Die Strecke in Russland fordert den Olympia-Abfahrern alles ab.

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Tagebuch
02/08/2014

Ein wilder Ritt zum Frühstück

Die Herren-Abfahrt am Sonntag ist ein Fall für Frühaufsteher.

von Wolfgang Winheim

Vor zwei Wochen beendete Hannes Reichelt das acht Jahre dauernde Warten auf einen österreichischen Abfahrtssieg in Kitzbühel. Am Sonntag erlebt er nach einer Bandscheiben-OP die Olympia-Abfahrt nur im TV. Wird in seiner Abwesenheit die nächste Minus-Serie beendet? Kann sich ein ÖSV-Pilot erstmals seit 12 Jahren in der Königsdisziplin mit Gold krönen? Die Antwort werden viele Sportfreunde, ehe sie Sonntag-Zeitungen aufschlagen, schon wissen. Was sie vielleicht nicht wissen: Wie unterschiedlich es das Schicksal mit den letzten zehn Abfahrts-Olympiasiegern meint.

Didier Défago, Gewinner 2010, ist als Einziger noch aktiv und – wie sein Super-G-Sieg in Kitzbühel bewies – fünf vor zwölf in Form gekommen. Nur die Goldene von Vancouver, gibt der Schweizer (36) zu, bewog ihn zum Weitermachen.

Antoine Dénériaz schnappte den Österreichern 2006 nicht nur die Goldene, sondern auch eine der charmantesten Ski-Damen weg. Der Franzose hat Claudia Riegler geheiratet und mit der Salzburgerin, die für das (Neusee-)Land ihrer Mama Slalom-Weltcupsiege erwedelte, zwei Söhne.

Fritz Strobl blieb nach seinem Triumph 2002 der Exekutive treu – als wohl gutmütigster aller Kieberer und Präsident der Kinderpolizei. Sotschi erinnert ihn an Salt Lake. Dort wurde auch Inspektor Strobl (als Folge des 11. 9.) ständig kontrolliert. Aber er habe sich davon, sagt er, nicht ablenken lassen und vom Status eines Fixstarters profitiert. So wie er das nun seinen Kärntner Landsleuten Max Franz und Matthias Mayer wünscht.

Jean-Luc Crétier, Olympiasieger 1998, wird als Co-Kommentator von France 2 in Sotschi nur von Franzosen erkannt. Das war schon in Nagano so, als Crétier sein einziges Rennen gewann, aber alle nur über den Sturz von Hermann Maier redeten.

Tommy Moe, US-Alpinheld von Lillehammer 1994, gewann ebenfalls nie eine Weltcup-Abfahrt. Aber Moe bewies mit Gold und Silber, wie zielorientiert sich speziell Amerikaner auf den Tag X hintrimmen können. Später tauchte der Mann aus Alaska nie mehr im Weltcup, sondern nur in Berichten über Ted Ligety auf. Der nannte Moe „mein erstes Vorbild“.

Patrick Ortlieb, Olympiasieger 1992, Hotelier, Vorarlberger Verbandspräsident und Ex-FPÖ-Nationalrat, erfuhr am Eröffnungstag, dass sich Töchterl Nina am Knie arg verletzte: Kreuzband, Patellarsehne zerfetzt. Erst vor zwei Wochen feierte die 17-Jährige ihr Weltcup-Debüt.

Pirmin Zurbriggen, Olympiasieger 1988 und mit 40 Siegen erfolgreichster Schweizer Weltcupfahrer, ist wie Ortlieb Hotelier, regionaler Skipräsident und Papa junger Rennhoffnungen.

Bill Johnson, Sensationssieger in Sarajewo 1984, erlebte die schlimmste Talfahrt aller Abfahrer: Sein 13 Monate junger Sohn ertrank im Whirlpool. Und 2001 endete ein Comeback-Versuch, als er aus finanzieller Not mit 40 noch einmal bei Olympia starten wollte, bei den US-Meisterschaften mit schwerste Schädelverletzungen. Im vergangenen Sommer lehnte Johnson bereits alle lebensverlängernden Maßnahmen ab. Entgegen ärztlicher Prognosen hat Johnson, im Rollstuhl sitzend, Schlaganfälle und einen Kollaps des Immunsystems überstanden.

Leonhard Stock, der 1980 in Lake Placid vom Reservisten zum Olympiasieger und daraufhin Cover-Man der größten US-Magazine wurde, ist Hotelier im Zillertal und topfiter Ehrengast im Tirol-Haus von Sotschi.

Franz Klammer, Olympiasieger 1976, rechnet damit, dass es am 12. Februar, wenn er in Sotschi Gastgeber eines Kärntner Abends ist, viel Grund zum Feiern gibt. Schon vor seinem 60. Geburtstag im Dezember schwärmte Head-Aufsichtsrat Klammer nicht nur von Bode Miller, sondern auch vom Kärntner Head-Pilot Mayer. Der fahre mit Köpfchen.

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