Weniger Lehrstellen, mehr Frauen ohne Job: Arbeitslosigkeit steigt weiter
Zusammenfassung
- Die Arbeitslosigkeit in Österreich stieg im Jänner 2026 auf rund 456.200 Personen, was einem Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
- Die wirtschaftliche Stagnation hält an, jedoch wird für 2026 ein leichtes Wachstum von 0,5 Prozent erwartet, das mittelfristig positive Impulse für den Arbeitsmarkt bringen könnte.
- Die Jugendarbeitslosigkeit bleibt stabil, aber die Lehrstellenlücke vergrößert sich, da die Zahl der Lehrstellensuchenden steigt und weniger offene Lehrstellen gemeldet werden.
Der österreichische Arbeitsmarkt bleibt auch im Jänner 2026 von den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Ende Jänner waren rund 379.800 Personen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von etwa 14.000 Personen bzw. 3,8 Prozent gegenüber dem Jänner des Vorjahres.
Die Register-Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte über dem Wert von Jänner 2025. „Der Arbeitsmarkt steht weiterhin unter dem Eindruck der schwachen Konjunktur, zeigt aber zugleich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Entscheidend ist, dass wir Menschen gezielt qualifizieren und besonders Jugendliche beim Einstieg in den Beruf unterstützen“, erklärt Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann via Aussendung.
Wirtschaftslage zeigt sich auch am Arbeitsmarkt
Österreich befinde sich weiterhin in einer Phase wirtschaftlicher Stagnation. Seit Mitte 2022 bleibe ein nennenswertes Wachstum aus, das Bruttoinlandsprodukt ging 2023 real um 0,8 Prozent und 2024 um 0,7 Prozent zurück.
Diese Entwicklung spiegle sich auch am Arbeitsmarkt wider. Immerhin: Für das Jahr 2026 erwarten sowohl das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) als auch das Institut für Höhere Studien (IHS) laut Prognosen vom Dezember 2025 ein leichtes Wirtschaftswachstum von rund 0,5 Prozent, das mittelfristig positive Impulse für Beschäftigung und Arbeitsmarkt setzen dürfte.
Die endgültigen Zahlen zur unselbstständigen Beschäftigung liegen erst Mitte Februar vor, deshalb gibt es für die nationale Berechnung der Arbeitslosenquote vorerst nur diese Schätzung. Gemäß der Berechnung der EU-Statistikbehörde Eurostat, die aufgrund einer anderen Erhebungsweise traditionell unter dem heimischen Wert liegt, gibt es vorerst nur Zahlen für Dezember: Demnach hatte sich da die Arbeitslosenquote hierzulande um 0,4 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent erhöht.
Über 76.400 Menschen in AMS-Schulungen
Von den fast 456.200 Menschen ohne Job im Jänner befanden sich 76.421 in Schulungen - das waren österreichweit um 3.346 Personen oder 4,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Rückläufig war die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Bundesländern Wien (minus 11,7 Prozent), Salzburg (minus 4,6 Prozent) und Vorarlberg (minus 1,8 Prozent). Überall sonst gab es mehr Menschen in AMS-Schulungen - am stärksten war der Anstieg in Tirol (plus 5,8 Prozent) und Oberösterreich (plus 5,1 Prozent).
Anstieg der Arbeitslosigkeit besonders bei Frauen
Die Arbeitslosigkeit von Frauen nahm zuletzt stärker zu (plus 7,0 %) als jene der Männer (plus 1,9 %). Bei österreichischen Staatsbürger:innen fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit plus 4,2 Prozent etwas höher aus als bei Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft (plus 3,3 %).
Mit dem anhaltenden Anstieg der Arbeitslosigkeit wachse auch die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen. Ende Jänner waren 101.536 Personen seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt. Das entspreche einem Anstieg von 12.569 Personen bzw. 14,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibe zudem konjunkturbedingt zurückhaltend. Ende Jänner 2026 waren beim AMS 68.463 sofort verfügbare offene Stellen gemeldet, um 10,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Jugendliche: Herausforderungen am Lehrstellenmarkt
Bei Jugendlichen zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Jugendarbeitslosigkeit entwickelte sich in den vergangenen Monaten weitgehend stabil und verzeichnete zuletzt wieder einen leichten Anstieg (plus 1,6 %). Gleichzeitig bleibe die Situation am Lehrstellenmarkt angespannt: Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden stieg im Jahresvergleich um 9,2 Prozent (plus 796), während die gemeldeten offenen Lehrstellen um 1.039 zurückgingen. Die Lehrstellenlücke weitete sich damit im Jänner 2026 auf rund 3.500 Stellen aus.
In nahezu allen Bundesländern übersteigt mittlerweile die Zahl der Lehrstellensuchenden jene der sofort verfügbaren offenen Lehrstellen. Lediglich in Oberösterreich, Salzburg und Tirol besteht weiterhin ein Lehrstellenüberhang.
"Diese Entwicklung wird durch strukturelle Veränderungen verstärkt", heißt es weiters. Die Zahl der Lehrlinge ging im Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent zurück. Gleichzeitig konzentriere sich die Lehrlingsausbildung zunehmend auf größere Betriebe, während kleinere Betriebe seltener ausbilden. Der Anteil der Lehrbetriebe an allen Arbeitgeberbetrieben würde damit weiter sinken.
Starkes Plus bei Akademikern, Menschen mit Behinderung und Älteren
Besonders stark von zunehmender Arbeitslosigkeit betroffen waren den Angaben zufolge Personen mit akademischer Ausbildung (plus 12,7 Prozent) und Personen mit Behinderung (plus 12,6 Prozent) und Über-60-Jährige (plus 12,1 Prozent). Die wenigsten Arbeitslosen gab es bei Personen mit mittlerer Ausbildung (21.164 Menschen).
Der anhaltende Anstieg der Arbeitslosigkeit trifft laut Sozialministerium aber vor allem auch die Langzeitbeschäftigungslosen. Ende Jänner seien 101.536 Menschen seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt gewesen - ein Anstieg von 12.569 Personen oder 14,1 Prozent.
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