WM 2006: Löw und Klinsmann stimmen gemeinsam die deutsche Hymne an.

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Wiedersehen
06/25/2014

Wenn zwei alte Freunde zu Rivalen werden

Joachim Löw trifft als deutscher Bundestrainer auf US-Teamchef Jürgen Klinsmann. 2006 schrieb das Duo das deutsche Sommermärchen, nun kämpfen sie gegeneinander um Platz eins.

von Christoph Geiler

Joachim Löw wirkt genervt. Viel lieber würde er jetzt über relevante Dinge sprechen, über das Umschaltspiel zum Beispiel, über Passwege, notfalls auch darüber, warum er den gelernten Außenverteidiger Philipp Lahm jetzt doch für den besseren Mittelfeldspieler hält. Aber Joachim Löw kommt gar nicht dazu. Das sind nicht die Themen vor dem letzten deutschen Gruppenspiel gegen die USA.

Stattdessen wird Löw seit Tagen nur mehr nach IHM gefragt, nach IHREM Verhältnis, und wie es sich anfühle, IHN jetzt als Konkurrenten zu haben.

DAS – und nichts anderes – ist DIE Geschichte dieser Partie. Dass eigentlich im Match zwischen USA und Deutschland der erste Platz in Gruppe G auf dem Spiel steht? Halb so wichtig. Denn dieses Spiel hat etwas viel Brisanteres zu bieten: Das Aufeinandertreffen und Wiedersehen von Klinsi und Jogi, diesen Blutsbrüdern des Fußball-Sommermärchens von 2006, die längst zu Mister Klinsmann und Bundestrainer Joachim Löw gereift sind.

Von einem "packenden Männerduell" schreibt die Welt. Sogar mit dem "Rumble in the Jungle", dem legendären Boxkampf zwischen Muhammad Ali gegen George Foreman wird das Treffen der beiden Teamchefs aus Baden-Württemberg verglichen. Das wäre dann gar weit hergeholt. Zumal die Trainer-Twins Jürgen und Joachim eine Freundschaft pflegen, seit sie einander vor 14 Jahren bei einem Trainerlehrgang in die Arme gelaufen waren. Niemand, so versicherte Klinsmann gerade wieder, hätte ihm bis heute das Wesen der Viererkette besser erklären können als Löw.

Missionar

Löw und Klinsmann also. Der eine wäre ohne den anderen heute nicht Bundestrainer. Der andere ohne den einen nie Teamchef der USA. Jürgen Klinsmann und Joachim Löw wissen genau, was sie aneinander hatten. Die beiden waren das perfekte Tandem, um den Deutschen den Rumpelfußball auszutreiben, sie waren Autor und Regisseur des Sommermärchens 2006, das die Innen- und Außensicht auf Deutschland verändern sollte.

Das war auch die große Mission, die Klinsmann damals verfolgte. Bundestrainer allein, das reichte dem aufmüpfigen Bäckersohn nicht. Er dachte schon damals über die Outlinie hinaus, wollte den DFB mit modernen Trainingsmethoden und neuen Leitbildern revolutionieren – so wie er jetzt die Amerikaner zum Fußball bekehren will. Eine langfristige Begeisterung für den Soccer, vielleicht sogar der Aufstieg in die Big Four (Baseball, Basketball, American Football, Eishockey) – das wäre für Klinsmann ein weit größerer Erfolg als ein Einzug ins WM-Viertelfinale.

In Deutschland eckte der Wanderprediger Klinsmann mit seinen Visionen oft an. Gerade in einem starren und großen Apparat wie dem DFB machte er sich mit seinem Reformeifer nicht nur Freunde, und so mancher dürfte froh gewesen sein, als Klinsmann nach der WM 2006 seinem Statthalter Joachim Löw das bestellte Feld überließ.

Mastermind

Aber ist Joachim Löw unter Klinsmann wirklich nur die rechte Hand gewesen? Oder war nicht doch vielleicht er der Mastermind hinter der neuen Spielkultur, die mittlerweile die deutsche Nationalmannschaft auszeichnet? Im Film "Das Sommermärchen" von Sönke Wortmann, der die deutsche Nationalelf rund um die WM 2006 begleitet hatte, wird Klinsmann hauptsächlich als aufgedrehter Motivator ("Brust raus") hingestellt, während Löw im Hintergrund die Strategien und Taktiken entwarf.

Löw ist froh, dass es damals Jürgen Klinsmann gab. So wie er froh ist, dass er jetzt in Oliver Bierhoff einen offiziellen Teammanager an seiner Seite hat, der ihm viel von dem Kleinkram abnimmt, den das Amt des Bundestrainers zwangsläufig mit sich bringt. Löw, der immer noch den amerikanischen Konditionstrainern vertraut, die Klinsmann seinerzeit installiert hat, sieht sich immer noch in erster Linie als Trainer: "Auf dem Platz, bei der Arbeit mit den Spielern, da bin ich in meinem Element", sagt er stets.

Der 54-Jährige hat nicht wie Klinsmann das große Ganze vor Augen, lieber beschäftigt er sich mit den Details des Fußballs. Nur so könne Deutschland, könne er Weltmeister werden. Für Reformeifer und andere Hirngespinste bleibt da gar kein Platz. Oder wie es Löw gerne sagt: "Höggschde Konzentration."

Ronaldo weiß, dass es nicht reichen wird

Der Weltbeste steht vor dem Heimflug. Weltfußballer Ronaldo und Portugal haben nur noch eine geringe Chance aufs Achtelfinale. Dazu benötigt man am Donnerstag (18 Uhr in Brasilia) einen hohen Sieg gegen Ghana, gleichzeitig muss die USA gegen Deutschland verlieren. Wenn möglich auch deutlich, denn Portugal muss im Fernduell mit den Amerikanern nicht nur drei Punkte, sondern auch gleich fünf Tore aufholen.

Ronaldo ist nach wie vor nicht voll fit, wie er nun öffentlich zugab. „Ich hätte es mir leicht machen können. Ich hätte gar nicht zur WM kommen und die Saison als Champions-League-Sieger beenden können. Aber ich stelle mich der Aufgabe. Auf mich kann man sich verlassen.“

Der Weltfußballer des Jahres versuchte zuletzt auch immer wieder, die Erwartungshaltung zu relativieren. „Ich habe nie geglaubt, dass wir Weltmeister werden. Portugal war nie ein Favorit.“

Ghanas Nationalspieler wiederum sollen ihre WM-Antrittsgagen nach wochenlangem Warten noch vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Portugal erhalten. Der Verband bestätigte, dass sich Staatspräsident John Dramani Mahama persönlich eingeschaltet habe. Jedem Kaderspieler war vor WM-Start ein Fixum von 55.000 Euro versprochen worden.

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