Agrana mit geringerem Verlust im Zuckergeschäft

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Wirtschaft
01/14/2021

Agrana 2020 "weit entfernt vom Jammern"

Laufende Coronatests bei Mitarbeitern. Vorstandschef Marihart geht mit Ende Februar als CEO in den Ruhestand.

Der b√∂rsennotierte Agrana-Konzern ist eine jener Firmen, die ganz gut durch die Coronakrise steuern. Nach den ersten neun Monaten des laufenden Gesch√§ftsjahres 2020/21 - dem letzten mit Langzeit-Generaldirektor Johann Marihart an der Spitze - ist der Konzerngewinn mit knapp 54 Mio. Euro um ein Viertel h√∂her als im Jahr davor. In √Ėsterreich testet die Firma ihre hier 2.000 Mitarbeiter freiwillig zwei Mal w√∂chentlich auf Corona.

"Corona macht es nicht einfach", hielt Marihart im Gespräch mit der APA am Donnerstag grundsätzlich fest. "Aber auch wenn wir manche schwächere Märkte haben: Da wir Lebensmittel erzeugen und auch Rohstoffe zur Kartonerzeugung liefern - Stichwort Versandhandel - sind wir weit entfernt vom Jammern."

Die Mitarbeiter-Coronatests finden seit gut zwei Monaten statt. Der Konzern l√§sst sich diese in √Ėsterreich rund 20.000 Euro pro Woche kosten. "Die Mitarbeiter betrachten es als Service. Jeder f√ľhlt sich nach einem negativen Test wohler", sagt der Generaldirektor. Die Tests f√ľhrten zudem zu einer Sensibilisierung rund um die Coronathematik. "Jedenfalls verhindern wir damit Clusterbildungen, auch wenn wir bisher nur vereinzelte positive F√§lle registriert haben."

Marihart-Appell zur Einf√ľhrung von E10-Treibstoff

Der scheidende Vorstandschef hat vor seinem operativen Abschied auch noch dringend an die Bundesregierung appelliert, endlich und wie eigentlich schon lange geplant E10-Treibstoff einzuf√ľhren. Statt f√ľnf Prozent sollen dem Sprit - wie eigentlich seit 2010 geplant - endlich zehn Prozent Bioethanol beigemischt werden. "Diese M√∂glichkeit zur CO2-Entlastung wird nicht genutzt", kritisierte Marihart √ĖVP und Gr√ľne. "Wieso sollen wir das Bioethanol nach Rotterdam liefern, wenn wir es auch in √Ėsterreich beimischen k√∂nnten", fragte er. "Es geht schon auch um die Verl√§sslichkeit der Politik. Das steht im Regierungsprogramm." Signale zur Umsetzung gebe es bisher aber keine.

Mariharts Karriere als Agrana-CEO endet am 28. Februar. Dann l√§uft das Mandat des TU-Absolventen der technischen Chemie aus. 45 Jahre war er in dem Bereich t√§tig, begonnen 1976 in der St√§rkefabrik in Gm√ľnd in Nieder√∂sterreich. Ab der Gr√ľndung der Agrana 1988 war er im Vorstand, ab 1992 Vorstandsvorsitzender. Einen Nachfolger wird der Aufsichtsrat der Agrana erst benennen.

Langweilig wird Marihart, der 1950 in Eggenburg in Nieder√∂sterreich geboren wurde, aber nicht werden. Einerseits zeigte er sich auf Nachfrage daf√ľr offen, der Agrana beratend erhalten zu bleiben, sollte das gew√ľnscht werden. Andererseits hat er eine Reihe anderer Funktionen, die zum Teil erst k√ľrzlich verl√§ngert wurden. So ist Marihart f√ľr die kommenden f√ľnf Jahre als Fachverbandsobmann der Nahrungsmittelindustrie in der Wirtschaftskammer (WK√Ė) gew√§hlt. Zudem ist er Aufsichtsratschef des T√úV-√Ėsterreich und der Spanischen Hofreitschule. Weiters ist er etwa in den Aufsichtsr√§ten der Forschungsf√∂rderungsgesellschaft (FFG) und der Bundesbeschaffungsbeh√∂rde jeweils stellvertretender Vorsitzender.

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