Gratulation ist angebracht: Mutter Beimer bekommt Blumen. Sie ist das prägende Gesicht der „Lindenstraße“

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1500 Folgen Drama
09/27/2014

"Lindenstraße": Von A wie Aids bis Z wie Zölibat

Die Mutter der deutschen Seifenoper feiert Folge 1500. Die Welt drehte sich seit dem Start weiter.

von Philipp Wilhelmer

Sie hat zur Entschleunigung des Lebens in unseren Breiten mehr beigetragen als jede Kaffeerunde: Die "Lindenstraße" hat seit 1985 einen fixen Platz im Programm der ARD und feiert am Sonntag, 28. September (18.50 Uhr), Folge 1500.

Woher kommt diese Faszination für das ewig Gleiche? "Regelmäßig stattfindende Sendungen bringen ein Entspannungsmoment und schaffen Strukturen in den Alltag. Mit dieser Sicherheit im Rücken kann der Mensch Neues wagen", sagt Medienpsychologe Peter Vitouch. "Vorhersagbarkeit ist für den Menschen ein ganz wichtiger Aspekt." Soll heißen: Das Gegenteil des gehetzten Alltags findet sich auch in programmlichen Inseln, die traute Routine vor dem Fernsehschirm bieten.

Seit bald 30 Jahren gehört die "Lindenstraße" zur deutschen TV-Folklore. Zum Erfolg wurde die Serie, weil sie die Normalität deutscher Bürger abbildete: In der ersten Folge traf sich Familie Beimer zur Hausmusik – Hans und Helga mit ihren drei Kindern Marion, Benny und Klausi. Heute, 29 Jahre später, ist von dieser Idylle längst nichts mehr übrig. Hans und Helga gehen seit Langem getrennte Wege, Benny ist tot, Marion weggezogen, und Klaus ein geschiedener Sozialhilfeempfänger.

Realität in der Idylle

In die beschauliche Spießeridylle platzte stets die gesellschaftliche Realität hinein: "Von A wie Aids bis Z wie Zölibat war alles dabei", sagt "Mutter Beimer" Marie-Luise Marjan. "Aber oft interessiert die Zuschauer weniger das Spektakuläre als vielmehr der normale Alltag."

Fast alle gesellschaftlichen Themen waren Gegenstand der Serie: Liebe und Hass, Gesundheit und Krankheit, Geburt und Tod, Verbrechen und Versöhnung – die Liste ist lang.

Mit manchem Tabubruch erwarb sich die Serie große Verdienste. Dass sich in der "Lindenstraße" im Jahr 1990 zum ersten Mal in einer deutschen Serie zwei schwule Männer küssten, hat entscheidend zu einer Auflockerung gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe beigetragen. Scheidungen kamen in der einstmals heilen Welt ebenso vor wie der erste Aids-Tote im deutschen Fernsehen im Jahr 1988 – damals eine Krankheit mit einem entsetzlichen Stigma.

Kurz gesagt: Es gibt kaum etwas, das die "Lindenstraße" thematisch nicht angefasst hätte. Auch ein lange Zeit vertuschtes Verbrechen hatte die Serie zu bieten. 1995 erschlug die damals 13-jährige Lisa den Ex-Priester Matthias Steinbrück mit einer Bratpfanne. Lisa und ihr Freund Olli Klatt legten den Toten auf Bahngleise, sodass er von einem Zug überrollt wurde und alles auf einen Selbstmord hindeutete. Erst heuer kam die Wahrheit heraus. Wo gibt es das schon?

Dauerbrenner

Seit dem Start waren rund 250 Schauspieler in Hauptrollen zu sehen, dazu kamen etwa 2100 Gastrollen. 24.000 Komparsen spazierten durch die Straße, ließen sich im Friseursalon die Haare schneiden oder aßen im "Akropolis". Es gab rund 30 Hochzeiten und mehr als 40 Todesfälle. 25 Regisseure haben die Serie inszeniert.

Nach Einstellungsgerüchten soll die Serie bis 2016 gesichert sein. Ob die Lindenstraße Folge 2000 erlebt, muss sich erst zeigen.

25

Regisseure haben die Serie bisher inszeniert

Rund 30

Hochzeiten wurden gezeigt

Über 40

Todesfälle waren zu beklagen

Rund 250

Schauspieler waren seit Beginn mit Hauptrollen unter Vertrag

Rund 2.100

Gastrollen wurden besetzt

24.000

Komparsen spazierten durch die Lindenstraße

71.000

Drehbuchseiten wurden bis dato geschrieben

2,7 Millionen

TV-Zuschauer sehen die "Lindenstraße" derzeit sonntags im Schnitt

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