Themenbild Tanken

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Wirtschaft
02/17/2022

Rekordpreise für Sprit: Alles halb so wild?

Preiserhöhungen wirken sich wenig auf die jährlichen Gesamtkosten eines Autos aus, sagt ein AK-Experte. Pendler sind trotzdem nicht begeistert.

von Thomas Pressberger

Geht es nach Heinz Högelsberger, wird die Höhe der Spritkosten überbewertet. Der Verkehrsexperte der Arbeiterkammer Wien ortet „eine Diskrepanz zwischen dem gefühlten Benzinpreis und den wahren Kosten“, die durch ein Auto anfallen. Denn der Großteil der Kosten entstehe u.a. durch Wertverlust, Versicherung, Reparaturen oder Abgaben wie die Vignette.

84 Euro pro Jahr

„Jeder weiß, wie viel ein Liter Sprit kostet, wie viel eine Kilowattstunde Strom kostet, aber nicht“, sagt Högelsberger. Beim Tanken auf der Tankstelle sei der Preis eben sichtbarer und erscheine vielen überproportional hoch. Tatsächlich machen die Spritkosten aber „nur“ elf Prozent der Gesamtkosten aus, im Schnitt pro Monat etwa 50 Euro. Eine ÖAMTC-Umfrage bestätigt Högelsbergers These: 91 Prozent der Autofahrer sind der Meinung, dass Tanken das Budget besonders belastet.

Högelsberger rechnet vor, wie Spritpreiserhöhungen tatsächlich ins Gewicht fallen: Laut Statistik Austria sind rund 60 Prozent der 3,8 Millionen unselbstständig Erwerbstätigen Pendler. Im Durchschnitt sind sie am Weg in die Arbeit 17 Kilometer und 27 Minuten je Richtung unterwegs, 70 Prozent fahren mit dem Auto.

Bei 35 Kilometern und 200 Arbeitstagen wird 7.000 Kilometer gependelt. Ein Pkw mit einem Verbrauch von sechs Litern auf 100 Kilometern verbraucht dabei 420 Liter Treibstoff. 20 Cent Preiserhöhung für Sprit ergibt Mehrkosten von 84 Euro jährlich.

Nimmt man das amtliche Kilometer-Geld als Grundlage für die tatsächlichen Pkw-Kosten, so kommt man bei diesem Beispiel auf 2.940 Euro. „Das Klimaticket kostet in Österreich hingegen nur 1.095 Euro. Daher sind gute Öffis so wichtig“, sagt Högelsberger. Leider gebe es hier noch weiße Flecken, wie im Waldviertel, in der Südost-Steiermark, im Südburgenland oder im Bezirk Liezen.

Auf das Auto angewiesen

„20 Prozent der Bevölkerung haben keinen richtigen Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln“, meint Högelsberger. Das Problem sei, dass im Schnitt zwar nur drei Kilometer zwischen Wohnort und öffentlichem Verkehrsmittel fehlen würden, viele aber gleich die ganze Strecke in die Arbeit mit dem Auto fahren würden.

„Der überwiegende Teil der Pendler ist am Land auf das eigene Fahrzeug angewiesen“, sagt Franz Gosch, Obmann der Pendlerinitiative Österreich. Deshalb sei es sehr wohl wesentlich, wie sich die Kosten entwickeln würden. Es stimme zwar, dass der Spritpreis nur einen Teil dieser Kosten ausmache, jedoch auch Neuanschaffungen und Versicherungen würden ja teurer werden.

Einkommensverlust

In Summe seien steigende Spritpreise deshalb ein Faktor, der zu einem Einkommensverlust von Autofahrern führen würde. Das Klimaticket sei ein Erfolg, aber die Frage sei nicht nur, wo öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stünden, sondern in welcher Zeitspanne und wann man seinen Arbeitsplatz erreichen könne.

„Wenn die Spritpreise weiter steigen, sollte es eine Höchstgrenze geben“, sagt Gosch. Dies könnte durch eine Reduktion der Steuern auf Sprit geschehen. Vater Staat schneide bei den hohen Preisen nämlich recht gut mit. Die Mineralöl- und die Mehrwertsteuer machen 50 Prozent des Spritpreises aus, so Gosch. Er hofft, dass sich die Lage bald etwas entspannt: „Experten meinen, dass die Obergrenze bald erreicht sein wird und die Preise wieder leicht zurückgehen könnten.“

Ein kleiner Trost für Autofahrer: Der Preis für Diesel war zwar mit 1,477 Euro zuletzt auf einem Höchststand, dennoch kostet der Liter hierzulande um zwölf Cent weniger als im EU-Durchschnitt, vermeldet der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Unter Berücksichtigung der Inflation ist der Sprit vor einigen Jahren sogar teurer gewesen als heute.

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