© APA/dpa/Ingo Wagner

Wirtschaft
03/22/2019

Abgehoben: Bei schlechter Führung laufen Fachkräfte schnell davon

Ein Fünftel der Mitarbeiter verlässt wegen Unzufriedenheit das Unternehmen, weitere 13 Prozent mangels positiver Erlebnisse.

"Unerwünschte Fluktuation lässt sich nicht durch eine bloße Gehaltserhöhung aus der Welt schaffen. Ein überdurchschnittliches Gehalt sorgt nur kurzfristig für einen Motivationsschub. Um das Problem langfristig zu lösen, muss man sich aber kritisch mit der Qualität der Führungsarbeit und deren Weiterentwicklung auseinandersetzen“, weiß Florian Brence, Senior Manager von Deloitte Österreich.

Fakt ist nämlich: Österreichische Unternehmen kämpfen zunehmend mit einer hohen ungewollten Mitarbeiterfluktuation. Das kommt den Betrieben vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Fachkräftemangels teuer zu stehen.Das Beratungsunternehmen Deloitte hat österreichweit 110 Führungskräfte zum Thema Mitarbeiterfluktuation befragt. Die Analyse der Ergebnisse beweist: Die Unternehmen wissen viel zu wenig über von Fluktuation betroffene Bereiche und Personengruppen Bescheid.

„Die Unternehmen weisen beim Thema Fluktuation erhebliche Wissenslücken auf. 57 Prozent der befragten Führungskräfte konnten keine Aussage zu den von Fluktuation betroffenen Berufsgruppen machen. Dadurch verfehlen gute Ansätze oft ihr Ziel und gehen an den Bedürfnissen der Mitarbeiter vorbei“, erklärt Florian Brence, Senior Manager bei Deloitte Österreich.

Schlechte Führung

Als häufigsten Austrittsgrund nennen 19 Prozent der Befragten Unzufriedenheit mit der Führung, gefolgt vom Thema Gehalt. Auch mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten sind laut Umfrage ein großer Unzufriedenheitsfaktor. 13 Prozent sehen hohe Fluktuationsbewegungen in fehlenden positiven Mitarbeitererlebnissen begründet.

„Unerwünschte Fluktuation lässt sich nicht durch eine bloße Gehaltserhöhung aus der Welt schaffen. Ein überdurchschnittliches Gehalt sorgt nur kurzfristig für einen Motivationsschub. Um das Problem langfristig zu lösen, muss man sich aber kritisch mit der Qualität der Führungsarbeit und deren Weiterentwicklung auseinandersetzen“, sagt Florian Brence.

Hohe Kosten und Marktnachteile

Fluktuation ist eine kostspielige Angelegenheit. Die durchschnittlichen Fluktuationskosten liegen laut Berechnungen von Deloitte bei rund 14.900 Euro pro Stelle. Mit der Unternehmensgröße steigen auch die Kosten. Betriebe mit weniger als 100 Mitarbeitern zahlen für jede ungewollte Fluktuation im Durchschnitt 13.705 Euro. Bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern belaufen sich die Gesamtkosten sogar auf 17.159 Euro.

„Neben dem Kostenfaktor wirkt sich Fluktuation auch auf die Unternehmensaktivitäten negativ aus. Durch die überdurchschnittlich hohe Fluktuation in Vertriebseinheiten leidet die Kunden- und Serviceorientierung. Im IT-Bereich werden beispielsweise vor allem laufende Digitalisierungsaktivitäten ausgebremst“, sagt Brence.

Konkrete Gegenmaßnahmen notwendig

Die Investition in strategische Maßnahmen gegen ungewollte Fluktuation zahlt sich laut Deloitte also aus. Laut Umfrage setzen einige Unternehmen bereits an den richtigen Stellen an. 17 Prozent investieren bereits in die Führungskräfteentwicklung. Auch Weiterbildungsmöglichkeiten werden von 18 Prozent gefördert. Nach wie vor treffen aber 9 % der befragten Unternehmen noch gar keine Maßnahmen gegen unerwünschte Fluktuation, die überwiegende Mehrheit bewegt sich in einem Graubereich.

„Die Gesamtfluktuation ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, vor allem Schlüsselpositionen sind stark betroffen. Unternehmen sind gefordert aktiv gegenzusteuern, denn der Verlust von qualifizierten Schlüsselkräften wirkt sich langfristig negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg aus“, betont Florian Brence.