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Tilly Norwood: Der Traum aller einsparungswilligen Filmstudios

Die umstrittene KI-Schauspielerin Tilly Norwood bekommt eine Hauptrolle in einem Spielfilm.
Junge Frau in schwarzer Lederjacke lehnt in einer belebten Stadtstraße an einer Absperrung, im Hintergrund gelbe Taxis und Passanten.

Ihren ersten Auftritt hatte Tilly Norwood schon vor elf Monaten. Da wurde die erste KI-Schauspielerin in einem Video vorgestellt. Da war sie jedoch nicht die einzige ihrer Art: Das Video wurde insgesamt komplett mit Künstlicher Intelligenz hergestellt. Ein User kommentierte auf Youtube Clip so: „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass man bei der Anmeldung zu Youtube als Mensch gefragt wird, ob man eh kein Bot ist.“ Um sich dann den Film ansehen zu können, der diesen Test ganz offensichtlich nicht durchlaufen muss.

Tilly Norwood wurde 2025 beim Industrietreffen des Zürcher Film Festivals vorgestellt. Das sagt schon ungefähr, dass es bei der KI-Figur weniger um Kreativität, denn ums Business geht. KI-Schauspielerinnen muss man kein Gehalt zahlen, die brauchen auch kein Catering. Und natürlich, für Filmstudios besonders attraktiv: KI hat keine Gewerkschaft. Deswegen hat sich damals die SAG-AFTRA, die Vertretung der Schauspielenden in Hollywood, ganz rasch empört zu Wort gemeldet und auch darauf hingewiesen, dass so eine Figur nicht aus dem Nichts entsteht, sondern von einem Computerprogramm generiert wurde, das auf der Arbeit unzähliger Darsteller aufbaue, ohne Erlaubnis oder Vergütung.

Mischung aus Brünetten

Die Macher der Fake-Aktrice stellen sie sich als die „nächste Scarlett Johansson oder Natalie Portman“ vor. Besonders glamourös sieht Frau Norwood nicht aus, sie ist mehr als Mädchen von nebenan konzipiert. Der „Guardian“ hat sie beschrieben als Mischung aus Gal Gadot, Ana de Armas und Vanessa Hudgens. Sie sieht vor allem aber aus wie jene junge Schauspielerinnen, die derzeit auf Netflix, Amazon und Co. die so erfolgreichen wie austauschbaren Gesichter von aus Booktok-Bestsellern zusammengeklaubten Liebesgeschichten sind.

Besseres TV durch KI?

Pikanterweise spielt das Video, mit dem Tilly Norwood an die Öffentlichkeit „getreten“ ist, sarkastisch auf die Einfallslosigkeit der Serienlandschaft an. Die Künstliche Intelligenz, so der Film, spuckt 1.000 bessere Ideen in wenigen Sekunden aus. Ob das stimmt? Wohl kaum. Nicht umsonst wurde im Vorjahr sogar ein neues Wort für besonders schlampige KI-Arbeiten erfunden: „KI-Slop“.

Trotzdem hat Tilly Norwood nun ihre erste Spielfilmrolle abgestaubt. Das Comedy-Drama „Misaligned“ sei eine „Hybrid-Produktion“ mit traditionellen Film- und Fernsehtalenten, darunter Regisseure und Autoren, und KI-Spezialisten, heißt es aus dem auf Künstliche Intelligenz spezialisierten Studio Particle 6. Dessen Gründerin Eline van der Velden sagte, was die Unterhaltungsbranche durchaus als Drohung verstehen kann, man wolle zeigen, was mit der KI machbar ist.

Die Handlung des Films? Tilly lebt in einer digitalen Welt und entwickelt menschliche Gefühle und Sehnsüchte. Wenn das das Originellste ist, was der Drehbuchmaschine eingefallen ist, muss man sich aber wohl doch nicht so fürchten.

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