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Geburtstag
11/17/2013

Micky Maus ist 85

Die kleine Maus mit dem frechen Mundwerk feiert ihren 85. Geburtstag.

Sie ist so etwas wie die Herrscherin der Zeichentrick-Welt: Micky Maus. Sie hat es von einer rasch erfundenen Figur zum Symbol eines Milliardenkonzerns, ja einer Kultur gebracht: In kaum einem Land kommt man an der mächtigen Maus vorbei. Jetzt wird sie 85.

Am 18. November 1928 kam die schwarze Maus mit den Riesen-Ohren und den strichdünnen Armen und Beinen zur Welt. Der Rest ist bekannt: Micky Maus wurde zur berühmtesten Zeichentrickfigur der Welt, hat sogar einen eigenen Stern auf Hollywoods Walk of Fame und ist in Amerika bekannter als der Weihnachtsmann.

"Steamboat Willie"

Dabei war die Maus eigentlich nur eine Notlösung. Walt Disney, ein erfolgreicher, aber unbekannter junger Zeichentrickfilmer, hatte sich mit seinem Studioboss überworfen - der aber die Rechte an Disneys erfolgreichem "Oswald, dem lustigen Hasen" besaß.
Zusammen mit Ub Iwerks, dessen seltsamer Name ein Erbe des friesischen Vaters ist, entwickelte er Ersatz. Aber was? Eine Katze? Einen Hund? Eine Kuh oder gar ein Pferd? Es wurde Maus Mortimer. Wobei Disneys Frau Lillian Einspruch erhob wegen des Namens. Die Lösung: Micky Maus (Original: Mickey Mouse).

Als Geburtsstunde gilt "Steamboat Willie" vom 18. November 1928. In flimmerndem Schwarz-Weiß sehen wir Micky auf der Brücke eines Dampfbootes lustig pfeifend - bis sein Boss kommt. Das ist der vorweggenommene Kater Karlo und sollte für immer Mickys Nemesis bleiben. Noch ein anderer Charakter taucht auf, in Kleidchen und Stöckelschuhen: Minnie Maus. Zusammen machen die beiden Tiere Musik, wie es jeden Tierfreund entsetzen muss: Da werden Katzen gequält, Enten gequetscht und Ferkel am Schwanz gezogen, alles für die lustige Melodie. Keine Spur von der netten Maus, die alle liebt.

Der Film war ein enormer Erfolg, auch weil es einer der ersten mit Ton war. Die Musik war perfekt auf den Film abgestimmt. "Die Lacher sind so zahlreich im Publikum, dass sie ineinander übergehen", schrieb verblüfft das Magazin Variety. Micky wurde zum Star, bekam zur roten Hose noch weiße Handschuhe und machte einen Film nach dem anderen.

Micky und der 2. Weltkrieg

1942 zog Micky sogar in den Krieg und trat in Propagandafilmen mit Karabiner und Stahlhelm auf. Minnie blieb derweil zu Hause und gab das restliche Bratenfett nicht dem Hund, sondern spendete es. Denn: "Aus weggekipptem Bratenfett kann Glitzerin für zehn Milliarden Patronen gemacht werden!" Pluto ist sauer - sieht es aber natürlich ein und salutiert mit den Ohren vor dem Bild von Micky in Uniform.

Gut 9000 Kilometer weiter gab es einen großen Micky-Maus-Fan: Adolf Hitler. "Ich schenke dem Führer 12 Micky-Maus-Filme zu Weihnachten! Er freut sich sehr darüber. Ist ganz glücklich über diesen Schatz", schrieb Joseph Goebbels 1937 in sein Tagebuch. Sein Versuch, ein deutsches Trickreich zu schaffen, scheiterte kläglich.

Nach dem Krieg kommen Micky-Maus-Comics auch nach Deutschland. Und obwohl der Philosoph Walter Benjamin schon 1935 fast respektvoll von der "erdumkreisenden Micky Maus" sprach, sind die Intellektuellen entsetzt. "Schundhefte" seien es, die aus den Kindern Analphabeten machten. Die Rechten sehen amerikanischen Kulturimperialismus, die linken imperialistischen Kulturamerikanismus.

