"Dümmer" als Vorgänger-Generation? Brisante These zur Gen Z

Der Neurowissenschafter Jared Cooney Horvath warnt, dass Gen Z in kognitiven Tests schlechter abschneidet als frühere Jahrgänge.
Sechs junge Erwachsene stehen nebeneinander und schauen auf ihre Smartphones.

Junge Generationen haben tendenziell am meisten mit Vorurteilen zu kämpfen. Besonders hart trifft es die Generation Z, also Menschen, die je nach Definition zwischen 1995 und 2010 oder 1997 und 2012 geboren wurden. Ihnen wird nachgesagt, "handysüchtig", wenig belastbar und orientierungslos zu sein. 

Als sogenannte Digital Natives sind die Zoomers mit Internet, Smartphone und den sozialen Medien aufgewachsen. Doch ausgerechnet dieser selbstverständliche Umgang mit digitalen Technologien soll ihnen nun zum Verhängnis geworden sein. 

Gen Z "dümmer" als vorherige Generation?

Der US-amerikanische Neurowissenschafter und Bildungsexperte Dr. Jared Cooney Horvath sprach kürzlich vor dem US-Senat und zeichnete ein düsteres Bild: Die Generation Z sei die erste Generation in der modernen Geschichte, die ihrer Vorgängergeneration nachweislich in nahezu allen kognitiven Bereichen unterlegen sei. Zahlreiche internationale Medien griffen diese Aussage zugespitzt auf: Die Generation Z sei die erste Generation, die "dümmer" ist als die vorherige. 

Sinkende kognitive Messwerte bei Gen Z

Horvarth betont in seiner Rede, dass die Generation Z in zentralen kognitiven Bereichen nicht – wie zu erwarten wäre – besser, sondern teils sogar schlechter abschneidet als etwa die Millennials. 

Betroffen seien unter anderem 

  • Aufmerksamkeit,
  • Gedächtnis,
  • Lese- und Rechenkompetenz,
  • Problemlösefähigkeit
  • sowie der allgemeine Intelligenzquotient (IQ)

Was ist der Grund für kognitiven Leistungsabfall?

Das wirkt zunächst überraschend, schließlich verbringt diese Generation mehr Zeit in Schulen als jede zuvor. Was also erklärt diese Entwicklung? "Die Antwort scheint in den Werkzeugen zu liegen, die wir in der Schule zur Lernförderung einsetzen", so der Neurowissenschafter. 

Insbesondere der extensive Einsatz von Computern im Unterricht und damit einhergehende hohe Bildschirmzeit stehe in Zusammenhang mit rückläufigen kognitiven Leistungen. Er verweist dabei auf internationale Vergleichsdaten:

"Sobald Kinder in der Schule täglich etwa fünf Stunden Computer für Lernzwecke nutzen, schneiden sie im Durchschnitt um mehr als zwei Drittel einer Standardabweichung schlechter ab als Gleichaltrige, die digitale Geräte im Unterricht selten oder gar nicht verwenden – und das zeigt sich konsistent über 80 Länder hinweg."

Grundlage seiner Thesen sind unter anderem umfangreiche Auswertungen standardisierter akademischer Leistungstests, in denen die Generation Z in mehreren Kompetenzbereichen schwächere Ergebnisse erzielt im Vergleich zu Vorgängergenerationen. 

Im Gespräch mit der New York Post geht Horvarth sogar noch einen Schritt weiter: "Und als wäre das nicht schon problematisch genug, überschätzen viele dieser jungen Menschen ihre eigenen Fähigkeiten deutlich. Je intelligenter sie sich selbst einschätzen, desto schlechter fallen ihre tatsächlichen Leistungen aus."

Lehrer stimmen Aussagen des Experten zu

Ein Videoausschnitt seines Vortrags verbreitete sich rasch in den sozialen Medien. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer stimmen den Aussagen des Wissenschafters zu. In der Kommentarspalte auf Instagram heißt es etwa:

  • "As a retired teacher, I’m a witness to this! I don’t need to see data. I saw first hand!😢" ("Als pensionierte Lehrerin habe ich das selbst miterlebt. Dafür brauche ich keine Studien – ich habe es aus erster Hand gesehen.")
  • "I’m a teacher and I fully agree with this." ("Ich bin Lehrerin und stimme dem voll und ganz zu.")
  • "26+ years teaching. Every single word is true." ("Bin seit über 26 Jahren im Schuldienst. Und jedes einzelne Wort davon stimmt.")

Zum Abschluss seines Vortrags fordert Horvath eine drastische Einschränkung von sogenannten EdTech-Tools (Educational Technology Tools), also digitale Werkzeuge und Anwendungen, die für Lernzwecke entwickelt wurden, in Bildungseinrichtungen. Nur so könnten kognitiven Kompetenzen wieder gezielter gefördert und einer übermäßigen Abhängigkeit von Technologie entgegengewirkt werden. 

Sollten Entscheidungsträger die Digitalisierung des Unterrichts weiterhin ohne evidenzbasierte Wirksamkeitsnachweise fördern, so könnten sich die Lern- und Entwicklungsleistungen langfristig weiter verschlechtern. 

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