Wiederkehrendes Problem in der Serie „The Walking Dead“: Zombiemassen schieben sich heran...

© /Gene Page/AMC

Zombieserie
02/28/2016

Apokalypse im Schneckentempo

Warum nur funktioniert "The Walking Dead" so gut? Die Macher haben auch keine rechte Ahnung. Faktum ist: Der TV-Weltuntergang zieht die Menschen an.

von Philipp Wilhelmer

Wer Horrorfilme mag, kennt sich mit Zombies aus. Aber wer mag schon Horrorfilme? Die US-Serie "The Walking Dead" schickt sich in ihren mittlerweile sechs Staffeln an, alle Vorurteile gegen das Genre in Grund und Boden zu stampfen. Beziehungsweise: Den Zombies zum Fraß vorzuwerfen. Die Sender fahren damit Topquoten ein. Und wo die Schauspieler zu ihren Fan-Events auftauchen, stehen kreischende Teenies neben andächtigen Erwachsenen – sie warten einmütig auf Selfies und Autogramme.

Videothek-Regeln

Was ist da los? Zunächst einmal die überlieferten Zombieregeln: Wer stirbt oder gebissen wird, verwandelt sich in einen Untoten. Und der kann grunzen, schlurfen und gnadenlos alles Lebende verschlingen. Dagegen hilft nur ein Stich oder ein Schuss ins Gehirn. Sehr gefährlich wird es, wenn es hunderte oder tausende modernde "Walker" in die eigene Richtung wanken. Bei "The Walking Dead" gerät dieses kindische Regelwerk aus den hinteren Regalreihen alter Videotheken zu einer unerwartet genialen dramaturgischen Klammer: Was passiert mit Menschen, wenn sämtliche Infrastruktur ausfällt und potenziell hinter jeder Ecke ein Angriff lauert? In "The Walking Dead" wird diese Apokalypse im Schneckentempo Staffel für Staffel in nahezu sadistischer Ausführlichkeit beantwortet. Und man bekommt davon nicht genug.

Den Machern ist der von Staffel zu Staffel steigende Erfolg selbst ein bisschen unheimlich. "Wir haben ein Publikum von 12 bis 80. Das ist ziemlich ungewöhnlich für eine Genre-Serie, in der in jeder Folge Köpfe abgehackt werden", resümiert Regisseur und Co-Produzent Greg Nicotero in Madrid im Gespräch mitJournalisten. Der 52-jährige langhaarige Zombie-Fan, der als junger Mann beim Kult-Horrorregisseur George Romero anheuerte, ist sichtlich aufgekratzt.

Seine These: "Es ist eine großartige Survival-Story. Das Drama entsteht dabei, dass wir uns selbst in die Lage der Überlebenden versetzen: Wie würden wir uns verhalten?" Er glaubt, dass der verdiente Erfolg bei Kritikern und Sehern eigentlich ausblieb, weil es eben um Zombies geht: "Alles, was aus dem Genre-Film kommt, trägt ein Stigma. Das ist auch ein Grund dafür, dass die Show nicht genug anerkannt wird." Vor allem bei Awards – sagt er. So ist das nunmal mit Zombie-Geschichten: "Sie werden als nicht anspruchsvolle Unterhaltung betrachtet – das geht zurück bis in die Siebziger und Achtziger."

Walkers überall

Derzeit befinden wir uns mit den Protagonisten in der zweiten Hälfte der Staffel sechs. Jeden Sonntag läuft eine neue Folge in den USA - im deutschsprachigen Sprachraum bringt sie der Pay-TV-Sender Fox (z.B. via Sky empfangbar) weniger als 24 Stunden später als Erstausstrahlung. Der Hype gibt dem Sender derzeit Recht: Keine Serie zieht bei Fox derzeit mehr Publikum an. Bis zu 430.000 sind von Folge zu Folge in Deutschland dran, für die kleine Seherschaft des Nischensenders eine Sensation. Und das Beste ist: Bei den Sehern scheint das Zombievirus ansteckend zu sein.

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