K.o.-Tropfen auf Toilettenpapier bei Faschingsfeiern? Warnungen kursieren
Auf TikTok kursieren Warnungen vor K.o.-Tropfen, die in Clubs und zur Faschingszeit angeblich auf Toilettenpapier getropft werden: Wie realistisch ist so eine Übertragung? (Symbolbild)
"Es ist wichtig, hört mir zu. Ich war heute auf der Arbeit und meine Kollegin hat mir erzählt, dass ein Freund von ihr bei der Kripo ihr erzählt hat, dass aktuell K.o.-Tropfen nicht mehr in Getränke gemacht werden, sondern auf Klopapier", heißt es in einer Warnung einer TikTok-Nutzerin.
Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht rasant im Netz und sorgt vor allem bei jungen Frauen in den sozialen Medien für große Verunsicherung. Nicht nur auf Damentoiletten in Clubs oder Bars, sondern angeblich auch vermehrt zur Faschingszeit soll diese Methode Anwendung finden. Doch was ist an dieser Behauptung tatsächlich dran und wäre eine Übertagung von K.o.-Tropfen auf diese Weise überhaupt möglich?
Toilettenpapier angeblich mit K.o.-Tropfen beträufelt
Diese Hinweise auf K.o.-Tropfen verbeiten sich nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch über Messengerdienste wie WhatsApp. Vor allem Frauen sollen bei Faschingsfeiern achtsam sein, wenn sie die Toilette aufsuchen. Angeblich könnte das Toilettenpapier mit der betäubenden Substanz versehen sein und über die Schleimhäute aufgenommen werden.
Die Warnungen betreffen insbesondere Deutschland, doch den Polizeibehörden sind derartige Fälle nicht bekannt. In einer Mitteilung der Polizei Konstanz heißt es:
"Aktuell werden über soziale Netzwerke und Messenger-Dienste Warnmeldungen zu angeblichen K.-o.-Tropfen auf Toilettenpapier verbreitet, die für Verunsicherung sorgen. Nach aktuellem Stand liegen uns keine entsprechenden Fälle vor."
Den Beamten sei die Vorgehensweise nicht bekannt.
Mit K.o.-Tropfen (Knockout-Tropfen) ist ein Sammelbegriff für Substanzen wie etwa GHB und GBL gemeint, die schnell betäubend und enthemmend wirken. Wie das öffentliche Gesundheitsportal Österreichs berichtet, werden die farb- und geruchslosen K.o.-Tropfen "teils unbemerkt in Getränke oder Essen gemischt, um Menschen bewusstlos bzw. 'willenlos' zu machen."
Das Sozialministerium warnt, dass insbesondere Frauen und Mädchen betroffen sind. Täter verfolgen dabei meist die Absicht, ihre Opfer mit Verabreichung der Droge wehrlos gegenüber sexualisierter Gewalt und andere Straftaten zu machen.
Experten geben Entwarnung
Gegenüber dem Südwestrundfunk (SWR) betonen zwei Experten, dass die Sorge unbegründet ist. Rainer Dahlenburg, Apotheker für experimentelle Pharmakologie und Toxikologie, erklärt: "Das ist mehr als unwahrscheinlich." Und auch Sebastian Kunz, Facharzt für Rechts- und Gerichtsmedizin bezeichnet die Vorstellung als "absolut absurd."
Substanzen, die als K.o.-Tropfen wirken könnten, würden das Toilettenpapier entweder feucht oder unbenutzbar machen. Zudem reiche die Menge nicht aus, um bei kurzem Hautkontakt eine Wirkung zu entfalten.
Inzwischen haben auch zahlreiche Content Creator in den sozialen Medien die ursprüngliche Warnung aufgegriffen und weisen darauf hin, dass es sich dabei um Falschinformationen handelt, die vor allem Verunsicherung auslösen.
150 Fälle von K.o.-Tropfen in Österreich
Auf jeden Fall sollte man sein Getränk in Clubs, Bars und auf Veranstaltungen stets im Blick behalten und nicht unbeaufsichtigt lassen. Allein im Jahr 2024 wurden in Österreich 150 Straftaten im Zusammenhang mit K.o.-Tropfen registriert, bei denen 109 Frauen betroffen waren. In 101 Fällen spielte die Substanz eine Rolle bei einer Vergewaltigung.
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