Rumänien hat große Öl- und Gas-Reserven, die Petrom-Raffinerie Petrobrazi in Ploiesti ist eine der größten Osteuropas 

© OMV Solutions GmbH/OMV Aktiengesellschaft

wirtschaft von innen
07/26/2021

OMV: Aufregung um das "Schwarze Gold"

Ein möglicher Verkauf des Tochterkonzerns Petrom löst Ängste in Rumänien aus, Ruf nach Re-Verstaatlichtung, auch OMV-intern Kritik

von Andrea Hodoschek

Es war damals der größte Deal eines österreichischen Unternehmens im Ausland. Die OMV gewann 2004 das internationale Rennen um die Privatisierung des staatlichen rumänischen Energiekonzerns Petrom. 1,5 Milliarden Euro ließ sich die OMV die 51 Prozent kosten.

Der Deal war riskant und hätte die gesamte teilstaatliche OMV in den finanziellen Abgrund reißen können. Vom kommunistischen Regime und Korruption herunter gewirtschaftet, fuhr Petrom hohe Verluste ein. Die Belegschaft war mit mehr als 60.000 Mitarbeitern gewaltig überdimensioniert (die OMV hatte nur 6000 Mitarbeiter) und die Produktion ging jedes Jahr zurück, weil nichts investiert wurde. Doch das große Asset waren die Energie-Reserven. Rumänien hat enorme Öl- und Gasvorkommen, im Land und im Schwarzen Meer.

Cash-Cow

Der Coup gelang, Up-stream-Vorstand Johann Pleininger konnte Petrom sanieren. Längst ist die Beteiligung eine der Cash-Cows der OMV. Im Corona-Jahr 2020 lieferte die nur noch 11.000 Mitarbeiter große Petrom 302 Millionen Euro des gesamten OMV-Konzerngewinns (vor Sondereffekten) von 1,68 Milliarden.

Das Engagement in Rumänien könnte allerdings in absehbarer Zeit beendet werden. Wie man aus dem Unternehmen hört, überlegte Noch-OMV-Boss Rainer Seele den Ausstieg.

Die OMV muss sich strategisch neu aufstellen und Seele setzte auf die Transformation vom traditionellen Öl- und Gas-Unternehmen zum zukunftsträchtigeren Chemie- und Plastik-Konzern. Diesen Kurs will sein Nachfolger Alfred Stern fortsetzen. Da passt eine old-fashioned Beteiligung wie die Petrom nicht mehr ins Portfolio. Dabei war es die OMV selbst, die vor Jahren den Chemiebereich der Petrom zusperrte.

In Rumänien hat ein möglicher OMV-Ausstieg bereits in der Politik aufgeschlagen. Es wird befürchtet, dass die russische Gazprom, enger Partner der OMV, oder die ungarische MOL durch die Hintertüre Zugriff auf die Ressourcen des Landes, das „Schwarze Gold“, bekommen könnten. Russland und Ungarn wären politisch ein „No Go“, in Rumänien, zu groß sind die Ängste vor Putin und Orban.

Daher werden Stimmen für eine Re-Verstaatlichung der an den Börsen Bukarest und London notierenden Petrom laut. Der Staat hält nur noch 28 Prozent, 21 Prozent sind Streubesitz. George Simion, Parlaments-Abgeordneter und Chef der aufstrebenden nationalen Rechts-Partei AUR (auf Deutsch Gold), fordert, dass der Staat die Anteile der OMV übernehmen solle. „Petrom ist ein strategisches Unternehmen für Rumänien. Wir sollten unsere Öl- und Gas-Reserven selbst fördern“, sagt er gegenüber dem KURIER. Petrom etwa an Gazprom zu verkaufen, wäre ein „großer geopolitischer Fehler. Wir sind in der NATO und in der EU und wollen kein Teil des russischen Empire werden“.

Petrom könne trotz Re-Verstaatlichung weiterhin profitabel bleiben, das „ist eine Frage des Managements, nicht der Eigentümer. Und Petrom hat ein fähiges Management“.

Der Wert der Petrom wird in der Branche auf 2,5 bis vier Milliarden geschätzt. Diesen Preis könnte die OMV jedoch kaum lukrieren, der Staat Rumänien hat Mitspracherechte und kann auch einen Minderheitsverkauf an Nicht-EU-Unternehmen blockieren.

In Rumänien wird spekuliert, die mehrheitlich staatliche Romgas, Rumäniens größtes Gasunternehmen, könnte die OMV-Aktien kaufen. Fragt sich allerdings, ob Romgas diesen Deal stemmen kann. ExxonMobil steigt gerade aus dem gemeinsamen Gasförder-Projekt „Neptun“ mit der OMV im Schwarzen Meer aus. Romgas legt für die Exxon-Anteile mindestens eine Milliarde Euro hin, in den nächsten vier Jahren müssen zudem drei Milliarden Euro investiert werden.

Eine Rückkehr der Petrom in den Schoß des Staates würde auch dem Green-Deal der EU zuwider laufen. „Wir sind ein armes Land. Unsere Autos können nicht in den nächsten 40 Jahren ohne Benzin fahren. Wir haben schon viele Arbeitsplätze in der Kohleindustrie verloren“, argumentiert Simion. Er verstehe die Umweltaspekte, „aber von uns zu verlangen, nur noch Elektroautos zu kaufen, ist doch Nonsens. Die EU sollte einige Punkte des Green Deals hinaus schieben“. Nachsatz: „Wir sollten auch beginnen, unsere Wälder zu schützen. Hier haben einige österreichische Unternehmen kein gutes Image in Rumänien“. Das könne sich bessern, wenn Österreich bzw. die OMV bei der Petrom kooperativ wären.

Holz-Skandal

Die Affäre um illegales Holz aus Kahlschlägen empörte wie berichtet die rumänische Öffentlichkeit. Drei Austro-Holzkonzerne schlossen daraufhin einen millionenschweren Vergleich mit der Wettbewerbsbehörde. In Rumänien liegen Europas wertvollste Urwälder.

Wie andere Kritiker ist auch Simion überzeugt, „dass die Petrom damals definitiv zu billig an die OMV verkauft wurde“. Dabei wäre freilich zu berücksichtigen, dass von der Petrom seit der Sanierung Milliarden in die Staatskasse fließen, rund ein Zehntel des Budgets.

Derzeit ist der Ausstieg der OMV noch keine beschlossene Sache. Der neue CEO Alfred Stern will im Oktober die Konzern-Strategie präsentieren, die Management-Meetings beginnen diese Woche. In der Belegschaft gibt es Widerstände, vor allem im Upstream-Bereich. Die OMV würde schließlich auf einen Schlag mehr als ein Viertel ihrer gesamten Öl- und Gasförderung verlieren.

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