Anpassung der Steuersätze an die Inflation soll die kalte Progression abschmelzen.

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Neue Studie
09/30/2016

Aus für kalte Progression besser für Gutverdiener

Die Abschaffung der schleichenden Steuererhöhung könnte Wenigverdiener kalt erwischen.

von Franz Jandrasits

Die Beseitigung der so genannten kalten Progression im Steuersystem könnte ausgerechnet jene Arbeitnehmer benachteiligen, die diese Entlastung am dringendsten brauchen. Denn eine undifferenzierte Anpassung der Steuerstufen an die Inflationsrate würde niedrige Einkommen stärker belasten als höhere. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsuni Wien.

Hohe Einkommen entlastet

Der Grund dafür: Bezieher niedriger Einkommen sind stärker von der Inflation betroffen als Besserverdiener. Denn sie müssen einen vergleichsweise hohen Anteil ihres Einkommens für Waren und Leistungen mit hohen Preissteigerungen wie Wohnen, Energie und Nahrung ausgeben. Besserverdiener geben mehr Geld in Bereichen mit geringen Teuerungsraten wie Freizeit und Mobilität aus. Eine lineare Anpassung der Steuerstufen um die durchschnittliche Inflationsrate entlastet daher hohe Einkommen real stärker.

Überkompensiert

Die kalte Progression ist eine versteckte Steuererhöhung. Sie entsteht, wenn Arbeitnehmer durch die jährlichen Lohnerhöhungen mehr verdienen, somit mehr Steuern zahlen oder in höhere Steuerklassen vorrücken, obwohl der reale Wert ihrer Einkommen inflationsbedingt gar nicht gestiegen ist.Die Studienautoren Matthias Moser und Stefan Humer haben die Auswirkung einer fiktiven linearen Anpassung berechnet, wäre sie schon mit der Steuerreform 2009 eingeführt worden. Das verblüffende Ergebnis: Der oberen Hälfte der Einkommensbezieher hätte sie um bis zu 700 Millionen Euro mehr gebracht, als zum Ausgleich ihrer individuellen Teuerung nötig gewesen wäre. Fast die Hälfte davon wäre auf das oberste Zehntel der Einkommen entfallen.

Die Arbeiterkammer und der ÖGB – die beide die Beseitigung der kalten Progression wollen – lehnen eine lineare Inflationsanpassung daher ab und fordern eine sozial ausgewogene Differenzierung.