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Disney Comicfigur Micky Maus 1930

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Stromlinienförmig

Dabei sind die meisten Hefte in Europa entstanden und Übersetzerin Johanna Theodolinde Erika Fuchs, Doktorin der Kunstgeschichte, wurde mit "Seufz", "Schluck", "Grübel" und "Dem Ingeniör ist nichts zu schwör" zur Legende. Wer sich angewidert verweigerte, merkte gar nicht, wie viele Klassiker Fuchs in den Sprechblasen unterbrachte.

"Leider ist die Maus ziemlich flach geworden", sagt Uwe Lambach. Der frühere "Präsidente" des Clubs D.O.N.A.L.D. fand den frühen Micky "anarchisch und manchmal sogar hinterhältig". "Aber im Alter werden Comicfiguren stromlinienförmig." Micky sei ein netter Kerl, ohne Ecken und Kanten, ohne Fehler. "Die Maus ist spießig geworden."

Doch Disney verdient weltweit Milliarden mit dieser Maus. Ob in Vergnügungsparks, auf eigenen Kreuzfahrtschiffen oder vor dem Fernseher - Micky ist allgegenwärtig und eine Goldgrube. Und längst auch ein Stück Kulturgut, das selbst eine eigene Briefmarke bekam. Und auch wenn es nur Protest war: Bei den letzten Präsidentenwahlen in den USA bekam Micky Maus ein paar Tausend Stimmen.

Micky und die Kunst: Ein Bild von Micky Maus hängt sogar in der renommierten National Gallery of Art in Washington. Der Künstler Roy Lichtenstein (1923-1997) zeigt auf dem Ölgemälde "Look Mickey" aus dem Jahr 1961 Micky Maus und Donald Duck beim Angeln. Mit dem Format 1,22 mal 1,75 Meter passt das Werk in kein Comic-Heft.

Micky statt Mathe: Ihre Vorliebe für Micky Maus brachte eine Lehrerin in Portugal im vergangenen Jahr um ihren Job. Weil sie Schülern der dritten und vierten Klasse täglich statt Mathematik zu unterrichten stundenlang Zeichentrickfilme zeigte, wurde sie vom Dienst suspendiert. Besorgte Eltern sprachen von einer Comic-"Überdosis".

Micky als Islamist: Der christliche ägyptische Politiker Naguib Sawiris verbreitete 2011 über den Kurzmitteilungsdienst Twitter eine Karikatur, die Micky Maus mit langem Bart und dem Gewand der islamistischen Salafisten zeigt. Neben ihm steht Minnie Maus mit schwarzem Gesichtsschleier. Wegen angeblicher Islam-Beleidigung musste sich Sawiris vor Gericht verantworten. Die Justiz wies die Klage zurück. Die Begründung: Dem islamistischen Kläger sei durch die Darstellung der Maus mit Bart kein persönlicher Schaden entstanden.

Micky als (Un)heiliger: Weil er in einer Moskauer Ausstellung Micky auf Heiligenbildern zeigte, wurde der russische Kunsthistoriker Andrej Jerofejew 2010 wegen "Aufwiegelung zu religiösem Hass" zu einer Geldstrafe verurteilt. Ihm hatten sogar drei Jahre Lagerhaft gedroht, weil er mit seiner Micky Maus laut Gericht "psycho-traumatische Leiden" bei Gläubigen hervorgerufen hatte.

Micky in Nordkorea: Micky Maus ist einer von ganz wenigen US-Amerikanern, der in der kommunistischen Diktatur Nordkorea auf offener Bühne gefeiert wurde. Bei einem Konzert in Pjöngjang zu seinen Ehren ließ der "Oberste Führer" Kim Jong Un 2012 Schauspieler in den Kostümen von Micky Maus und anderen Disney-Helden über die Bühne tanzen. Die Fernsehzuschauer in dem abgeschotteten Land rieben sich verwundert die Augen, und die staatliche Nachrichtenagentur KCNA rühmte Kims "dramatische Wende auf dem Feld der Kunst".

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