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Bauindustrie
04/27/2021

Baukonzern Porr forciert die papierlose Baustelle

Der Baukonzern hat Aufträge in Höhe von 7,1 Milliarden Euro im Bestand.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Corona-Krise geht auch am börsennotierten Wiener Baukonzern Porr (20.193 Mitarbeiter) nicht spurlos vorüber – vor allem der Lockdown im März/April 2020 setzte zu. „Für fünf bis sechs Wochen sind unsere Baustellen in Österreich zu 80 Prozent stillgestanden. Das hat zu einer Leistungseinbuße geführt“, sagt Porr-Chef Karl-Heinz Strauss. „Trotz aller Einschränkungen und trotz Covid ist die Baukonjunktur gut gewesen. Sie zeigt, dass sie für heuer und die nächsten Jahre einer der Konjunkturmotoren sein wird.“ Nachsatz: „Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass Investitionen in das Bauen kurzfristig in der Lage sind, Volkswirtschaften zu stimulieren.“

Indes hat die Porr umgehend auf Covid reagiert. Heute werden allein in Österreich Woche für Woche bis zu 8.000 Mitarbeiter auf Covid getestet. Die aufgebaute Testinfrastruktur könne umgehend auf eine Impfinfrastruktur umgebaut werden.

7,1 Milliarden Euro

„Wir haben leider eine Delle im Ergebnis und sind bei einem Jahresfehlbetrag von 42,4 Millionen Euro gelandet“, sagt Strauss. „Wir haben aber einen All-time-High-Auftragsbestand in Höhe von 7,1 Milliarden Euro.“

Für den Hochbau werde ein Wachstum für die nächsten drei Jahre prognostiziert. Im Tiefbau werden Umweltthemen und klimafreundliche Verkehrsprojekt einen neuen Schub bei den Aufträgen auslösen.

Außerdem treibt die Porr die Digitalisierung, sprich die papierlose Baustelle, weiter voran. Die Stichwörter dazu heißen: BIM und Lean-Management. Mit dem Building Information Modeling (BIM) „lassen sich alle architektonischen, technischen, physikalischen und funktionalen Bauwerksdaten digital visualisieren“. Beim Lean-Management wird u. a. die Verwendung von Zeit und Ressourcen optimiert. „So konnte bei einem Gebäude von BMW in München die Bauzeit von 24 auf 18 Monate verkürzt werden. „Damit entsteht ein unglaublich konzentrierter Bauablauf, kaum Materialverschwendung und wir glauben, dass diese Art des Bauens eines der Zukunftsmodelle sein wird“, sagt der Konzernchef.

Drei Problemfälle

Die Porr hatte aber drei Großbaustellen unangenehmer Art. Erstens wird gegen die Porr AG und sechs Konzern-Gesellschaften von der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf verbotene Preisabsprachen ermittelt. Die BWB hat kürzlich Bußgeldanträge bei Gericht beantragt. „Seit Bekanntwerden dieser Vorwürfe haben wir engstens mit der BWB und der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet, um die Vorwürfe aufzuklären“, sagt Strauss.

Der zweite Fall betrifft die Kündigung eines Brückenbau-Auftrags in Leverkusen. „Bei dieser Brücke war das Hauptproblem, dass sich die Porr in Absprache mit dem Auftraggeber für einen chinesischen Stahllieferanten entschieden hat. Doch die Qualität stimmte angeblich nicht. „Es sind übliche Mängel und wir werden Klage gegen die Kündigung einbringen“, sagt Strauss.

Der dritte Fall betrifft den Brennerbasistunnel. Die BBT AG hat den 966 Millionen Euro schweren Vertrag mit der Porr für den Abschnitt H 51 Pfons-Brenner gekündigt. Ursache sind technische Differenzen. Derzeit gibt es Gespräche über die Auflösung der Baustelle.

Die Porr in Zahlen

Beschäftigte
Der börsennotierte Baukonzern beschäftigt 20.193 Mitarbeiter in neun Ländern.

Länder
Die Porr ist in Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, in der Slowakei, Rumänien, Norwegen, Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten tätig.

Produktionsleistung
Sie betrug im Vorjahr rund 5,185 Milliarden Euro, das ist ein Minus von 6,9 Prozent. Heuer wird mit 5,3 bis 5,5 Milliarden Euro gerechnet.
Umsatz. Im Jahr 2020 wurden 4,651 Milliarden Euro erlöst, das ist ein Minus von 4,7 Prozent.

Ergebnis
Das Ebitda 2020 sank um 39,2 Prozent 131,4 Mio. Euro, der Jahresfehlbetrag: 42,4 Mio. Euro

Auftragsbestand
Er beträgt 7,067 Milliarden Euro, der Auftragseingang 5,9 Milliarden Euro.

Eigenkapital
Es beträgt 651 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote liegt bei 18,5 Prozent.

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