„Keine befleckten Frauen“: Sexistische Dettol-Werbung geht viral
Dettol-Werbung: In China wurde ein Werbespot des Unternehmens für Hygiene- und Desinfektion zurückgezogen. In dem Video wurden Frauen, die keine Jungfrauen sind, als „befleckt“ bezeichnet. (Symbolbild)
Die britische Hygienemarke Dettol hat sich für eine Werbung in China entschuldigt, die eigentlich Sexismus verurteilen und vorbeugen sollte. Doch die Umsetzung der Idee stieß auf zahlreiche negative Reaktionen.
Werbung beschreibt Frauen als „befleckt“
Das fünfminütige Video, das Ende Mai online veröffentlicht wurde, wurde im Stil eines „Dramas“ inszeniert. Als der Protagonist der Werbung erfährt, dass seine Partnerin zuvor mit einem Mann zusammengewohnt hat, bezeichnet er die Momente der Beziehung als „Secondhand“. Vor allem, als die beiden miteinander intim geworden sind. Die aufgelöste Freundin ohrfeigt den Protagonisten und beendet die Partnerschaft.
Seinen Freunden gegenüber sagt der Protagonist, dass er „ein Dutzend“ Frauen gedatet habe und eine „saubere und unberührte“ Freundin haben möchte. Er erklärt weiter: „Ich mag vielleicht keine Jungfrau mehr sein, aber meine zukünftige Frau muss es sein.“ Danach sieht man, wie er eine neue Frau kennenlernt und sagt: „Zum Glück habe ich sie jetzt getroffen, sie ist sauber sowie rein und wurde nicht von anderen Männern befleckt.“
Werbung vergleicht „toxische Männer“ mit „Bakterien“
Dazwischen zeigt die Freundin dem Mann, wie sie ihre Wäsche sauber bekommt und hält das Dettol-Produkt in die Kamera. Dabei bittet sie ihn, dass er nicht seine „stinkenden Socken“ mit ihrer Kleidung wäscht. Kurze Zeit später wirft ihm seine neue Partnerin Frauenfeindlichkeit vor, nachdem sie realisiert, dass er ihre Jungfräulichkeit als „Trophäe“ sieht und über seine Ex-Freundin schlechtredet.
Doch nicht die Misogynie ist der letzte Tropfen auf dem heißen Stein, sondern die Tatsache, dass der Mann, trotz der Bitte seiner Freundin, die Socken mit ihrer Kleidung wäscht. Der Dettol-Hygienespüler wird daraufhin als Lösung präsentiert: „Toxische Männer sind wie Bakterien“, sagt die Frau, während sie das Produkt anwendet. „Erst wenn man Dettol anwendet und sie komplett loswird, kann man aufatmen.“
Dettol wird Objektifizierung von Frauen vorgeworfen
Wie Channel News Asia berichtet, wurde der Werbespot im Netz hart kritisiert. Während einige Userinnen und User die Objektifizierung der Frauen in dem Video anprangerten, riefen auch andere zum Boykott von Dettol auf. Das Unternehmen hat die Werbung nach der Kritik entfernt und betont, dass die Kernaussage durch die kursierenden Ausschnitte verzerrt worden sei. Dettol wollte mit dem Spot, der von einer Drittagentur erstellt wurde, Geschlechterklischees kritisieren. Dennoch möchte das Unternehmen nach dem Fehltritt Verantwortung übernehmen:
„Wir erkennen an, dass viele Menschen, insbesondere Frauen, dadurch beleidigt wurden. Wir übernehmen die Verantwortung für etwaige Nachlässigkeiten bei der Erstellung und Überprüfung des Inhalts des Werbespots“, erklärte Dettol in einem Statement auf der chinesischen Plattform Weibo.
Dettol sei mit dem Ziel gegründet worden, „die Gesundheit“ von Familien zu schützen: „Wir sind uns jedoch bewusst, dass wahrer Schutz auch darin besteht, die Würde jedes Einzelnen und sein Recht auf Gleichbehandlung zu wahren“, hieß es in dem Statement weiter.
Die Werbeaktion war nicht die einzige, die für Aufruhr in China gesorgt hat. Erst letztes Jahr hatte Dettol eine Werbung veröffentlicht, die die Aussage „Die Frau wurde kurz vor ihrer Hochzeit ‚zurückgegeben‘. Es muss daran liegen, dass sie nicht sauber war“ enthielt.
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