© Getty Images/Science Photo Libra/Science Photo Library/Getty Images

Wirtschaft
01/09/2022

Abnehm-Industrie: Mit Schlankmachern dick im Geschäft

Werbebudgets und der Wunsch nach schnellen Lösungen treiben den Markt, aber nicht die Wirkung.

von Melanie Klug

Neues Jahr, neues Ich. Für viele ist der Jahreswechsel die Zeit der guten Vorsätze. Ein Klassiker: das Abnehmen. Rasch und einfach, wenn möglich. Hier ist die Industrie mit verschiedensten Angeboten zur Stelle, die schnelle Hilfe versprechen. Drogerie- und Apothekenregale, Fitnesscenter und nicht zuletzt das Internet sind voll mit Pillen, Pulver, Säften, Schlankheitstees ...

Der Umsatz dieser vermeintlichen Schlankmacher – er ist  traditionell  im ersten Quartal am höchsten –  lässt sich nur schwer in Zahlen fassen. Das Unternehmen Insight Health sammelt medizinische Marktdaten und wertet diese aus. „Der Hauptmarkt von Abnehmprodukten sind längst nicht mehr die Apotheken. Die Verkaufszahlen sind in den letzten vier Jahren rückläufig, was vermutlich am Aufkommen von  wesentlich schnelllebigeren Vertriebskanälen liegt“, sagt die Österreich Chefin von Insight Health, Ursula Scheithauer. „Es ist ein Markt, der von viel Werbung lebt. Steckt man viel Werbebudget rein, kommt auch sehr viel raus. In dem Moment, wo man aufhört, sinken auch die Umsätze.“

Schwierige Abgrenzung

Der Umsatz von Abnehmprodukten belief sich laut den Erfassungen von Insight Health 2021 auf 7,65 Millionen  Euro –  das mache 0,54 Prozent vom Gesamtumsatz aus. Den ganzen Markt in Zahlen zu fassen, sei aber schwierig, bestätigt die Wirtschaftskammer. Neben den schwer zu überblickenden Vertriebskanälen sei auch die Abgrenzung unter den Produkten schwierig.

Jedenfalls stecken Millionen im  Geschäft mit der schlanken Linie. Unternehmen wie Almased, in Deutschland lange Zeit Marktführer in Sachen Diätdrink, profitieren von der Marktdynamik. Der Jahresumsatz wurde zu Spitzenzeiten auf 100 Millionen Euro geschätzt.   2015 hat ein Gericht entschieden, dass nicht mehr mit konkreten Angaben zu Dauer und Ausmaß der Gewichtsreduktion geworben werden dürfe. Der Shake wird weiter von Apotheken vertrieben.

Gefährliche Diätpillen

Mitunter nicht nur unwirksam, sondern auch gesundheitsgefährdend könnten Diätpillen sein. Sie versprechen „gesundes Abnehmen“, laut aktuellem Warentest Deutschland  klagten aber einige Tester von Prima Kapseln  über leichtes Herzrasen. Es gibt jedoch auch Produkte, bei denen die gewünschte Wirkung eintritt.

Influencer

Der Wunsch nach dem perfekten Körper hat auch zahlreiche Fitness-Influencer reich gemacht – und das mit teils fragwürdigen Methoden. Die Australierin Kayla Itsines – sie hat  13,8 Millionen Follower auf Instagram – bietet kostenpflichtige Online-Trainingseinheiten an und bewirbt diese mit Vorher-Nachher-Fotos ihrer Kundinnen. Dass derart viele Frauen innerhalb kurzer Zeit  deutlich abgezeichnete Bauchmuskeln entwickeln, halten Experten für unmöglich. Nur jede dritte Frau hätte überhaupt die Veranlagung dazu. Der Vorwurf der Bildbearbeitung stand nicht nur einmal im Raum.

Nicht nur Shakes, auch Schlankheitstees sind ein Renner. Promis und Influencer haben Teemischungen   angepriesen, die beim Abnehmen helfen sollen. Die Tees versprechen einen gesunden Lifestyle, und der kostet: 100 Gramm Tee (oft eine Früchteteemischung mit Süßungsmittel), machen um die 15 Euro aus. Explizit behaupten die Hersteller nicht, dass der Tee schlank macht, denn das wäre nicht erlaubt.

Regulierte Werbung

Seit 2007 ist das Werben mit schlank machenden Aussagen seitens der EU streng reguliert. Die sogenannte Health Claims Verordnung will damit vor Irreführung schützen. Anbieter finden aber Lösungen. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln nutzen diese Möglichkeit, um etwa Mineralstoffe, die für Gesundheitsaussagen zugelassen sind, in ihre Präparate zu mischen, um so mit ihnen zu werben.

Zum Beispiel könnte behauptet werden, dass Zink zu einem normalen Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beiträgt, wenn Zink im Präparat enthalten ist. Kombiniert mit einer schlanken Silhouette, kann der Eindruck entstehen, dass das Produkt beim Abnehmen helfe, ohne dies explizit zu behaupten.

Gesundheit

Klarheit im Dickicht von Inhaltsstoffen und Versprechungen versucht die Konsumentenschutzabteilung Arbeiterkammer (AK) mit Broschüren zu schaffen.  Sie warnt vor Schmähs, die „mehr oder weniger teuer bezahlt werden  – im Extremfall sogar mit der Gesundheit“.

Die Ärztin und Präsidentin der Österreichischen Adipositas Gesellschaft, Johanna Brix, findet Produkte, die schnelle Lösungen versprechen problematisch. „Ein komplexes Problem kann nicht immer mit einer einfachen Lösung gelöst werden. So funktioniert unser Körper nicht. Diese Produkte suggerieren das aber und werden nicht geprüft.“

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.