Wellness 07.01.2018

Diese Sportarten machen Skifahren Konkurrenz

Skifahren ist nicht total out, aber andere Sportarten werden beliebter. © Bild: Getty Images/MilosStankovic/iStockphoto

Skitouren waren nur der Anfang. Eisklettern, Schneeschuhwandern, Fatbiken – Skifahren ist zwar nicht tot. Aber es hat Konkurrenz bekommen.

Jetzt gibt es sogar "Yoga im Schnee". Die Angebotstexte dafür preisen die "die zauberhafte Bergkulisse". Wie einzigartig das Erlebnis sei, in "kristallklarer Luft im knusprigen Schnee". Auf Fotos stehen junge Frauen im Schnee, mit perfekter Körperspannung aber ohne Schuhe. Sie tragen nur ein schulterfreies Fitness-Top, aber sie tragen es mit Würde. Vielleicht ist der Schnee auf dem Semmering, in Obertauern oder im Gasteiner Tal wärmer. Man weiß es nicht. Wieso Yoga im Schnee besser ist als, sagen wir: auf einem ordinären Lehmboden – das verraten die Anbieter an den genannten Orten nicht. Allerdings arbeitet der Körper in der Kälte immer mehr, verbraucht mehr Kalorien, in Höhenlagen tut er das auch. Und meditative Entspanntheit mit Bergkulisse, warum nicht.

Suche nach Alternativen

Wintersportliche Alternativen zum Alpin-Skilauf wurden schon immer gesucht, aber seit rund zehn Jahren mit Volldampf. In den 1980er-Jahren waren Ski-Bobs oder Monoski noch charismatische Einzelfälle, heute wird öffentlich diskutiert, ob Skitouren-Geher auf, neben oder nur fern der Piste den Berg erstapfen dürfen. Rodeln von Hüttengaudi bis Halbprofi, Snowkiten, Winter- und Schneeschuhwandern, Eislaufen und -klettern, Langlaufen, Eisstockschießen, Mountainbiken im Schnee ... jährlich kommen neue Trendsportarten dazu, Winterurlaube lassen sich längst ohne Liftnutzung gestalten. Übrigens: Die Ski-Bobs von früher heißen jetzt "Snowracer" und "Snowbike".

Skitouren sind längst vom Trend in die Riege der etablierten Bewegungsmuster aufgestiegen. Früher wussten nur echte Alpinisten, dass die wahre Freiheit erst beginnt, wo die Piste endet. Mittlerweile wurde der Off-Piste-Spaß zum Breitensport. Gut 50.000 Paar Tourenski werden jährlich abgesetzt, bis zu 700.000 Österreicher gehen auf Tour, dazu kommen in den heimischen Bergen 400.000 Deutsche und zunehmend Gäste aus dem Osten. Skitouren-Experte Martin Edlinger von den Naturfreunden erklärt den Boom mit der "Nähe zur Landschaft" und "weil man dem Trubel auf Pisten nicht ausgesetzt sein will".

Skitouren Osttirol
Osttirol Tourismus - Skitour - die neue Herz-Ass 4tagestour im Villgratental © Bild: TVB Osttirol/W9

Es geht den Menschen aber auch um Abenteuer. Immerhin erobert man den Berg per Skitour selbst, Schritt für Schritt. Man folgt keiner Piste, sondern Gelände und Gespür. Das hat vor allem die Winterdestination Osttirol erkannt. Denn wo Skifahrer von Pistenkilometern begeistert sind, klingen für Tourengeher "1500 Täler, die noch nie einen Lift gesehen haben, und 266 Dreitausender" wie Musik. Ein Prunkstück ist die Skitour "Hoch Tirol" – in sechs Tagen über 140 Kilometer und 18.000 Höhenmeter von Italien bis Kärnten.

Während diese Tour Anfängern gar nicht zu empfehlen ist, richtet sich das Skitouren-Festival an alle: Zum fünften Mal versammeln die Osttiroler Ende Jänner (siehe unten) Experten, Hobbysportler und Tour-Neulinge zum Austausch, für Vorträge, natürlich gemeinsame Touren – und Schulungen bei Ausrüstung und Sicherheit.

Denn ein Teil der Faszination beim Tourengehen ist das Ungesicherte. Außerdem ist es "umfangreicher", wie Edlinger sagt: "Ich muss das Gelände einschätzen und mit Schnee umgehen lernen." Dieses Wissen holt man sich am besten von erfahrenen Tour-isten. Oder bleibt besser im sogenannten "lawinensicheren" Bereich, also unter 30 Grad Hangneigung.

Fett biken, schlank sein

Die meisten Wintersport-Alternativen wurden aus Angst geboren: Die Forschung prognostizierte vor zehn Jahren einen bösen Abwärtstrend für den Wintertourismus, vor allem den Alpin-Skisport. Langlaufen war wenigen Älteren, Skitourengehen wenigen Extremen vorbehalten, sonst war nichts da. Im Nachhinein war der Alarmschrei zu laut– noch immer kommen drei Viertel aller Schneetouristen zum Skifahren oder Snowboarden. Nachhaltiger hallen die Warnrufe der Klimaforscher: Gletscherschmelze, warme Winter, kaum Schnee, Wüstensand im Skigebiet.

