Fake-Shoppingseiten gehen viral: Gen Z bestellt Produkte, die nie ankommen
Vor allem in Südkorea boomen sogenannte "Dopamine Sites" bei der Generation Z. Nutzer bestellen auf Fake-Shoppingseiten Produkte, die nie ankommen. (Symbolbild)
Bei der Generation Z, teilweise auch noch bei den Millennials, zeichnet sich insbesondere in Südkorea ein neuer Trend ab: sogenannte "Dopamine Sites" erleben einen Boom. Die Webseiten oder Apps ahmen den gesamten gewohnten Shoppingprozess nach – von der Produktauswahl über Bewertungen und den Check-out bis hin sogar zum Tracking-Status. Lediglich die klein geschriebene, unscheinbare Zeile wie "No real orders, payments, or deliveries happen here” weist bei einer solchen Liefer-App darauf hin, dass nichts so ist, wie es scheint.
Der entscheidende Unterschied: Es fließt kein Geld und weder Essen oder andere Produkte wie Kleidung werden tatsächlich geliefert. Wozu das Ganze?
Was sind "Dopamine Sites"?
Mit "Dopamin-Seiten" sind Fake-Shopping-Webseiten oder Apps für Essenslieferungen gemeint, die einen vollständigen Bestellvorgang nachahmen. Sie simulieren also ein echtes Online-Einkaufserlebnis, ohne dass ein Kauf zustande kommt. Wie die Korea Times berichtet, sorgen solche Online-Plattformen für eine "schnelle Stimulation" und sind vor allem unter jungen Menschen in Südkorea stark verbreitet.
Der vermeintliche Bestellvorgang soll im Gehirn Dopamin freisetzen. Der Botenstoff wird oft als "Glückshormon" bezeichnet und steht unter anderem mit Belohnung, Motivation und Vorfreude in Verbindung, daher auch der Name "Dopamin-Seite".
Fake-Lieferdienst-Apps: Essen bestellen, das nie ankommt
Bei den Lieferdienst-Apps können Nutzer zwischen verschiedenen Restaurants und Gerichten wählen. Anschließend bestimmen sie den gewünschten Schärfegrad oder Beilage und geben die Speisen in den Warenkorb. Manche Apps bieten sogar eine Sendungsverfolgung an und zeigen an, ob das Essen noch in Zubereitung ist oder bereits an den (nicht existierenden) Zusteller übergeben wurde.
Fake-Shoppingportale bei jungen Leuten beliebt
Gegenüber der Korea Times berichtet ein 25-jähriger Büroangestellter, dass er eine solche Essenslieferdienst-App wie "FoodNeverComes" manchmal mitten in der Nacht öffnet. "Es fühlt sich irgendwie so an, als hätte ich tatsächlich etwas bestellt", erklärt er und betont, dass ihm die simulierte Bestellung helfen würde, Heißhungerattacken zu kontrollieren.
Stresslinderung und Konsumbefriedigung?
Vor allem in Südkorea ist Online-Shopping weit verbreitet, denn aufgrund des hohen Leistungsdrucks nutzen viele junge Menschen Käufe von Essen, Kleidung oder elektronischen Geräten, um sich zu belohnen. Dadurch soll eine Gefühl von Befriedigung des Konsumverlangens sowie eine Stresslinderung erreicht werden, aber ohne finanzielle Belastung.
Virtuelle Raucherpausen
Wie das Finanz- und Wirtschaftsnachrichtenportal Moneycontrol berichtet, dienen die gefälschten Bestellportale auch dazu, Einsamkeit entgegenwirken. Hierfür gibt es spezielle Portale (sogenannte virtuelle "Smoke Break Rooms"), die eine gemeinsame Raucherpause simulieren. Die anonymen User können dort Nachrichten hinterlassen und so tun, als würden sie gerade eine Zigarette rauchen.
Das soll ein vertrautes Ritual nachbilden, ohne dass der Vorgang tatsächlich stattfinden muss.
Kritik am Konzept der Fake-Shopping-Seiten
Das Konzept stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. In den sozialen Medien kritisieren User die Idee als "trauriges Spiegelbild des Spätkapitalismus", wie Fast Company berichtet. Zudem stellt sich die Frage des Datenschutzes: Bei einigen dieser Fake-Apps werden auch persönliche Daten wie etwa Adressen abgefragt, um den Bestellvorgang möglichst realistisch wirken zu lassen.
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