6 Monate eingesperrt: Frau landet wegen KI-Fehlers im Gefängnis

Eine US-Amerikanerin landete unschuldig im Gefängnis, nachdem eine KI-generierte Gesichtserkennung sie fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigte.
Schatten einer Person hinter schmutzigen Gefängnisgittern in Schwarzweiß.

Die Geschichte der 50-jährigen Angela Lipps aus Tennessee könnte die Handlung von einem Hollywood-Thriller sein: Die US-Amerikanerin saß sechs Monate lang unschuldig im Gefängnis. Der Grund: Einer KI-Gesichtserkennungssoftware ist ein Fehler unterlaufen, durch den die Frau fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt wurde. 

Wegen KI-Fehler: 50-Jährige unschuldig eingesperrt

Lipps wurde vorgeworfen, dass sie zwischen April und Mai 2025 einen Bankbetrug in North Dakota begangen hätte. Dabei soll Lipps unter Vorlage eines gefälschten Militärausweises der US-Armee mehrere tausend Dollar abgehoben haben. Besonders skurril: Die 50-Jährige war noch nie zuvor in dem US-Bundesstaat.

„Soweit ich das bisher beurteilen kann, wurde ihr Gesicht von einem KI-Programm ausgewählt“, sagte Lipps’ Anwalt Eric Rice gegenüber abc News 4. „Ein Beamter überprüfte daraufhin ihre Social-Media-Profile und kam zu dem Schluss, dass sie den Suchkriterien ausreichend entsprach, woraufhin ein Haftbefehl ausgestellt wurde.“

Laut Rice seien keine „weiteren Ermittlungen“ vorgenommen worden, um den Aufenthaltsort von Lipps zu überprüfen: „Mir liegen keine Informationen vor, die darauf hindeuten, dass sie sich jemals in der Gegend aufgehalten hat oder irgendeine Verbindung dorthin hatte.“ 

Am 14. Juli 2025 wurde die fünffache Großmutter in ihrem Haus in Carter County verhaftet, während sie zu der Zeit auf vier Kinder aufgepasst hat. Sie wurde nach Fargo ins Gefängnis verlegt und eingesperrt.

 „Es war so beängstigend, ich sehe es immer noch vor meinem inneren Auge, immer und immer wieder“, sagte Lipps gegenüber InForum. 

Entlastende Beweise gesammelt

Lipps Anwalt erklärte weiter, dass seine Mandantin so lange in Haft blieb, bis die Anklage fallengelassen wurde. Die Frau wurde erst fünf Monate nach ihrer Verhaftung von der Polizei zum Fall befragt. Ihre Kontoauszüge belegten anschließend, dass sie sich zu dem Zeitpunkt nicht in Fargo aufhielt, als der Betrug begangen wurde. Die 50-Jährige war knapp 2.000 Kilometer entfernt in ihrer Heimat in Tennessee. 

“Sie verfügte über entlastende Beweise, wie zum Beispiel Unterlagen, aus denen hervorgeht, dass sie sich zu jenem Zeitpunkt in Tennessee aufhielt. Ich weiß nicht, warum es mehrere Monate dauerte, bis diese Informationen den Staat erreichten, aber sobald dies geschehen war, wurde die Anklage relativ schnell fallengelassen."

Frau wurde nach Verhaftung obdachlos

Angela Lipps wurde an Heiligabend, fünf Tage nach der polizeilichen Befragung, aus der Haft entlassen: "Ich trug meine Sommerkleidung, hatte keinen Mantel, draußen war es eiskalt, auf dem Boden lag Schnee, ich hatte Angst, ich wollte weg, wusste aber nicht, was ich tun sollte und wie ich nach Hause kommen sollte", erinnerte sich Lipps weiter, die in Fargo festsaß. 

Die Polizei wollte die Kosten für ihre Heimreise nach der Entlassung nicht übernehmen. Nur mithilfe von Spenden von lokalen Strafverteidigerinnen konnte sich Lipps ein Hotelzimmer und Essen leisten. "Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist. Ich werde nie wieder nach North Dakota zurückkehren", sagte Lipps.

Lipps war nach ihrem Gefängnisaufenthalt obdachlos, weil sie ihre Rechnungen nicht begleichen konnte. Sie verlor ihr Haus, ihr Auto und sogar ihren Hund. Die 50-Jährige möchte nun mit einer Klage gegen ihre Verhaftung vorgehen. 

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