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Wirtschaft
05/04/2020

Arbeitslosigkeit: "Müssen mit weiterem Anstieg im Winter rechnen"

AMS-Chef Buchinger fürchtet, dass im Jänner 2021 die Zahlen saisonal noch höher sein könnten. Im April waren 571.477 Österreicher ohne Job.

von Hermann Sileitsch-Parzer

571.477 Arbeitssuchende: So viele Menschen ohne Job wie im April 2020 gab es in Österreich überhaupt noch nie.

Um ähnlich hohe Arbeitslosenzahlen zu finden, muss man schon in die Nachkriegszeit Mitte der 1950er-Jahre zurückblättern. Und dabei ist das Schlimmste womöglich noch gar nicht bewältigt, befürchtet AMS-Vorstand Herbert Buchinger.

Saisonale Spitze

"Wir haben jetzt ein paar Monate vor uns, wo die Arbeitslosigkeit saisonbedingt zurückgehen wird und die Lockerungsmaßnahmen sich auswirken. Aber wir müssen im Herbst aus saisonalen Gründen mit einem neuerlichen Anstieg rechnen", warnte Buchinger am Montagabend in der ORF-ZiB2.

Damit ist nicht etwa die Gefahr einer zweiten Welle von Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeint: Wegen des Sommer- und Wintertourismus gibt es auch in "normalen" Jahren eine saisonale Spitze der Arbeitslosigkeit in den Monaten April und November.

Dazu kommt noch die sehr witterungsabhängige Bauindustrie. Zu Jahreswechsel 2020/'21 könnte somit ein neuerlicher Negativrekord erreicht werden.

Das sei aber abhängig davon, wie sich die Konjunktur weiter entwickle. Und es hänge auch von den "Gegensteuerungsmaßnahmen der Politik" ab, sagte Buchinger. So sei die Nachfrage von Aufträgen für die Bauwirtschaft entscheidend.

Besonders stark betroffen sind von der Arbeitslosigkeit aktuell der Tourismus und die Gastronomie. Hier müssen sich viele von Kurzarbeit betroffene Beschäftigte wohl darauf einstellen, dass diese um weitere drei Monate verlängert werde, so der Arbeitsmarktexperte. Buchinger geht davon aus, dass selbst wenn die Eindämmungsmaßnahmen gelockert sind, die Nachfrage nicht schlagartig auf das frühere Niveau zurückgekehrt sein wird.

Kurzarbeit neu

Die Sozialpartner verhandeln mit der Regierung darüber, wie die Kurzarbeit künftig gestaltet sein soll. Laut Buchinger hat die Evaluierung der Corona-Kurzarbeit ergeben, dass viele Betriebe mit der praktischen Umsetzung Schwierigkeiten haben. Die arbeitsrechtlichen Risiken sollten deshalb minimiert, die Bedingungen klarer gefasst werden.

Mehr Arbeitslosengeld, ja/nein?

Eine intensive politische Debatte wogt aktuell darüber, ob Arbeitslose mehr Geld erhalten sollten, um die Nachfrage zu stützen.

Die sogenannte Nettoersatzrate - also jener Anteil am Durchschnittsgehalt des vorangegangenen Jahres, den ein Arbeitsloser erhält - betrage in Österreich je nach Einkommenshöhe zwischen 56 und 80 Prozent, sagte Buchinger. Damit sei diese in Österreich im internationalen Vergleich tatsächlich vergleichsweise gering.

"Frage an die Politiker"

Allerdings habe es bereits erste Maßnahmen gegen eine drohende Armutskrise gegeben: Die Notstandshilfe wurde von zuvor 92 auf nunmehr 100 Prozent des Arbeitslosengeldes angehoben. Für die Frage, ob auch Arbeitslose mehr Geld erhalten sollten, sei er aber die falsche Ansprechperson, so Buchinger: "Das ist eine Frage an die Politiker."

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