Wellness
13.12.2017

Frau trifft Nerv mit Posting über Angstzustände

Die Beschreibung einer 23-Jährigen über die verheerenden Auswirkungen einer Angststörung rief hunderttausende Reaktionen hervor.

Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen sind oftmals von außen nicht erkennbar. Die Symptome einer Angststörung sind vielfältig und reichen von Herzrasen bis hin zu Ohnmachts- oder Taubheitsgefühlen. Brittany Nichole Morefield, eine 23-jährige Visagistin aus Nashville, Hauptstadt des US-Bundesstaats Tennessee, brachte in einem Facebook-Posting vergangenen August mit eigenen Worten zum Ausdruck, was es bedeutet, mit einer Angststörung zu leben.

"So lange ich mich zurückerinnern kann, habe ich Angststörungen", sagte Morefield zu The Independent. "Lange Zeit und sogar noch jetzt hat meine Familie nicht verstanden, was 'falsch' ist. Mir wurde immer wieder gesagt, dass das alles nur in meinem Kopf stattfindet und dass ich einfach mehr schlafen muss." Das Posting habe sie dann inmitten einer Panikattacke, als eine Art Bewältigungsstrategie, verfasst. Über dem Text sieht man die Beine von Morefield, die zusammengekauert in einer Badewanne zu sitzen scheint. "Angst bedeutet nicht nur Schwierigkeiten beim Atmen zu haben", beginnt das Posting.

Ein Auszug aus dem darauf folgenden Text:

"Angst bedeutet, um drei Uhr in der Nacht aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, weil dein Herz rast. Angst bedeutet, ohne Grund in Panik auszubrechen. Angst bedeutet, sich über Dinge Sorgen zu machen, die real sind oder auch nicht. Angst bedeutet, deinen Glauben in Frage zu stellen. Wie könnte es mein Schöpfer auch erlauben, dass ich mich so fühle?! Angst bedeutet, deine Schwester drei Stunden bevor sie aufsteht, anzurufen, während du hoffst, dass sie abhebt, damit du mit deinen Gedanken von der Attacke wegkommst. Angst bedeutet eine Dusche um zwei Uhr in der Nacht. Angst bedeutet, dass sich deine Stimmung innerhalb weniger Minuten schlagartig ändert. Angst bedeutet, unkontrolliert zu zittern und zu zucken. Angst bedeutet, zu weinen, echte und schmerzhafte Tränen. Angst bedeutet Übelkeit."

Bei vielen Nutzern scheint Morefield mit ihrer Beschreibung einen Nerv getroffen zu haben, bisher wurde das Posting über 420.000 Mal geteilt und über 129.000 Mal gelikt. Die junge Frau scheint damit die lähmende und unvorhersehbare Art einer Angststörung deutlich erfasst zu haben. Sie selbst habe niemals mit einer so großen Anzahl an Reaktionen gerechnet, sagte Morefield zu The Independent. "Tausende Menschen lassen mich wissen, wie sehr ich ihr Leben damit beschrieben habe und wie erleichternd es für sie ist, zu wissen, dass sie nicht alleine sind."

Depressionen und Angst in Zahlen:

Die Angaben stammen von der Weltgesundheitsorganisation WHO:

25 % bis 30 % der Bevölkerung erleben in einem Jahr Depressions- oder Angstzustände.50 % der längeren Fehlzeiten in der Arbeit treten aufgrund von Depression oder Angst auf.50 % der schweren Depressionen in Europa werden nicht behandelt.176 Milliarden Euro machen die jährlich in der EU verursachten Kosten durch Stimmungsstörungen und Angst (z.B. Krankenstände) aus.

Sehen Sie keinen Ausweg? Scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu holen. Wo Sie diese finden:

Telefonseelsorge (bundesweit), 142, www.telefonseelsorge.at

Rat auf Draht (bundesweit, für Kinder und Jugendliche), 147, www.rataufdraht.orf.at

Vergiftungsinformationszentrale GÖG (bundesweit), 01 / 406 43 43, www.goeg.at/de/VIZ

Sozialpsychiatrischer Notdienst / PSD ( Wien), 01 / 313 30, www.psd-wien.at/psd

Krisentelefon (NÖ), 0800 / 20 20 16