Tattoos und Metal: Gen Z und Millennials feiern "Senioren-Reisetrend"

Zwei große Kreuzfahrtschiffe liegen nebeneinander an einem Pier im blauen Meer.
Kreuzfahrten gelten als umstritten, sind bei jungen Menschen aber im Kommen. Was steckt hinter dem Trend und wie passt das zum Umweltbewusstsein?

Bingo, Tanzabende, All-Inclusive und ein Altersdurchschnitt weit über 60: So stellen sich viele noch immer eine Kreuzfahrt vor. Doch das Klischee scheint längst überholt, denn Statistiken zeigen: Immer mehr junge Menschen entdecken Gefallen an dem vermeintlichen Senioren-Reisetrend.

Gen Z und Millennials treiben Kreuzfahrt-Boom voran

Laut einer aktuellen Studie treiben jüngere Generationen insbesondere Millennials und die Generation Z die Nachfrage nach Kreuzfahrten auf ein neues Niveau. Besonders kürzere, erschwinglichere Reiserouten sprechen sie an, da sie dadurch häufiger Urlaub machen und in kurzer Zeit mehrere Reisziele erkunden können.

Zwischen 2018 und 2022 waren noch 33 Prozent der Kreuzfahrtgäste über 60 Jahre alt. Laut dem State of the Cruise Industry Report 2025 liegt der Anteil der 20- bis 39-Jährigen inzwischen bei 20 Prozent. In dem Bericht heißt es, dass Millennials aktuell das größte Interesse an Kreuzfahrten zeigen.

Tattoos, Metal, Party und Stars auf hoher See

Der Trend zeigt: Der Kreuzfahrt-Markt verjüngt sich kontinuierlich und das ehemals angestaubte Image ist passé. Reedereien passen ihr Angebot gezielt an die Interessen jüngerer Generationen an. Die Reisen verbinden klassische Kreuzfahrt-Elemente mit Themen wie Taylor-Swift-Events, Yoga, Partys oder speziellen Konzepten wie der "Full Metal Cruise", eine Kreuzfahrt für Fans von Heavy-Metal-Musik. Auch Musik-Stars wie Robin Schulz, Ski Aggu und Mando Diao waren im Rahmen einer Festival-Kreuzfahrt bereits an Bord.

Es gibt sogar Kreuzfahrten rund um Körperkunst: Bei der "Wildcat Tattoo Cruise" befinden sich dutzende Tattoo-Künstler an Bord und stechen Motive in allen erdenklichen Stilrichtungen.

Und wie sieht es mit dem Umweltaspekt aus?

Viele junge Reisende legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und insbesondere die Generation Z hat Klima- und Umweltbewegungen wie "Fridays for Future" über Jahre hinweg geprägt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie das mit der wachsenden Nachfrage nach Kreuzfahrten einhergehen kann. 

Studien zeigen, dass Umweltaspekte zwar die Wahrnehmung junger Reisender beeinflussen, sie jedoch nicht grundsätzlich davon abhalten, eine Kreuzfahrt zu buchen. So bewerten Millennials die Umweltbelastung durch Kreuzfahrten weiterhin kritisch und halten CO₂-Kompensation für wichtig. Dennoch zeigen laut der Simon-Kucher Cruise-Studie 44 Prozent trotz ökologischer Bedenken ein mäßiges und weitere 25 Prozent sogar hohes Interesse daran, selbst an Bord zu gehen.

Junge Leute teilen Erfahrungen mit Kreuzfahrten

Der deutsche Content Creator und Journalist Wyn Matthiesen, der unter anderem auch für Der Spiegel und stern gearbeitet hat, geht noch weiter und sagt: "Verzicht ist nicht mehr der Zeitgeist." Kreuzfahrten seien für junge Menschen die "perfekte Flucht in eine heile Welt, während um einen herum nur Krisen sind." In den Kommentaren unter seinem Instagram-Reel findet diese Einschätzung durchaus Zustimmung: 

  • "Ich liebe sowas so sehr. Das Essen ist soo gut und das Meer so schön!"
  • "Bin 23 und war 2024 und 2025 jeweils auf einer und macht richtig Bock 🔥"

Doch klar ist auch, dass man nicht eine ganze Generation über einen Kamm scheren kann. Zwar neigen viele dazu, auf Reisen mehrere Orte in kurzer Zeit besuchen zu wollen, doch wächst innerhalb der Generation ebenso das Interesse an Slow Travel, der längeren Aufenthalten und einem bewussteren Umgang mit Umweltfragen. Auch das spiegelt sich in der Kommentarspalte wider: 

  • "Kann man moralisch echt nicht machen ☝🏼"
  • "Erzähl mal, wie viel Natur und Meeresumwelt dadurch verschmutzt wird.“

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