Wellness | Sorglosessen
20.11.2017

Wie hastiges Essen der Gesundheit schadet

Nahrung unkontrolliert in sich hineinzuschaufeln gilt als ungesund. Forscher aus Japan konnten nun nachweisen, wie schädlich hastiges Essen wirklich ist.

Sich Zeit fürs Essen zu nehmen, ist aus vielen Gründen ratsam. Unter anderem kann man dadurch Blähungen und Sodbrennen vorbeugen. Eine japanische Studie, die kürzlich bei einem Kongress der American Heart Association in Kalifornien vorgestellt wurde, legt außerdem nahe, dass hastiges Essen Schlaganfälle, diverse Herzerkrankungen und Diabetes begünstigen könnte. Das berichtet das Magazin Time.

Große Langzeitstudie

Für die Erhebung rekrutierte der Kardiologe Takayuki Yamaji von der Universität Hiroshima zusammen mit seinem Team im Jahr 2008 über 1.000 gesunde Japaner. Die Probanden wurden gebeten ihre Ernährungsgewohnheiten bezüglich ihrer Essgeschwindigkeit aufzuzeichnen. In den fünf darauffolgenden Jahren wurden die Teilnehmer regelmäßig durchgecheckt, um ihre gesundheitliche Verfassung – und etwaige Veränderungen – zu analysieren.

Nachdem die Langzeitstudie beendet wurde, wiesen in Summe 84 Menschen Anzeichen des metabolischen Syndroms auf. Das metabolische Syndrom, auch als tödliches Quartett bekannt, wird heute neben dem Rauchen als der entscheidende Risikofaktor für Erkrankungen der arteriellen Gefäße, insbesondere die Verhärtung der Herzkranzgefäße, angesehen. Es ist unter anderem durch bauchbetontes Übergewicht, Bluthochdruck und erniedrigtes HDL-Cholesterin gekennzeichnet.

Schnellessen schadet dem Körper

Die japanischen Wissenschafter konnten einen deutlichen Zusammenhang zwischen schneller Nahrungsaufnahme und den genannten Risikofaktoren feststellen. Insgesamt erkrankten 11,6 Prozent der Schnellesser am metabolischen Syndrom. Unter den Normalessern waren es nur 6,5 Prozent, bei langesamen Essern sank der Wert auf 2,3 Prozent. Personen, die besonders schnell aßen, hatten auch ein höheres Körpergewicht, einen größeren Taillenumfang und höhere Blutzuckerwerte.

Für Nieca Goldberg, Kardiologin und Sprecherin der American Heart Association, sind die neuen Erkenntnisse nicht überraschend. Schnelles Essen sei auch in früheren Studien bereits mehrfach mit einem erhöhten Körpergewicht und anderen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht worden, sagte sie im Rahmen des Kongresses. "Man isst wahrscheinlich mehr, wenn man so schnell isst. Man hat tatsächlich keine Ahnung, was man alles gegessen hat. Wenn man langsam isst, isst man viel bewusster. Man kaut das Essen dann richtig und man verlangsamt auch die Verdauung." Bedachtes Essen führe laut Goldberg auch zu einem schneller eintretenden Sättigungsgefühl.

30 Minuten einplanen

Wie viel Zeit man optimalerweise pro Mahlzeit einplanen sollte? Mindestens 30 Minuten, betont die Expertin. Zudem sei das Essen am Arbeitsplatz eine der ungesündesten Angewohnheiten überhaupt. "Man sollte in einer Umgebung essen, die förderlich für die Nahrungsaufnahme ist, also in der Küche, im Esszimmer, in einem Restaurant. Wenn es am Schreibtisch passiert, muss man währenddessen wirklich aufhören zu arbeiten. "

Wer zu hastigem Essen neigt, solle sich bewusst in langsamem Essen üben. Goldberg rät, Mahlzeiten zusammen mit Freunden einzunehmen, Speisen möglichst klein zu schneiden und die Gabel während dem Essen und Kauen niederzulegen.

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