisting von der Börse

Der Energie-Bereich würde nicht mehr an der Börse notieren. Damit wäre man gegenüber den Grünen unabhängiger. Kein börsenotiertes Unternehmen kann sich heute noch erlauben, die Umweltbewegungen zu ignorieren, die Öl- und Gaskonzernen ziemlich zusetzen können. Mit einem Delisting stünde New Energy nicht mehr im öffentlichen Fokus.

Als CEO der neuen Energie-Gesellschaft wird OMV-Vize-General Johann Pleininger gehandelt, langjähriger Chef des Bereichs Exploration & Produktion. Obwohl er gegen Stern im Rennen um den Chef-Posten bei der OMV unterlag, arbeiten beide Top-Manager gut zusammen, hört man aus dem Unternehmen.

Das Ziel: In fünf bis sechs Jahren sollen beide Unternehmen so groß sein wie die OMV heute. Die Jobs blieben erhalten, beide Head Offices sollen in Wien bleiben.

Fragt sich, wie diese Pläne in der heimischen Politik aufgenommen werden. Man hört bereits Befürchtungen, Putin-freundliche Unternehmer wie Siegfried Wolf könnten sich als Türöffner für Gazprom etc. in New Energy einkaufen. Wolfs Freund, der stark Russland-affine Rainer Seele, ist nicht mehr OMV-Chef. Trotzdem ist jetzt die ÖBAG, die allerdings sehr geschwächt ist, gefordert, die Interessen Österreichs zu vertreten.

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