Nach Spott im Netz: Amazon streicht US-Thriller wegen KI-Übersetzung
Die deutsche KI-Übersetzung des englischen Films „Deadly Patient“ war so schlecht, dass es im Netz zahlreiche Kritik dafür gab. (Symbolbild)
Auf Social Media wird zurzeit der 2018 erschienen US-Thriller „Deadly Patient – tödlicher Patient“ heiß diskutiert. Grund dafür ist aber nicht die Handlung, sondern die deutsche Synchronisation auf Amazon Prime. Diese wurde offensichtlich mit künstlicher Intelligenz durchgeführt, was bei vielen Userinnen und Usern nicht nur für Lacher, sondern auch für Frust sorgt.
Nachdem die ambitionierte Ärztin Hillary Spenser nach einem Unfall das Leben eines Patienten rettet, wird dieser plötzlich besessen von ihr. Er verwechselt ihr Mitgefühl mit Liebe und plant eine Zukunft mit der Medizinerin. Um diese fehlgeleitete Vorstellung zu erfüllen, schreckt er nicht davor zurück, Penzer und ihr Umfeld zu bedrohen.
KI-Übersetzung als Disaster
Auf TikTok finden sich zahlreiche Videos, in denen die synchronisierten Ausschnitte des Films gezeigt werden. Dabei wird vor allem kritisiert, dass sich die KI-Stimmen „emotionslos“ und „lächerlich“ anhören. In einer Szene sieht man den Patienten, der kurz nach seinem Unfall im Krankenhaus erwacht und zu seiner Ärztin sagt: „Ich sollte da gestorben haben.“ Gemeint war offenbar, dass er „hätte sterben sollen“. Durch die Übersetzung hört sich der Satz jedoch falsch an.
In einer anderen Szene sieht man Spenser mit ihrem Patienten nach einem Abendessen. Sie möchten ihr Auto vom Parkservice abholen lassen, als die Medizinerin plötzlich angerufen wird und sofort ins Krankenhaus kommen soll. Spenser antwortet mit: „Ich fahre da.“ Anschließend dreht sie sich zu ihrem Partner und sagt „Liebe dich“, er antwortet mit „Ich weiß“.
Kurz danach sagt er „Geh weg“. Auch hier kann man davon ausgehen, dass bei dem letzten Satz eher die umgangssprachliche Floskel „Nun geh schon“ gemeint war, weil Spenser den Mann allein zurückgelassen hat.
Netz lacht über KI-Fail
Auf TikTok & Co wird der Film und die grottige Übersetzung heiß diskutiert. In zahlreichen Videos werden die skurrilen Dialoge festgehalten und belächelt. Dabei haben mehrere Userinnen und User ihrem Frust freien Lauf gelassen:
- „Ne das ist perfekt, somit wurde bestätigt, dass eine KI Synchronsprecher nicht ersetzen kann 😂😅😁“
- „Untertitel hat mehr Emotionen“
- „Bruder, aber wer hat das geprüft und veröffentlicht?“
- „Dafür bezahl’ ich monatlich“
- „Das hört sich original so an, als würde sich Chatgpt mit Siri unterhalten“
- „Sogar ChatGPT kommuniziert mit mehr Emotion.. ohne Witz“
Amazon nimmt US-Thriller von Plattform
Der Film wurde mit nur 1,1 von 5 Sternen auf Amazon Prime bewertet. Unzählige User und Userinnen schrieben negative Rezensionen und kritisierten die Synchronisation. Dabei wurde die Übersetzung als "KI-Vollschrott" oder "grauenhaft" betitelt. ""Bezahlt gefälligst richtige Synchronsprecher und hört auf, uns so einen Mist unterjubeln zu wollen", heißt es in einer Bewertung. Der Film ist nun auf der Plattform nicht mehr aufrufbar. Wie Filmstarts berichtet, bestätigte das Unternehmen, dass der FIlm aufgrund „mangelhafter Qualitätsstandards der deutschen Synchronisation“ entfernt.
Synchronsprecher protestieren gegen KI-Nutzung
Bereits im April haben namhafte deutsche Synchronstimmen von Hollywoodstars bei einem Treffen in München vor der Bedrohung ihrer Branche durch Künstliche Intelligenz (KI) gewarnt. Der Protest der Synchronsprecherinnen und -sprecher richtet sich vor allem gegen Vertragsklauseln bei Streamingproduktionen, unter anderem des Anbieters Netflix. Nach Angaben des Verbands Deutscher Sprecher:innen (VDS) ermöglichen es diese, bereits aufgenommene Stimmen zum Training von KI-Systemen zu nutzen.
Viele Künstler würden diese Regelungen ablehnen und Verträge nicht unterschreiben. In der Folge gerieten erste Synchronproduktionen ins Stocken. Das Treffen in München, zu dem auch die deutschen Stimmen von Tom Cruise, Renée Zellweger, Cameron Diaz und SpongeBob erwartet wurden, hatte unter anderem der Verband Deutscher Sprecher und Sprecherinnen organisiert, der sich seit geraumer Zeit für eine gesetzliche Regulierung der KI-Nutzung einsetzt. Nur so könne eine unkontrollierte und illegale Nutzung der Stimmen unterbunden und die Qualität von menschengemachten Kunstwerken erhalten werden.
Netflix: Ki-Einsatz nur mit Einstimmung
Eine Sprecherin von Netflix sagte auf Anfrage der dpa, die Nutzung von KI durch das Unternehmen erfolge im Einklang mit geltendem Recht. Sie verwies auf Vereinbarungen, die ihr Unternehmen im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) zu KI getroffen habe, um den Schutz von Sprecherinnen und Sprechern ausdrücklich zu stärken. Dazu gehöre unter anderem die klare Vorgabe, dass die Nutzung einer mittels KI generierten digitalen Nachbildung einer Stimme nur mit ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Sprecherinnen und Sprecher erfolgen dürfe.
Der Streit um Verträge über Nutzung von Schauspieler-Stimmen hatte auch zu den großen Streitpunkten im Hollywood-Streik im Jahr 2023 gehört.
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