Yoga ließe sich aber auch ohne Schnee machen, man müsste nur die "glitzernde Winterlandschaft" zur glitzernden Wüstenlandschaft umtexten. Und den Mountainbike-Boom hat man sich für den Winter ohnehin nur geborgt. Man nennt es hier " Fatbiken". Wobei das Fatbike eh aus dem Sommer kommt, dort haben sich die bis zu zwölf Zentimeter dicken Reifen mit tiefem Noppenprofil aber nie durchgesetzt. Cool ja, sinnvoll nein, ab in den Schnee damit. Und schon werben Regionen damit, von Reutte in Tirol bis ins steirische Schladming. Hier werden sogar "geführte Touren in verschiedenen Schwierigkeitsgraden – auch bei Nacht" angeboten, beziehungsweise lassen sie, natürlich, "das Mountainbiker-Herz im Winter höherschlagen", erklärt Tourismuschef Mathias Schattleitner: "Egal ob Anfänger oder erfahrener Crack, jeder kommt beim Fatbiken auf seine Kosten. So kann die Winterlandschaft auf den fetten Bikes einmal aus einem anderen Blickwinkel erkundet werden."

Grafik, Martin Lugger, Osttirol Tourismus, Istock…
Grafik, Martin Lugger, Osttirol Tourismus, Istock © Bild: Grafik, Martin Lugger, Osttirol Tourismus, Istock

Fitnesswahn als Geburtshelfer

Alles Winterradeln, Schneeschuhwandern, Tourengehen und weißes Yoga hatte einen potenten Geburtshelfer: den ungebrochen grassierenden Fitnesswahn. Der war in seiner Urform hinderlich für Tourismus, Menschen bewegten sich a) daheim zu Fitnessvideos oder b) daheim auf Ergometern oder c) im Fitnesscenter. Outdoor war out. Aber dann schwatzte die Bekleidungsindustrie den Menschen urpraktische und ultracoole Hosen und Jacken auf, garnierte das mit Multifunktionswäsche. Plötzlich waren da Menschen mit schicker Outdoorgarderobe und der Fitnessdoktrin, wonach alles Kardio-Kreislauf-pulsgemessen sein muss, da passte das ordinäre Schnellkraft-Skifahren nur bedingt dazu. Außerdem kostet Skitouren 700 Kalorien/Stunde, Skifahren nur 450 (siehe rechts).

Als absoluter Kalorienvernichter gilt Langlaufen. Und das musste gar nicht erfunden, sondern nur entmottet werden. Wer heute ins Langlauf-Dreieck Pillersee-Hochfilzen-Fieberbrunn kommt, findet Hippes wie das "Fairhotel", ein Passivhotel als Mischung aus Designkomfort und Budgethotel, außerdem direkt an der Loipe. Die steirische Ramsau und das Ausseerland, Seefeld und Achensee in Tirol, Zell am See-Kaprun in Salzburg – die "Langlaufmekkas" boomen.

Langlauf Osttirol
Osttirol Tourismus (EXPA) Festival Langlaufen © Bild: EXPA / M. Gruber/Osttirol Tourismus/EXPA/Michael Gruber

Auch hier mischt sich Osttirol ein: Nicht nur, dass zwischen den Lienzer Dolomiten und den Karnischen Alpen das "größte Loipennetz Österreichs" liegt, holt man auch diesen Jänner beim Internationalen Dolomitenlauf, der größten Langlaufveranstaltung Österreichs, wiederum Profis und Interessierte zusammen, quasi Reinschnuppern mit Kulisse. Gerade bei Fans der nordischen Ski-Disziplinen weiß man schon lange, dass sie selbst sehr aktive Sportler sind. Apropos aktiv: Auf der Suche nach den "anderen" Winterbeschäftigungen fand man in Osttirol auch die Idee zweier Bergführer umsetzungswert: Der "Eispark Osttirol" mit 50 Routen bis zu 50 Metern Höhe gilt mittlerweile als Ort, den alle aufsuchen sollten, die einmal in die Eiswand steigen wollen. Und wieder wendet man sich mit einem Festival (unten) an erfahrene Kletterer und Anfänger, sogar Kinder. Der seltene Fall gemeinsamer Eltern-Kind-Betätigung ist also ein Eisfall.

Programm für Familien war generell Ansporn für die Entwicklung neuen Wintersports. Auch weil Skifahren durch aggressives Carvingmaterial schneller wurde, brauchte es einen gemütlichen Ausgleich. Der heißt dann "Fackelwanderung" oder "Schneeschuhwandern" oder schlicht "Winterwandern": Im Naturerlebnis Wipptal gibt es 70 Kilometer lange "sorgfältig geräumte Winterwanderwege". Wo die hinführen? Natürlich durch "verträumte Landschaft zu imposanten Ausblicken".

Wintersport braucht Pathos. So neu kann er gar nicht sein.

Alternativsport im Jänner

Dolomiten-Langlauf

Von 18. bis 21. 1. findet an mehreren Schauplätzen der 44. Internationale Dolomitenlauf statt. Die größte Langlaufveranstaltung Österreichs bringt bei mehreren Rennen Profis, Amateure und Anfänger zusammen. dolomitensport.at

Skitourenfestival

Von 25. bis 28. 1. treffen sich beim 5. Austria Skitourenfestivals im Villgratental Profis bis Einsteiger zum umfangreichen Programm: Fotoworkshop, Materialtests, Vorträge und Skitourensafaris auf den schönsten Routen. www.osttirol.com

Eisklettern für alle

Beim 3. Eisfestival (12. bis 14. 1.) in Osttirol können auch Einsteiger mitmachen. Ausrüstung wird gestellt, umfangreiches Programm. eisklettern.osttirol.com

( kurier.at ) Erstellt am 07.01.2018