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22.06.2016

Richard Grasl kandidiert als ORF-Generaldirektor

Der Finanzdirektor tritt damit am 9. August gegen Amtsinhaber Alexander Wrabetz an.

Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF, plant bei Stiftungsratssitzung am Donnerstag, die Ansage, auf die alle gewartet haben. Der frühere Journalist wird sich nach Informationen des KURIER um das Amt des Generaldirektors bewerben. Dieser Schritt nach außen erfolgt früh, denn die Ausschreibung für den ORF-Spitzenjob erfolgt erst nach der Sitzung des Stiftungsrates. Die Wahl selbst findet am 9. August statt.

Konfrontation

Grasls Problem: Er, der von den bürgerlichen Räten unterstützt wird, hat vorerst keine Mehrheit. Grasls Vorteil: Auch der SPÖ-unterstützte Wrabetz hat keine. Es wird also um die Stimmen der Oppositionsvertreter sowie Unabhängigen gehen.

Grasls Chance: Er muss sich als Macher mit klaren Ansagen positionieren – das vermeidet der gewiefte Taktiker Wrabetz, so lange es geht.

Es wird ein Wettstreit der Konzepte und der "Sekundärtugenden", wie es ein Stiftungsrat formulierte. Soll heißen, wer liefert besser den Eindruck, dass er die ORF-Zukunft gestalten will.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal könnte die Führungskultur werden. Grasl hält den gesetzlich vorgesehenen Alleingeschäftsführer bei einem Milliarden-Unternehmen wie dem ORF für nicht mehr zeitgemäß. Er will die Führung zum Kollegialorgan umgestalten.

Wrabetz hingegen will zwar auch Mitsprache der Geschäftsführungskollegen, pocht aber auf die Letztverantwortung des Alleingeschäftsführers.

Information

Bei der TV-Information setzt der Amtsinhaber weiter auf das derzeitige dezentrale System. Ob es wieder einen Informationsdirektor geben soll, lässt er offen. Grasl plant dem Vernehmen nach mit einer unbestrittenen und unabhängigen Persönlichkeit als Info-Direktor.

Unterschiedliche Herangehensweisen werden auch punkto Kultur, Sport oder Innovation erwartet. Konkrete Aufschlüsse darüber werden dann die Bewerbungskonzepte liefern, die spätestens bis Ende Juli vorliegen müssen.