Die Wirkung von Kranbeeren auf Harnwegsinfekte gilt als umstritten.

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So wirkungsvoll ist Cranberrysaft wirklich
07/05/2016

So wirkungsvoll ist Cranberrysaft wirklich

Eine neue Studie über die entzündungshemmende Wirkung von Cranberrysaft lässt aufhorchen - und wirft gleichsam eine Menge Fragen auf.

Cranberrysaft wird seit jeher eine ganze Reihe positiver Effekte auf den menschlichen Körper nachgesagt. Als wirksames Hausmittel ist der rote Saft der Großfrüchtigen Moosbeere (auch Kranbeere genannt) vor allem von Blasenentzündungen geplagten Frauen ein Begriff. Neben abgefüllten Drinks hat sich daher seit geraumer Zeit auch ein Markt für Nahrungsergänzungsmittel mit dem Extrakt der roten Beere etabliert.

Doch was sich in unseren Breiten im kollektiven Hausverstand als gesundes Wundermittel festgesetzt hat, könnte möglicherweise zum größten Teil Humbug sein.

Der Mythos vom magischen Cranberrysaft

Eine aktuelle Studie, die im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, belegt, dass "der Konsum von Cranberrysaftgetränken die Anzahl klinischer Harnwegsinfekte bei Frauen mit medizinischer Vorbelastung senkt". Im Kontext der Tatsache, dass Harnwegsinfekte in der Schulmedizin klassischerweise und oft wiederholt mit Antibiotika behandelt werden und dadurch mitunter eine Kultur der Resistenz gegen antibiotische Wirkstoffe kultiviert wird, unterstreicht das Forscherteam die Relevanz von Cranberrysaft als alternative Behandlungsmethode.

Während das Ergebnis der Studie zwar durchaus Revolutionäres aufzuweisen scheint und aus wissenschaftlicher Perspektive korrekt und unter Einbindung einer Placebo-Gruppe durchgeführt wurde, wirft der Entstehungs- und Finanzierungshintergrund Fragen auf.

Ergebnisse "recht jämmerlich"

Wie Julia Belluz in einem Artikel auf dem Online-Portal vox.com aufzeigt, ist die zentrale Erkenntnis der Studie in absoluten Zahlen "recht jämmerlich". So sei Belluz zufolge lediglich belegt worden, dass das tägliche Trinken von Cranberrysaft über einen Zeitraum von 3,2 Jahren hinweg die für eine Harnwegsinfektion typischen Symptome bei den Testperson bekämpfen konnte. Die wesentliche Information liegt Belluz zufolge in der Formulierung, denn bei den betroffenen Probandinnen handelte es sich nicht um Patientinnen mit diagnostiziertem Harnwegsinfekt. Sie wiesen lediglich Symptome einer derartigen Erkrankung auf.

Belluz weist in ihrem Artikel auch auf den Einfluss des Finanzierungsaspekts im Zuge der Studie hin. Der Grund: Die aktuelle Studie wurde von Ocean Spray, dem weltweit größten Hersteller von Cranberryaft, in Auftrag gegeben. Zudem fänden sich unter den Autoren der Untersuchung wissenschaftliche Mitarbeiter des Konzerns. Es liegt demnach durchaus nahe, dass die Einflussnahme des Unternehmens in der Konzeption und Durchführung der Studie enorm war. Belluz zweifelt daher nicht nur die Validität der Ergebnisse, sondern vor allem das Wording der angeblich wegweisenden Publikation an.

Säfte meist wirkungslos

Die Wirkung der Inhaltsstoffe von Kranbeeren auf Harnwegsinfekte gilt seit Jahren als umstritten. Bereits in der Vergangenheit hatten Studien die weitgreifende Wirkung von Cranberrysäften in Frage gestellt und abgemildert. So sei in industriell hergestellten Säften und Nahrungsergänzungsmitteln kein annähernd ausreichender Anteil antioxidativen und entzündungshemmender Wirkstoffe (Oligomere Proanthocyanidine) enthalten. Doch damit nicht genug: Der hohe Zuckergehalt in derartigen Säften sei sogar kontraproduktiv für die Behandlung von Harnwegsinfekten. Die deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin beispielsweise erwähnt Cranberry zwar als traditionelles Heilmittel zur Behandlung von Harnwegsinfektionen, weist jedoch darauf hin, dass die wissenschaftliche Basis einer Behandlung mit pflanzlichen Drogen im Allgemeinen gering ist.

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