Wellness
17.10.2017

Zuckerdrinks: Je teurer, desto unbeliebter

Vor zwei Jahren erhöhte Jamie Oliver in den britischen Filialen seiner Kette Jamie's Italian die Preise für zuckrige Softdrinks. Das zeigt Wirkung, wie eine neue Studie belegt.

Die Zuckerliebe der Menschen scheint grenzenlos – solange sie dem Börserl nicht schadet. Diese Annahme lässt zumindest eine neue Studie zu. Anlass der Erhebung zum Konsum von Softdrinks war eine Preiserhöhung, die Starkoch Jamie Oliver vor zwei Jahren in seinen Restaurants in Großbritannien einführte. Das berichtet unter anderem die BBC.

Höhere Preise, gesunde Alternativen

Der Gastronom hob die Preise von zuckerhaltigen Getränken um zehn Pence an. Parallel dazu bot Oliver in seinen Lokalen auch gesündere Getränkealternativen, beispielsweise zuckerarme gespritzte Fruchtsäfte, an. Ebenso verändert wurde das Design der Speisekarte, die Kunden wurden zudem informiert, dass der Gewinn, den das Restaurant durch die Preiserhöhung generiert, einem wohltätigen Zweck zugute kommt.

Binnen zwölf Wochen ging der Verkauf von zuckrigen Getränken um elf Prozent zurück. Nach sechs Monaten hatte sich der Wert bei etwas über neun Prozent eingependelt. Das geht aus der Studie, die im Fachblatt Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht wurde, hervor.

Mehr Leitungswasser

Die Forscher der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) und der University of Cambridge, die die Untersuchung zusammen durchführten, gaben in ihrem Bericht auch an, dass im Untersuchungszeitraum mehr Kunden Leitungswasser bestellten. Bei der Analyse der Verkaufszahlen der neu angebotenen Fruchtsäfte zeigte sich ein Anstieg von zwölf Prozent.

Studienautor Steven Cummins sagte im Interview mit der BBC über die Ergebnisse: "Eine kleine Gebühr für mit Zucker gesüßte Getränke, die in Restaurants verkauft werden, könnte, zusammen mit zusätzlichen Maßnahmen, das Potenzial haben, das Konsumverhalten der Kunden zu verändern." Ausgehend von der aktuellen Erhebung könne jedoch nicht gefolgert werden, ob die Preiserhöhung allein für die Veränderung der Konsumentenentscheidungen verantwortlich sei.

Kevin McConway, emeritierter Professor für Statistik an der Open University, hält es für plausibel, dass die Preissteigerung eine "wichtige Rolle gespielt hat", er gibt jedoch im Interview mit dem Guardian zu bedenken, dass weitere Studien, die auch andere Restaurants miteinbeziehen und über einen noch längeren Zeitraum stattfinden, notwendig seien, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Sondersteuer für Softdrinks

Angesichts weltweit steigender Übergewichtsraten und dem gesundheitlichen Schaden (Adipositas, Diabetes, Herzerkrankungen, Karies, etc.), der mit einem hohen Zuckerkonsum einhergeht, fordern Experten und die WHO seit geraumer Zeit einer Sondersteuer für Softdrinks. Großbritannien wird eine entsprechende Abgabe im April kommenden Jahres einführen. Die Steuer soll umgerechnet rund 660 Millionen Euro in die Staatskasse spülen. Das Geld soll in die Förderung von Sport an Volksschulen fließen. Starkoch Jamie Oliver, der sich seit Jahren für Ernährungsunterricht und gesundes Schulessen starkmacht, lobte den Vorstoß als "großartige Neuigkeiten" und schrieb im sozialen Netzwerk Instagram: "Ein bedeutender Vorstoß, der um die ganze Welt gegen wird."

Erst kürzlich war eine Ende Jänner veröffentlichte britische Studie zu dem Schluss gekommen, dass die Reduktion des Zuckergehalts in Softdrinks um 40 Prozent innerhalb von fünf Jahren eine Million Fälle von Fettsucht und 500.000 Fälle von Übergewicht in Großbritannien verhindern könnte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Forscher der University of California, Berkeley im vergangenen Jahr (mehr dazu hier).

Die WHO empfiehlt Erwachsenen maximal sechs bis zwölf Teelöffel reinen Zucker pro Tag zu sich zu nehmen. Das entspricht in etwa 50 Gramm. Eine weitere Reduktion der Zucker-Aufnahme auf unter sechs Teelöffel Zucker für Erwachsene hält die WHO für sinnvoll.

Wie man versteckte Zuckerfallen umgeht, erfahren Sie hier.