Manuela Trinkl arbeitet nach dem Konzept der Motopädagogik.

© gilbert novy

Woche 2
10/28/2013

Manuela Trinkl bleibt flexibel

Kinder sollen ihren eigenen Weg finden und nicht auf vorgetreten Pfaden gehen.

von Ute BrĂĽhl

Alles fließt. Das wusste schon der griechische Philosoph Heraklit. Auch im Pfarrkindergarten Maria Himmelfahrt der St. Nikolaus-Kindertagesheimstiftung in Wien-Floridsdorf fließt alles. „Das ganze Leben ist Bewegung – unser Körper, unser Gehirn und unsere sozialen Beziehungen sind nicht statisch“, sagt Kindergartenpädagogin Manuela Trinkl.
Dass dem so bleibt, sieht die Pädagogin als ihre Aufgabe an. Vorgetretene Pfade zu gehen, lernen die Kinder ja noch früh genug. Trinkl arbeitet nach dem Prinzip der Motopädagogik: „ein ganzheitliches psychomotorisches Konzept zur Entwicklungsbegleitung.“

Aufgaben, keine Lösung

Wie das in der täglichen Arbeit mit Kindern aussieht, erläutert Manuela Trinkl so: „Die Buben und Mädchen bleiben geistig flexibel, wenn wir ihnen Aufgaben stellen, aber keine vorgefertigten Lösungen anbieten.“ Das kann zum Beispiel sein, dass alle Kinder einen Sessel bauen sollen: „Wie der dann aussieht und woraus er gebaut ist, bleibt der Fantasie der Kinder überlassen.“
Auch das freie Spiel ohne Vorgaben lässt die Kinder geistig unvoreingenommen und kreativ bleiben. Sie nutzen etwa Materialien nicht nur für das, wofür sie vorgesehen werden. Kastanien werden dann zum Kochen benutzt, zum Spiel in der Puppenecke oder zum Balancieren im Turnsaal. Dadurch, dass Kinder manches nur im Team bewältigen können, stärkt ihre soziale Kompetenz.
Ziel ist es nicht, dass die Aufgaben möglichst gut bewältigt werden: „Es geht nicht um Leistung, sondern um Entwicklungsfortschritte. Die Kinder dürfen selbst tun, sie spüren dabei sich selbst und ihre Grenzen. Sie lernen sich selbst einzuschätzen.“
Das steigert den Selbstwert des Kindes. Er ist die Basis dafür, dass das Kind auch den nächsten Entwicklungsschritt wagt . Die Aufgabe der Pädagogin ist es dabei nicht, jeden Schritt des Kindes mit einem „Super“ oder „Toll“ zu kommentieren. „Ich beobachte das Kind und signalisiere ihm mit einem Nicken, dass ich es sehe und seine Arbeit registriere. Das genügt als Bestätigung.“

Sprossenwand

Das Kind beobachtet sich und seine Entwicklungsschritte auch selbst. Konkret bedeutet das z.B.: „Vor einer Woche hat das Kind nur drei Sprossen auf der Sprossenwand geschafft. Heute sind es schon sieben.“ Wenn sich Kinder dieses Erfolgs bewusst werden, stärkt das ihr Selbstvertrauen und sie glauben daran, dass sie sich auch weiter entwickeln können.
Damit solche Erfolgserlebnisse möglich sind, ist es nötig, dass im Kindergarten Angebote in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gemacht werden.
Um den Kindern ihre Fortschritte noch bewusster zu machen, werden sie in einer Portfolio-Mappe dokumentiert: „Zeichnungen, Beobachtungen von Kollegen oder Fotos kommen da hinein. So sehen die Kinder ihren eigene Entwicklung.“ Gerne zeigen Kinder die Mappen dann auch den Eltern oder der Pädagogin. Sie demonstrieren: „Seht her, das bin ich.“ Trinkl sieht das auch als eine Liebeserklärung an die Kindergartenpädagogin: "So viel Zuneigung bekommen sie in sonst keinem Beruf, sagt sie.

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