Wirtschaft 18.05.2018

Audi Q3: Zu viele Stickoxide, auch nach dem Update

© Bild: REUTERS/MIKE CASSESE

Gerichtsgutachter stellt fest: NOx-Ausstoß war im Straßenbetrieb noch um 77 Prozent zu hoch – laut Urteil „frappierend“.

Der Stickoxidausstoß eines Audi Q3 liegt auch nach dem Aufspielen der neuen Software zur Motorensteuerung noch über den zulässigen Grenzwerten: Das stellte ein gerichtlich bestellter Sachverständiger bei einem Verfahren am Landesgericht Eisenstadt fest. Ein Ehepaar hatte 2013 einen Audi Q3 2,0 TDI quattro um 40.490 Euro erworben. Nachdem bei VW-Dieselmotoren vom Typ EA189 illegale Abschaltvorrichtungen aufflogen, fühlte sich das Ehepaar getäuscht und klagte auf Rückabwicklung des Kaufs. Mit Erfolg.

Das Bemerkenswerte am Urteil: Die Richterin hatte einen Sachverständigen beauftragt, die Emissionen zu überprüfen. „Das war das erste Mal, dass Abgaswerte vor und nach dem Update gemessen wurden – auf dem Prüfstand und der Straße“, sagt Anwalt Michael Poduschka zum KURIER. Das laut Urteil „frappierende“ Ergebnis: Zwar entsprachen der CO2-Ausstoß und Treibstoffverbrauch bei dem Audi Q3 nach der Software-Aktualisierung den Vorgaben, nicht aber die Stickoxide (NOx): Diese wurden im Straßenbetrieb vor dem Update um 247 Prozent und danach um 77 Prozent überschritten.

Aus Sicht des Autoherstellers ist das nicht entscheidend, weil sich die gesetzlichen Grenzwerte nur auf Prüfstandsmessungen bezögen. Das Urteil kommt aber zu einem anderen Schluss: Weil die Verordnung von „normalen Bedingungen“ spricht, ist laut Richterin sehr wohl der Straßenbetrieb gemeint. Eine Überschreitung der Prüfstandswerte „von allenfalls 20 bis 30 Prozent“ erscheine noch akzeptabel, nicht aber um 77 Prozent.

Der Motor bleibe somit auch nach dem Update rechtswidrig, folgert Poduschka. Das könne sich für weitere Verfahren als relevant erweisen – 500 bis 600  ähnliche Verfahren liefen gegen Händler und/oder Hersteller in Österreich, schätzt Poduschka. Er selbst betreue etwa 170 Fälle.

Der Vorwurf der Arglist wurde in Eisenstadt zurückgewiesen. Somit erhalten die Käufer nur 17.894 Euro samt Zinsen ersetzt – in Summe rund 22.000 Euro. Zu wenig, findet Poduschka. Er hielte 33.000 Euro für angemessen und beruft gegen die Art, wie der Gebrauchswert des Fahrzeuges ermittelt wurde. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) strengt übrigens gerade eine Sammelklage gegen VW an – die Anmeldefrist endet diesen Sonntag (20. Mai).

Porsche-Rückruf

Mit ähnlichen Schwierigkeiten ist einmal mehr Porsche konfrontiert. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt KBA lässt weltweit 60.000 Diesel-Pkw wegen unzureichender Abgasreinigung zurückrufen. Ein KBA-Sprecher bestätigte Berichte des Spiegel und Bayrischen Rundfunks – es handle sich um 53.000 SUV Macan und 6800 Cayenne.

( kurier.at , hsp ) Erstellt am 18.05.2018