Kork verdirbt die Urlaubserinne­rung

Warum das Mitbringsel aus der Toskana nicht mehr so gut schmeckt wie am Weingut im Schatten eines Olivenbaumes.


Folgendes Szenario: Ein wunderschöner Sommerurlaub mit netten Freunden oder zumindest einem netten Partner. Man ist viel unterwegs, geht gut essen und trinkt das eine oder andere Gläschen Wein. Passionierte Weinfreunde machen dann noch einen Umweg, um Winzer persönlich zu besuchen. Man macht subjektiv gesehen „sensationelle“ Entdeckungen und malt sich schon die Reaktion von Freunden aus, wenn die Souvenirs dann im trauten Heim gemeinsam verkostet werden.

Wochen und Monate vergehen, bis die liquide Urlaubserinnerung dann tatsächlich getrunken wird. Die Erwartungen sind sehr hoch und die Enttäuschung ist garantiert groß. Aber warum schmeckt die sensationelle Entdeckung dann nicht viel besser als ein durchschnittlicher Supermarkt-Wein? Hmm, schwierige Frage, ein echtes Mysterium. Wollen wir mal Indizien sammeln: Ein Wein ist ein Naturprodukt, das sensibel auf Einflüsse jeglicher Art reagiert. War der Wein vielleicht mal im Auto, während man bei 35 Grad und mehr lieber die Frische des Meeres genossen hat? Wenn das Auto in der prallen Sonne gestanden hat, dann wurde der Wein vermutlich auf über 50 Grad erwärmt - nicht gerade qualitätsfördernd, wenn man nicht an Ort und Stelle einen Glühwein trinken will. Beim Packen und beim Transport wurde er gerüttelt und geschüttelt. Auch nicht förderlich.

Und wie schauts mit der Stimmung aus? Es war Urlaub, man war herrlich ausgeschlafen, der Tag hatte 12 Sonnenstunden oder mehr und die Einheimischen haben einem schöne Augen gemacht. (zumindest glaubt man in der Italophorie fest daran). Da schmeckt auch der Wein ganz anders, wenn man so in Hochstimmung ist. Zu Hause ist es auch schön, aber man verkostet bestimmt sachlicher.

Aber der größte Unsicherheitsfaktor ist der Naturkork. Winzer berichten von bis zu 25 Prozent durch Kork beeinträchtigte Weine. Die Qualität der Naturkorken hat leider immer weiter nachgelassen – nur wer wirklich viel hinblättert bekommt verlässliche Qualität. Das Problem sind dabei nicht die eindeutigen Korkfehler, sondern die Schleicher. Wenn man den Wein nicht wirklich gut kennt und man nicht weiß, wie er eigentlich in Topform schmecken sollte, dann kann man den Fehler nicht zuordnen und geht davon aus, dass man einfach einen durchschnittlichen Wein gekauft hat, "der nicht mehr kann". Für den Winzer der worst case, da der Konsument davon ausgeht, dass er schlecht gearbeitet hat. Der Verschluss zerstört die Arbeit eines ganzen Jahres oder mehr.

Eigentlich unglaublich, dass ein Viertel Ausfall in Kauf genommen wird. Stellen Sie sich vor, dass Sie jede vierte Packung Milch wegschütten müssten. Ich bin für einen Warnhinweis: Achtung! Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wein durch den Korkverschluss beeinträchtigt ist, liegt bei bis zu 25 Prozent. Warum nicht gleich Schraubverschluss? Da ist auch das drin, was man erwartet.

(kurier) Erstellt am
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