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Yoga bei Depressionen: Atmen als Antidepressivum
11/23/2016

Yoga bei Depressionen: Atmen als Antidepressivum

Atemtechniken, die beim Yoga angewandt werden, könnten Menschen mit Depressionen helfen. Forscher der rennomierten University of Pennsylvania haben dazu eine Studie veröffentlicht.

Weltweit sind über 350 Millionen Menschen verschiedenster Altersgruppen von Depressionen betroffen, in Österreich leiden um die 800.000 Menschen an depressiven Erkrankungen. Allein in den USA werden 41 Millionen Menschen mit Antidepressiva behandelt. Rund die Hälfte davon spricht nicht wie gewünscht auf die Therapie an. Meist wird versucht, dem geringen Wirkungserfolg mit Zusatztherapien entgegenzusteuern. Das geht wiederum nicht selten mit unangenehmen Nebenwirkungen und einer zusätzlichen psychischen Belastung beim Betroffenen einher.

Angesichts der hohen Zahl an Patienten, die nicht hinreichend mit derartigen Präparaten behandelt werden können, scheint die Notwenigkeit von alternativen Heilmethoden evident. Das betont auch Anup Sharma, Forscherin an der Psychiatrischen Fakultät der University of Pennsylvania und Leiterin der aktuellen Studie zur Yoga-Atmung, in ihrem Forschungsbericht im Journal of Clinical Psychiatry.

Im Zuge der Studie wurden 25 Probanden mit Depressionen untersucht, bei denen die Symptome trotz mehrwöchiger medikamentöser Behandlung nicht zurückgingen. Die Testpersonen wurden dabei zufällig der Yoga-Gruppe, die ein achtwöchiges Yogaprogramm absolvieren musste, oder der Kontrollgruppe (kein Yoga) zugewiesen.

Yoga als Antidepressivum

Die Mitglieder der Yoga-Gruppe nahmen in der ersten Woche an insgesamt sechs Yoga-Einheiten teil. Darin wurden die Yoga-Atemtechnik Sudarshan Kriya, verschiedene Übungen und Meditation praktiziert. In den folgenden sieben Wochen nahmen die Probanden wöchentlich an Yoga-Kursen teil und wurden angewiesen die Atemübungen auch zuhause regelmäßig durchzuführen. Anschließend wurden Befragungen zum Befinden der Patienten durchgeführt. Die Kontrollgruppe konnte nach Abschluss der Studie ebenfalls die Yoga-Therapie in Anspruch nehmen.

Die Atmung ist beim Yoga zentral, denn sie verbindet Körper und Geist. Bei Sudarshan Kriya handelt es sich um eine der umfassendsten Atemtechniken, die sich aus der Wissenschaft des Yoga ableiten. Die meditative Atemtechnik nutzt einen bestimmten Atemrhythmus, um Stress abzubauen, Organe und andere Körpersysteme zu unterstützen, Gefühle zu transformieren und den Geist zu beruhigen.

Wegweiser in puncto alternative Heilmethoden

In der Analyse der erhobenen Daten zeigte sich, dass bei den Mitgliedern der Yoga-Gruppe eine signifikante Verbesserung des psychischen Zustandes eintrat. "Wir haben eine vielversprechende, kostengünstige Therapiemethode gefunden, die potenziell ein effektiver, nicht medikamentöser Ansatz für Patienten sein könnte, die mit der Erkrankung zu kämpfen haben", so Sharma. Die Studie sei damit wegweisend für die alternative Behandlung von Patienten mit Depressionen. Größer angelegte Forschungen müssten nun die genaue Wirkung der Atemtechniken auf das Gehirn evaluieren.

Depressionen als weltweites Problem

Einer Prognose der WHO zufolge werden Depressionen in den kommenden 15 Jahren zur Volkskrankheit und damit zur häufigsten Erkrankung nach Krebs und Herz-Kreislauf-Problemen. Obwohl es mittlerweile zahlreiche, effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt, können nur weniger als die Hälfte der weltweit betroffenen Menschen diese in Anspruch nehmen. In vielen Ländern liegt die Behandlungsrate gar bei unter zehn Prozent. Die Gründe dafür liegen laut WHO vor allem in individuellen und nationalen Ressourcenmängeln, dem eingeschränkten Zugang zu medizinischen Dienstleistungen und den sozialen Stigmata, die mit psychischen Erkrankungen in Verbindung stehen.

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